Montag, 1. August 2022

August

 




An Vincent van Gogh gedacht, Sommer in der Provence.

Ende 2002 lief in der Bremer Kunsthalle eine legendäre Van Gogh-Ausstellung.: 50 Exponate aus aller Welt. Der Senat übernahm die Bürgschaft für die Versicherungskosten (heutzutage wohl unbezahlbar). In drei Monaten kamen 322 Tausend Besucher. Es gab endlos lange Schlangen vor den Kassen und bis zu vier Stunden Wartezeit. Bremen stand Kopf. Natürlich haben wir uns diese Ausstellung nicht entgehen lassen, wir waren sogar zweimal drin. Vor echten van Goghs zu stehen hat was ganz Besonderes. Die dick aufgetragenen Farben in ihrer Leuchtkraft, der Pinselduktus hat was Dreidimensionales, es macht schon sprachlos. Aber selbst uns Hobbybetrachter hatten die Gemälde total in ihren Bann gezogen, gesogen geradezu, darum auch der zweite Besuch.

Dann ging der alte Direktor Wulf Herzogenrath in Pension, und mit dem neuen verlor die Halle mit den Ausstellungen, zumindest für uns, an Interesse, leider. Aber das Mohnfeld haben wir gesehen, nur das zählt.






Heute ist der Nationale Tag der Wassermelone. Wo? Naja, in den USA, ein lustiges Land ...

Bei uns werden wohl wieder über 30 Grad, kein Sennenhunde-Wetter, ich find´s auch nicht mehr sooo prickelnd. Aber Gott sei Dank sagen uns die Medien ja (ich hab´s gerade eben wieder im Radio gehört), was zu tun ist. Zum Beispiel viel trinken, vorzugsweise keinen Kaffee. Aha. Danke. Darf ich Cleo in den Kühlschrank setzen, wenn´s ihr zu warm ist? Fragen Sie Dr. Sommer, Dr. Sommer weiß bescheid. Ach ja, die alten BRAVO-Zeiten meiner Jugend. Damals war´s noch niedlich. Heute nicht mehr. Man gewinnt den Eindruck, dass unsere Gesellschaft (deine und meine) kontinuierlich ins Infantile abrutscht. Erwachsene Menschen werden behandelt wie Kinder, denen man gönnerhaft die Welt erklären muss. Mehr trinken, weniger Fleisch essen, Energie sparen, Geld für kommende Gasrechnungen zurücklegen, nicht alle am ersten Ferientag in den Urlaub fahren, am besten mit dem E-Auto, die ungezählten Kisten Leergut im Keller mal wieder zum Getränkemarkt karren, weil sonst die Flaschen ausgehen und Glas ukrainebedingt knapp ist. Vielleicht in Innenräumen und auf dem Oktoberfest doch noch Maske tragen, sich mal wieder boostern lassen, keine Hassmails verschicken, sich mit der Realität anfreunden und so weiter. Alles muss den Leuten vorgekaut werden. Und dann machen sie doch weiter ihren Blödsinn und zeigen es denen da oben mal. Wir sind das Volk, wir sind ein dummes Volk, ich bin Volker ...

Fast vergessen: Geoengineering, mit technischen Mitteln gegen die Erderwärmung vorgehen. Man befasst sich mit der Idee eines gigantischen Sonnenschutzschirms im All.

Nepper, Schlepper, Bauernfänger. 
Vorsicht Falle, Eduard Zimmermann, ZDF Mitte der 60er Jahre. Erinnerung ist ein Laster - ich muss damit aufhören.




Ein Trio sind immer drei, oder?





Der Kaffee ist fertig. Gut. 


Am Sonntag geht´s nach Oldenburg zu den Keramiktagen (klick)Das ist bei uns Tradition, wie der Kaffee am Morgen, macht Spaß. Diesmal bräuchten wir sogar was, ein Milchkännchen, handgemacht, da gibt´s schon schöne Dinger in Form und Glasur, schaun wir mal.

