und stahl dem Koch ein Ei.
Da nahm der Koch die Kelle
und schlug den Mops zu Brei.
Da kamen viele Möpse
und gruben ihm ein Grab,
und setzten ihm ein’ Grabstein
worauf geschrieben stand:
Ein Mops kam in die Küche
Und stahl dem Koch ein Ei ...
Es dreht sich hier alles um Cleo - Cleo ut de Entlebucher Kinnerstuuv
Die Zeiten ändern sich, und wir uns mit ihnen.
Wie wahr. Nun issis so weit: Ein neues Sofa und ein neuer Relaxsessel müssen her. Eigentlich wollte ich auf meinem Sofa den letzten Atemzug absolvieren ... bin ein treuer Typ, auch Möbeln gegenüber. Aber da macht meine Frau nicht mit. Sie will sich vor dem Notarzt nicht schämen müssen. Ich versteh´ das. Also hineinrutschen in die Materie Möbelsuche, kann ja auch Spaß machen.
Erste Frage: Was will man haben? Aussehen, Größe, Funktionen, Zweckerfüllung. Googeln, was sonst, da geht locker ein Nachmittag drauf. Vom Angebot erschlagen drängt sich die erschreckende Einsicht auf: Wir müssen mal durch ein paar Möbelhäuser schlendern. Versicherungsvertreter, Autohändler und Möbelverkäufer. Da kann´s zu Atemaussetzern kommen.
Was soll´s, wat mutt dat mutt. Auch hier erschlägt das Angebot. Es polarisiert. Klotzige Polstergebirge für Wohnzimmer ab 130 Quadratmeter Grundfläche, oder melierte Spießerburgen passend zum röhrenden Hirsch an der Wand, oder beinverchromte Prestigekisten im schwarzen Büffelleder, die einen Druck der fahlfleischigen Rothaarigen im grünen Top von Egon Schiele (klick) im gebürsteten Edelstahlrahmen zwei Handbreit über Rückenlehnenende zwingend notwendig machen (der Satz hat mir jetzt richtig Freude gemacht, BRÜLL).
Das alles interessiert uns nicht, überhaupt nicht. Und damit scheiden 95 Prozent der Kollektionen schon mal aus. Nicht nur bei den Sofas, nö, auch im Bereich der Relaxsessel. Wir wollen keinen expressionistischen Möchtegern-Thron mit Möchtegern-Hocker. Auch keinen das Auge beleidigenden Rentnerruhesitz in der Größe des alten Fiat 500, der einen per Elektromotor auf Knopfdruck in die Vertikale kickt, wenn der lustlose Fahrer von Essen-auf-Rädern an der Tür klingelt.
Hat man nach einigen Tagen widererwartend doch noch gefunden, was gefällt, dann ist noch lange nicht Schluß (auch mit 66 nicht, da hat Udo Jürgens schon recht). Denn jetzt muss konfiguriert werden. Auf der Internetpräsenzseite von Musterring fährste dann zwei Nachmittage Karussel bis die Maus qualmt. Zusammenstellen der Einzelelement (denn ein Fertig-Sofa in zwei-Meter-dreißig Länge gibt’s nicht), Seitenteile, Sitzhöhe, Sitzhärte, Kaltschaum oder Federkern oder in Kaltschaum eingegossene Federkerne, bodennah oder mit Bein, Holz oder Metall usw., irgendwann macht´s richtig Spaß …
Beim Relaxsessel issis nicht viel weniger aufwendig. Highend-Mechanik. Beim butterweichen Abdriften in die Liegeposition ist eine intelligente Kopfstütze ein Must-have, will man auf Dauer dem Chiropraktor aus dem Wege gehen können. Wulstige Armlehnen sind blöd. Besser wird der komplette Sitzkomfort von einer Schale aus Nussbaum liebevoll aufgenommen.
Und nu? Fertig? Ah geh, jetzt kommt das unmittelbar Wichtigste: Der Bezug. Die Alcantara-Bezüge unserer Sitz- und Liegemöbel des in 12 Wochen endenden Lebensabschnitts haben enttäuscht, bezüglich der Pflegefreundlichkeit. Wer mit unerzogenen Hunden zusammenlebt, denen die Augenhöhe zu ihren Menschen nicht ganz egal ist, der kann seine Illusion von einem lange wie neu aussehenden Sofa im Microfaserbezug nach wenigen Monaten kielholen.