Nochmal kurz zu Cleo´s Ernährung. Beim Barfen sollten ja die Anteile stimmen, ist nicht kompliziert, aber wichtig. 
Bei uns gibt´s 80% Fleischliches und 20% Pflanzliches. Kein Getreide, wenig Kohlenhydrate (selten Nudeln oder Reis, aber Süßkartoffelbrei des Öfteren). Sie kriegt auch mal von unserem Essen was ab, nur Schwachgewürztes, da isse ganz scharf drauf. Und wir sind auch nicht pingelig bis auf´s Gramm, alles im Rahmen, wie im richtigen Leben.
Wichtig ist die Gabe von RFK´s, den rohen Fleischknochen. Immer nur roh, weil alles Erhitzte splittert. Und immer mit Fleisch, damit die Magensäureproduktion anläuft, dann gibt´s keine Verstopfung.
Die Calzium- und Phosphorzufuhr im richtigen Verhältnis zum Fleisch ist sehr wichtig. Verschiedene Knochen haben unterschiedliche Calziumgehalte. Weiche Knochen von Geflügel beispielsweise weniger als harte Knochen vom Rind. Knorpel sind keine Calziumlieferanten. Ist wirklich nicht kompliziert, man mussis nur wissen. Da Cleo ein eher ungeduldiger Knabberer ist, haben wir schon früh ganze Knochen vom Speiseplan verbannt. Da schluckt sie zu große Stücke zu schnell runter, die bestenfalls nachts wieder rausfliegen. Sowas gefällt uns nicht. Also bekommt sie Entenrücken mit Fleisch, gewolft, in den Napf. Da Geflügelkarkassen zu den weichen Knochen mit etwas geringerem Calziumgehalt zählen, sollte der Anteil von den üblichen 15% RFK büschen erhöht werden. Oder man füttert abwechselnd an ein paar Tagen in der Woche harte Knochen. Es gibt Rinderknochen gewolft, also geschreddert. Ham wir probiert. Da ich vor dem Füttern immer kurz mit meinen Fingern durch´s Essen für Cleo gehe (kann ja mal was dazwischen sein, was da nicht hingehört), fielen trotz dem Gewolftsein (oder des Gewolftseins?) immer noch größere, scharfkantige Knochenteilchen auf. Natürlich verdaut der Hund die weg, und trotzdem gefällt mir das nicht. Die Lösung, es gibt ja meistens eine, ist simpel: Lammknochenmus. Wunderbar. Allerdings ist das Mus calziummäßig ziemlich komprimiert. Für Cleo´s Futtermenge reichen da 30 Gramm täglich.






Der Grundplan: Die 80% Fleischliches setzen sich zusammen aus 50% Muskelfleisch (Rind durchwachsen), 20% Rinderpansen (Blättermagen wirkt uns zu abführend), jeweils 15% Innereien (da nehmen wir den zusammenstellten Rinder-Mix) und die RFK´s. Dazu zwei Teelöffel Lachsöl für eine geregelte Omega-3- Zufuhr. Und 100 Gramm Obst, Gemüse - fertig ist die Laube.








Freitag. Die Tagestemperaturen sinken, unsere Heizkostenvorauszahlung steigt um 40% und Lauterbach hat´s coronamäßig nun auch erwischt. Humor ist, wenn man trotzdem lacht ...

Übrigens liegt die Ursache für Rückenprobleme vorne, es sind die durch´s viele Sitzen verkürzten Hüftbeuger. Gegen die muss der Rücken anarbeiten, das schmerzt. Also Leute: Dehnt eure Hüftbeuger! Mindestens eine, besser zwei Minuten am Stück. Die Faszien reagieren nämlich erst nach ´ner halben Minute, is so.






So. Hab´ die Kellertür aufgerüstet. Mehr Sicherheit. Natürlich ist Sicherheit nur ein weiterer kleiner Feuervogel im Whirlpool der Illusionen, klar. Aber neulich hat mich ein perfider Gedanke angeflogen: Bei einer Inflationsrate von 8% könnte es doch sein, dass meine Nachbarn der ansonsten abwegigen Idee verfallen, für ihre nächste Grillparty das Gefrierschränkchen für´s Barffleisch in unserem  Keller kurzerhand zu plündern. So der Gedanke. Menschen ist vieles zuzutrauen, besonders wenn das Geld knapp wird. 
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral - Brecht hat recht. Für den durchschnittlichen Angebotsgrillfleischkonsumenten würden Cleo´s Barfmenüs, verglichen mit den bis an den Rand zur Verwesung durchmarinierten Fleischfetzen vom Discounter, einen Qualitätsquantensprung bedeuten, ohne Frage. Bedauerlicherweise interessieren mich die Quantensprünge meiner Mitmenschen wenig, eigentlich gar nicht. Darum das neue Schloss.


Irgendwann setzt sich jeder Narr die Krone auf ...




 
Das Buch von Reinhold Messner "GOBI" ham wir durch, war interessant zu lesen.
Unsere Wanderungen durch die Dolomiten vor 10 Jahren hatten manchmal auch so´n büschen Gobi-feeling, hahaha. 

Gleich kommt der Anlagemechaniker für´s Sanitäre und tauscht die Küchenarmatur. Die alte ist schwergängig geworden, und wir bevorzugen Frohsinn und Leichtgängigkeit. Hoffentlich steht der bald auf der Matte! Danach geht´s ab ins Werderland, zwei Stunden unter freiem Himmel, so soll´s sein. Mittags gibt´s Seelachs, mit Kartoffelpü und grünen Bohnen. Ich erwähne das beiläufig als Anregung, nichts Politisches.





Auch wenn ich die Fotos für den Blog etwas kontrastreicher bearbeite, ändert das nix: Die Natur ist doch die schönste Gegend!
So ein Blog bildet ja die Wirklichkeit nicht eins zu eins ab, nichmal eins zu zwei. Ein Blog ist artifiziell, ein Kunstprodukt. 
In Wort und Bild. Also nicht alles ernst nehmen, mich sowieso nicht (aber das tut eh keiner).


Wer für alles offen ist, der kann doch nicht ganz dicht sein ...






So. Jetzt los. Zwanzig nach acht. Cleo hat gefrühstückt und liegt, mich hypnotisierend, im Korb, sie will noch was. Irgendwas will sie immer. Ich bleibe standhaft und ignoriere. Fällt schwer. Der letzte Schluck Kaffee ist in mir hinuntergeflossen. Muss nur noch der Trägheit trotzen. Wird wieder einer der schon obligatorischen 30 Grad-Tage. Gestern war´n wir lange im Wald unterwegs, Bradenholz, Frauli ist ganz verrückt nach Wald. Angenehm schattig. Heute muss mal wieder geschwommen werden, Unisee. Cleo schwimmt. Jetzt die Trackball-Maus noch überzeugen, den PC in den Ruhezustand zu klicken. 


Nichts wie runter auf die Straße, und dann renn´ ich jungen Hunden hinterher. 
An den Häusern klebt der Sommer, und die U-Bahnschächte atmen schwer ..


Zwölf Uhr mittags, High Noon. Sind zurück. War´n doch an der Hamme, Worpswede. Am Unisee werden alle potentiellen Einstiegsstellen für Cleo von irgendwelchen Menschen belagert. Früh am Morgen schon. Hoffentlich düsen die bald wieder nach Malle ab, ich kann die hier nicht brauchen! Anner Hamme war´s natürlicher schöner, ruhiger - wenn auch nicht ganz so ruhig wie erhofft. Ich bin für 9-Euro-Flüge in den Süden, unbegrenzt. Porsche-Lindner muss das regeln. Der hat soviel Blödsinn im Kopf, warum nicht mal was sozial Gerechtes. Ich fänd´ das sehr gerecht, und sozial, und wir hätten unsere Ruhe in der Landschaft. Was meinst du, Cleo? Sie meint das auch. Zwischen mich und meinen Hund passt kein Mahnbescheid, nicht mal ein dünner. 