Was bleibt? Leder, klar. Über Möbelleder im Allgemeinen und besonders im Besonderen gibt’s viel zu sagen, und zu lesen. Ich kürz mal ab: Kunstleder, lackiertes Spaltleder, überhaupt Billigleder auf Sonderangebotsmöbeln im Erdgeschoss der Möbelhäuser sollte man schnell vergessen und nie wieder dran denken. Anilinleder ist angesagt. Durchgefärbt, von betörender Haptik, offenporig naturbelassen oder leicht pigmentiert. Offenporiges ist bezaubernd, aber licht- und schmutzempfindlich, das Gegenteil von pflegefreundlich. Für Leute mit kleinen Kindern oder Hunden nicht zu empfehlen. Stark pigmentiertes, vielleicht noch imprägniertes Anilinleder ist lichtechter und pflegeleichter, aber nicht mehr wirklich weich und warm und edel anzuschauen. Der Kompromiss für anspruchsvolle Hundehalter ist Semianilinleder oder Anilin veredelt.
Auch hier ist die Palette recht großzügig gestaltet und nicht jedes Leder ist in der gewollten Farbe zu haben. Nach weiteren zwei Nachmittagen (informieren, suchen, konfigurieren) kam der Deckel auf unser Vorhaben. Der wirklich nette, rührige Verkäufer im Möbelhaus war sicher dankbar über unser perfektes Vorbereitetsein und kam uns auch widerstandslos 800 Euro entgegen. Bis Anfang Mai darf ich meinem alten Sofa noch die Treue halten, dann beendet der Sperrmüll eine große Freundschaft. Schau mir in die Augen, Kleines ...
Cleo stöbert ja gern an den Ufern der Gräben lang, in der Hammeniederung besonders gern. Und sie darf das auch, solange da nix out of control gerät. Letztens hatte sie Finderglück: Eine tote Maus, Todeszeitpunkt nicht lange her, Todesursache unbekannt, allgemeiner Zustand ganz ok., und mein Glück war, daß ich nah dran war am Geschehen. Denn in Blitzeschnelle lief alles ab. Maus gefunden, Maus mit den vorderen Zähnen geschnappt, Maus hochgeworfen, um sich den Happen von der Schwerkraft angetrieben durch den Schlund rutschen zu lassen. Man kennt das aus Tierfilmen über Krokodile oder Adlerkücken. Ich möchte aber keinen Hund, der Mäuse frisst, aus ethischen und bandwurmmäßigen Gründen gefällt mir das nicht. Wie erwähnt war ich mit Cleo auf gleicher Höhe, konnte mein blockierendes Entsetzen für zwei Zehntelsekunden nach hinten schieben und durch ein schrilles „AUS“ der Schwerkraft in die Parade fahren. Die bereits ins Maul plumpsende, leblose Maus glitt über Cleo´s rechten Mundwinkel ins Freie. Ich hatte für einen Wimpernschlag der Zeit die Gesetze der Gravitation außer Kraft gesetzt. Wie einst Moses für seine Jünger sich das Meer teilen ließ, so vollbrachte ich mein kleines Wunder am Rande eines Grabens, unfasslich!
Wo wir just bei Mäusen sind … noch eine kurze Begebenheit aus vergangener Zeit. „Gurke“, meine Schnauzerhündin, war eine passionierte Mäusejägerin. Dafür konnte sie nichts, waren Schnauzer doch für die Erfüllung dieser Aufgabe hin gezüchtet worden, wobei der Schnauzerbart die Lefzen selbst gegen Rattenbisse wohl gut schützen konnte. Mir gefiel das Nagermorden schon damals nicht, aber einer überwiegend freilaufenden „Gurke“ die genetische Determination zu cannceln überforderte mein pädagogisches Geschick um Längen. Jetzt zur Geschichte.
Wir gingen an der „Schlachte" lang, rechts die Weser, links die Mauer zum Hochwasserschutz der Innenstadt. Der Schnauzerhund schnüffelte so vor sich hin. Plötzlich sauste eine Maus über´s Pflaster, „Gurke“ hellwach hinterher. An der Mauer stellte sie die Maus, noch zwei Sekunden bis zum Lebensende. Dann geschah das Ungeheuerliche. Die Maus stellte sich auf die Hinterpfötchen, breitete die Vorderbeine seitlich aus, machte sich so groß wie irgend möglich und schrie den Hund an. Zum Glaszerspringen hell und laut schrie die Maus ihrem Henker ins Gesicht. „Gurke“ stutzte ganz kurz und für mich öffnete sich das winzigkleine Zeitfenster, um sie zurückzurufen, und es klappte! Das Mäuslein erkannte natürlich die Chance und sauste wie von einer Zwille abgeschossen die Wand lang und verschwand. Gerettet!
Der Mut dieser Maus, wie sie brustvoraus um ihr kleines Leben schreiend eine Handbreit vor dem Hund steht, hat mich tief gerührt und tut´s jetzt, wo ich darüber schreibe, wieder. Gegen dieses tapfere Mäuslein bin ich ein lächerlicher Feigling unter der Sonne.