Wenn der Ventilator auf Stufe 3 in meine Richtung schwenkt, dann weiß ich, ich bin noch am Leben. 
Eben fährt unten ein Poser vorbei, alle Fenster runter, volle Lautstärke: Die weißen Tauben sind müde ..!







Sonntag, die Sonne macht ihren Job ambitioniert.
Wir kühlen uns in der Tiefgarage anner Uni.
 Kein Mensch weit und breit. 
Wunderbar, hat was Kathedralenhaftes ...






Cleo halbschattig.

(Auf diesem Foto erscheint sie perspektivisch etwas tiefergelegter als sie tatsächlich ist)


Vorgestern war die Zeit unseres Kühlschranks gekommen. Plötzlich und (fast) unerwartet fühlte sich die Butter weich an. Unseren Elektrohändler des Vertrauens angerufen. Nach kurzer Modellsuche teilte der mir leicht verblüfft mit: Der ist ja über 20 Jahre alt, wird mit Ersatzteilen aber schwierig. So, so. Da wir momentan ohnehin in Kauflaune sind, fiel die Entscheidung für ein neues Gerät leicht. Wieder ein Liebherr, klar, einsfünfundvierzig hoch, sechzig breit, weiß, gute Ausstattung. Bestellt, gekauft, mit Glück steht er in fünf Tagen inner Küche. Aber wie kühlen wir fünf Tage bei 30 Grad im Schatten unsere Sachen? Die sechs kleinen Kühlboxakkus im Barfschrank schnell runtergekühlt, im Kaputten verteilt, und tatsächlich hält der 10 bis 12 Grad für einen Tag, nicht zu oft öffnen, versteht sich. Dann die Akkus wieder ´ne halbe Stunde aufladen, rein damit, so kommen wir ganz passabel über die Runden.

Das neue Modell begeistert uns natürlich. Geräumiges Easy-Fresh Gemüsefach, Touch Display, Interior-Fit, Türalarm, Aktivkohle-Innenfilter und einiges mehr. Toll, nach 20 Jahren wieder gekühlter Luxus, die Freuden der kleinen Leute. Obwohl ich mich nicht als "Kleiner Lloyd" empfinde ...








Freitag, 1. Juli 2022

Juli

 






Es stirbt die Nacht,
wird sie vom Tag entbunden.
Der große Zeiger überholt den kleinen,
und atemlos stirbt auch der Tag.





Cleo ist von allen unseren Hunden die Vielseitigste. Sie hat wirklich viele Seiten. Und damit sind weniger ihre Talente gemeint, die hat sie natürlich auch, mehr ihre Stimmungsschwankungen, Launen, Empfindungsvarianten, die Facetten ihrer Affektivitäten, die ganze Palette dessen, was durchaus mit dem Adjektiv "anstrengend" bezeichnet werden könnte. Hält uns jung oder bringt uns vor der Zeit ins Grab, wie im richtigen Leben.

Es ist also Morgen, er graut. Der Reißverschluß ihrer Schlafboxtür macht sein typisches Geräusch, ritschratsch, und Cleo betritt die Bühne des aktuellen Tages. Aber wie betritt sie? Wie immer? Üblicherweise? Nö, immer anders. Mal gemächlich, mal lustlos sich streckend, mal fröhlich aufgekratzt losstürmend, mal abgeklärt schlurfend, mal überschwänglich die frisch geklaute Socke vom Vortag um sich schleudernd, mal voller Tatendrang, mal früh schon vom Überdruss gepeinigt. Und so geht´s dann weiter, man weiß nie, was kommt.






Manchmal ist sie cool und gelenkig drauf, dann bringt sie kaum was aus der Ruhe. 
Obwohl Autobahnbrücken nicht zu ihren Lieblingsplätzen gehören ...






So, Samstag, Sonnabend sacht der Bremer, Saturday-Werderland-Fever, sozusagen. Zwei Stunden unterwegs, die erste Hälfte am Stahlwerk lang, da gibt´s Schatten durch die Bäume, viele große alte Bäume, beidseitig des naturbelassenen Weges. Toten Maulwurf gefunden, der Herr wird seiner kleinen Seele gnädig sein. Dann anner Moorlosen Kirche vorbei und an Pater Brown alias Heinz Rühmann gedacht. Der Rückweg verläuft über den Ökopfad, schöner Pfad, aber kein Schatten, und da wären´s nur 25 Grad gewesen. Erbarmungslos wurden unsere Konditionen getestet, von wem auch immer. Test bestanden, mit Bravour, beide, uns schaffen die nicht!

Und ganz unten auf der Scheibe über´m Gemüsefach, ist die kälteste Stelle im Kühlschrank, da stehen einige Fläschchen 
fritz-spritz Bio Rhabarberschorle. Wie die Queens Guard vor dem Buckingham Palace, bereit zur Wachablösung, Prosit!





Manic Monday? Ach was, solche Tage verbieten wir uns.
Jeder Tag hat seine Chance, manchmal braucht´s die zweite.


Gestern Radtour zum Bio-Eis gemacht. War ´ne Menge los auf´m Deich. Und dann Schlange steh´n am Tresen. Gar nicht so mein Ding, Ungeduld ist eine meine vielen Stärken. Oder Ausdruck einer latenten Arroganz, vielleicht. Immerhin war mein familiärer Kosename inner Kinderzeit "Prinzi". Das prägt einen schon für´s Leben. Nur Oma machte da nicht mit, die erdete gern. Für Oma war ich "Pinzel". Ach ja, die Oma, die Oma ...

Wo ich gerad bei Oma bin: Opa war auch ´ne Nummer! Mein eigentliches Vorbild vermutlich. Ein in sich ruhender, innerlich unabhängiger Rentner, Taubenzüchter. Hab´ viel Zeit mit Opa im Schlag verbracht. Das monotone Gegurre, die trockene warme Luft, ein Universum für sich. Wie die Festlandvergessenheit der Seeleute.

Einmal schenkte mir Opa eine Taube, Nummer 27, die war nun meine. Die steckte er mir zum Mitnehmen in so einen kleinen Kanarienvogelkäfig. Als ich damit dann zuhause ankam, stolzer Taubenbesitzer, bekam meine Ma einen mittleren Anfall, klemmte den Käfig mit Taube auf den Gepäckträger und radelte etwas unwirsch zu Opa auf´s Land, zum Zwecke der Reklamation. Der amüsierte sich wohl köstlich, hatte die Reklamation natürlich erwartet. Auf den Preisflügen legten seine Tauben locker 500 Kilometer Luftlinie zurück und landeten zielsicher im Schlag. Und nun brachte ihm seine Tochter für fünf Kilometer die Taube persönlich vorbei. Ja, ja, der Opa, der Opa ...







Der Grusel auf der Fensterbank. Unsere Canivoren machen sich echt gut. Wenn man keine Fliege ist, entwickelt sich da eine Art von Freundschaft. Allein der Name "Venusfliegenfalle" beflügelt Phantasien. Die gedeihfördernde Haltung ist nicht sehr schwierig. Die richtige Erde beim Umtopfen, richtiger Standort (Vollsonne oder Halbschatten), richtig gießen, that´s all. Und mit dem Barfen ham wir ja eh Erfahrung.






Ich wär' so gern dabei gewesen,
doch ich hab´ viel zu viel zu tun.
Lass uns später weiter reden,
da draußen brauchen sie mich jetzt.
Die Situation wird unterschätzt,
und vielleicht hängt unser Leben davon ab.
Muss nur noch kurz die Welt retten ...






Cleo hat immer mal Phasen kleinerer Lahmheitsanzeichen, besonders nach dem Aufstehen aus Ruhezeiten. Aktuell wird vorne links geschont. Sie läuft sich schnell ein. Unsere Osteopathin kennt das bei Cleo. Jetzt wollten wir aber doch eine bildgebende Diagnose, also digitales Röntgen schien angesagt. Aber wo und von wem? Die entscheidende Frage. Denn Erfahrungen mit mittelmäßigen Tierärzten und Tierärztinnen (euphemistsich formuliert) haben wir in den letzten Jahrzehnten ausreichend gemacht. Die Wahl fiel auf die Klinik für Kleintiere Sottrum (klick), inhabergeführt, mit GVP-Siegel. Das allein hört sich schon gut an, man braucht aber den richtigen Arzt, mit passendem Schwerpunkt, Sympathie ist auch wichtig. Was bringt uns eine junge Ärztin mit Schwerpunkt Hauterkrankung oder Weichteilchirurgie - wir brauchen einen Orthopäden. Und den haben wir da auch gefunden, Termin gemacht, gestern dagewesen, richtige Wahl getroffen. Freundlich neutraler Doc, mit Zeit zum fragen und zuhören, gutes Feeling zum Hund, ausgiebige Lahmheitsdiagnostik draussen mit Cleo in Bewegung. Und dann wurden Cleo´s Gelenke auf dem Tisch durchgekurbelt, Rücken, Hals, Beine vorne und hinten. Da war ich schon verblüfft, wie zupackend da einer rangeht, der weiß was er tut. Und Cleo hielt gut still. Dann waren die Vorderpfoten, die Zehgelenke dran, und da zeigte Cleo Unbehagen. Aha. Ich nehm´ sie eben mit zum Röntgen, sprach der Doktor, und so geschah´s. Cleo ging anstandslos mit, sie vertraut. Ich wartete. Dann hörte ich, wie ein Mensch von einem Hund den Gang entlanggezogen wurde. Cleo stürmte, die junge Assistentin im Schlepptau, ins Zimmer, nickte mir kurz zu und legte sich zu meinen Füßen breit auf den Boden. Die hat aber Kraft, war der freundliche Kommentar. Dann kam der Doc und erklärte mir die Röntgenbilder. Ellenbogen und Schultergelenk ok., an einigen Zehen eine leichte Arthrose. Da also liegt der Hase im Pfeffer. Die Gabe von Tabletten, schmerz- und entzündungshemmend, ist keine Option, so der TA, lokale Therapie, also Salbe zweimal täglich, und büschen schonen. Gut. Wir machen jetzt erstmal die Retterspitzwickel, klick, und geben Navalis arthral, klick, dauerhaft. Alles weitere wird beim Termin Anfang August mit Cleo´s Osteopathin besprochen. Ein moderates Kilo abnehmen würde auch nicht schaden, klar, weniger Gewicht auf den Zehen. Der kleine schwarze dicke Hund ist nun weit entfernt davon, dick zu sein, Taille ist da, Rippen fühlbar, und selbst bei Portionsreduktion will der Körper nicht deutlich unter die 25 kg. Aber wir werden ernsthaft an den 24 arbeiten, versprochen.





Kühlung tut not, heute sollen bis 35 Grad werden. Jetzt fahr´n wir erstmal zum Schwimmen anne Hamme. 
Dann gibt´s Mozzarella-Tomaten mit Basilikumessig aus´m Kühlschrank.





Gestern war´s nun wirklich warm. Viel draussen rumwackeln war wenig sinnvoll. Cleo hat sich früh am Tag mit Hammewasser abgekühlt, dann gab´s nur noch drei kurze Pipigänge um die Häuser. Dank guter Isolierung und kluger Lüftung, Jalousien runter, Ventilator arbeiten lassen, Adventskranz ausgepustet, krabbelte die Zimmertemperatur nicht über 25 Grad. Traumhafte Klimabedingungen herrschten im Treppenhaus, ist natürlich nicht so gemütlich da. Beim Öffnen der Haustür, und dem ersten zaghaften Schritt in die Wirklichkeit da draussen, traf mich die 40 Grad-Keule in mir unbekannter Härte, Boing! Naja, ich war ja auch noch nie so alt wie gestern …

Cleo wollte übrigens wissen, was denn nun diese Schwarzen Löcher eigentlich sind. Als intellektueller Mittelgewichtler kratze ich da schnell an den Grenzen meiner Möglichkeiten. Fummelte aber beherzt mein Kinderwissen aus der Hosentasche und zog es etwas in Länge und Breite, wie eine gut durchgekaute bunte Kaukugel aus den Automaten der 60er Jahre. 

 Also, Cleo, stell dir einen Stern vor, eine Sonne, viel größer als diesen uns gerade quälenden Gasball. Und so ein Stern muss auch irgendwann sterben, nichts ist für die Ewigkeit. Irgendwann geht ihm der Brennstoff aus. Dann bläst er sich kolossal auf, wird zum Roten Riesen. Anschließend fällt er in sich zusammen, wird zum Weissen Zwerg. Tja, wie im Märchen, fast. Zum Ende kollabiert er total, wird Opfer seiner eigenen Anziehungskraft, verdichtet sich ins Unbegreifbare, ist dann kein kugeliges Ding mehr, auch kein Loch, sondern ein Gebiet im Universum. Mit einer derartigen Anziehungskraft wird alles ringsum eingesogen und nie wieder freigegeben, selbst das Licht. Wenn Licht nicht mehr reflektiert wird, dann kann man nichts mehr sehen, wie auch, klar. Diese Gebiete im All, die seit 1967 als Schwarze Löcher bezeichnet werden, können nur durch die Auswirkungen ihrer Gravitation, durch Röntgenstrahlung und so weiter (spätestens hier ist mein Kaugummi am Limit) erkannt bzw. vermutet werden. Für das universelle Funktionieren sind sie unverzichtbar, wie der Weisse Hai für die Ausgeglichenheit der Meere. 

So, Cleo, mehr weiß ich jetzt auch nicht, biste enttäuscht von Herrli? Nein, isse nicht. Mein Hund muss mich nicht klein machen, um sich selbst groß zu fühlen. Cleo nimmt mich, wie ich bin. Daran versuche ich mich stets zu erinnern, wenn sie durch ihre Eigenwilligkeit meinen Kragen zum Platzen bringt. Ach ja ...






Wir lesen momentan ein Buch von Reinhold Messner: GOBI. Mit 60 Jahren issis eher schwierig, einen Achttausender zu besteigen, ausserdem hadder die ja alle gemacht. Also geht man durch die Wüste, tausende Kilometer, wochenlang, weitestgehend auf sich allein gestellt. Nun kann man Messner getrost als Egomanen bezeichnen, klar. Viele ham damit ihre Schwierigkeiten. Aber obwohl ich im Ansatz ein neurotisches Autoritätsanerkennungsproblem habe, ist aber mit den Jahren besser geworden, hab´ ich mit Messner kein Problem. Ich finde den gut, der Mann hat eine echte Lebensleistung gebracht, weiss immer, was er sagt, meint das auch – kein Harald Juhnke in Wanderstiefeln. Na gut, Sympathie ist Ansichtssache.

Gestern Abend nun nimmt meine Frau das Buch während des Lesens kurz runter und sinniert: Also, ich finde den Messner ja ziemlich arrogant. Der meint, er dürfte als einziger durch die Welt stiefeln, auf Berge steigen, zum Südpol wandern oder durch Wüsten. Und natürlich ist da was dran. An allem, was meine Frau sagt, ist was dran. Messner betont seit Jahrzehnten, was er vom Umgang der Menschheit mit der Natur, und dem Globaltourismus hält: Nichts! Auf den Mount Everest kommt heutzutage jeder Normalverdiener in geführter Touristengruppe leichter, als ich nach Helgoland, da war ich nämlich noch nie. Mit Schnorcheln in Korallenriffen und Trips durch Wüsten issis nicht anders. Und die Folgen sind immer übelst, da ist der hinterlassene Müll nicht mal das größte Problem. 

Messner ist nicht einfach zu tief in eine elitäre Selbsterhöhung gerutscht, nö, kann ich nicht finden. Recht hadder! Messners Respekt, geradezu Ehrfurcht, vor der Natur, der Erde, dem Leben, steht doch ausser Frage. Messner hat immer nur mit der Natur gemacht, nie gegen sie, hat sich ihr immer angepasst und untergeordnet, sonst wär´ er längst tot, klar. Und diesen fehlenden Respekt des modernen Menschen, der sich exemplarisch auch im weltweiten Tourismus zeigt, den kritisiert er. Da sagt er (mit meinen Worten), was wollen diese Überflusswesen auf dem Mount Everest oder in der Wüste? Die Frage darf man stellen. Aber natürlich darf meine Frau ihn auch nicht ganz so sympathisch finden, wie ich, natürlich.

Und irgendwie bin ich auch ein kleiner Messner, ein ganz kleiner. Vor paar Tagen bin ich doch mit Cleo früh am Vormittag, bei bewölktem Himmel, Nieselregen, durch´s Werderland gegangen, den Ökopfad. Zwei Stunden. Wenn der Pfad zu schmal wird, dann schicke ich Cleo hinter mich und wir gehen zügigen Schrittes, ganz auf die Bewegung und die Ruhe konzentriert, ohne zivilisatorische Störungen (fast), durch unsere kleine Welt. Hat Anflüge von Selbstvergessenheit, ein hohes Gut. Und dann kommt uns, wie aus dem Nichts, irgendein halbblinder Honk auf seinem E-Bike entgegengeflogen. Der Hammer der Wirklichkeit hat wieder zugeschlagen. In solchen Situationen könnte ich schreien: Was willst du hier? Bleib in deiner Garage auf dem Heimtrainer! Bin ich arrogant? Gute Frage ...





Innere Unruhe, vermindertes Hungergefühl, Schlafstörungen?
Klarer Fall: Eine Sommerdepression. Zuviel Sonnenlicht. Die Melatonin-Produktion wird gedrosselt, alles gerät aus dem Gleichgewicht. Abgesehen davon ist Stress ein Faktor, der die Entstehung einer Depression begünstigt. Und wenn man im Sommer die Erwartung hat "Ich muss das genießen und alle um mich herum sind fröhlich und happy" - und die dann nicht erfüllt wird, bedeutet das großen Stress und Druck. 

(Quelle: Andreas Hagemann, Facharzt für Psychiatrie)


Tja, ich hab´s schon immer gewußt - Sommer ist scheiße.
Und die Sonne ist das größte Arschloch von allen ...

BRÜLL !!!






Da hab´ ich letzte Woche im Radio, Bremen Zwei war´s  wohl, einen kurzen Beitrag gehört. Im Auto. Also anfangs im Nebenbei-Modus, dann aber hellwach und interessiert. Ein kluger Mann, Philosoph oder Psychologe oder Sozialwissenschaftler oder alles zusammen, wurde gefragt, wie er die momentane Situation (Corona, Ukrainekrieg, Energienotstand) und deren Wirkung auf die Befindlichkeit der Menschen so einschätzt. Er hat gesagt, dass wir jetzt mit der Realität des Lebens konfrontiert wären. Und das, was wir in den letzten Jahrzehnten als selbstverständliche Sicherheit und Wohlstandsgarantie angenommen haben, zwar funktioniert hat, aber eine Illusion auf Zeit war. Man darf froh sein über diese Zeit, durchaus, aber diese Zeit ist nun vorbei und kommt auch nicht wieder. Man sollte und muss das akzeptierten. Sich in die nächste Illusion, in einen weiteren Selbstbetrug (ach, das geht vorbei, alles wird gut) zu flüchten zu versuchen, wäre ein Fehler. So der kluge Mann im Radio. Ich befürchte, da hadder recht. 

Paul Watzlawick mal wieder lesen: Anleitung zum Unglücklichsein. Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst. Eine Erklärung der Wirklichkeit ist nur eine Erklärung und nicht die Wirklichkeit selbst.






Manchmal macht mich ihr Blick unsicher. 
Was denkt sie? Was weiß sie?
Ist das wirklich nur ein Hund?