Donnerstag, 1. Oktober 2020

Oktober

 



Nun hatte ich letztens doch noch von Cleo´s unproblematischen Läufigkeiten geschrieben.

Vor sieben Tagen, Mittwoch, wollte Cleo morgens nicht ins Bett springen, war nicht gut drauf, machte einen krummen Rücken.

Dazu kam eine stark geschwollenen Umgebung der mittleren rechten Zitze. Das war alles nicht gut. Tierarzt angerufen, um 11 Uhr kommen. Thomas Grzonka, ein überaus sympathischer älterer Doktor, der seine tierischen Patienten noch wahrnimmt, anfasst, in die Augen kuckt und nicht nur in irgendeinen Monitor, stellte sofort eine Mastitis, eine entzündete Milchdrüse, fest. Dann ultraschallte er die Gebärmutter, die erschien ihm vergrößert und nicht wie sie sein sollte. Erstmal Antibiotikum und Schmerzmittel gegen die Mastitis gespritzt und für den nächsten Morgen Termin bei seiner Kollegin der Gemeinschaftspraxis für eine speziellere Ultraschalluntersuchung gemacht. Die zeigte dann eine Gebärmutterentzündung und zwar die wirklich gefährliche geschlossene Variante. 

Wir hatten am Mittwochmorgen Fieber gemessen, unter 39, also bei Hunden im normalen Bereich. Warum hatte Cleo kein Fieber gehabt? Grzonka erklärte uns, dass diese Entzündungen innerhalb weniger Stunden drastisch werden, der Hund dann einen ersten Fieberschub kriegt, der wieder abklingt. Die ganze Sache wird wahrscheinlich in der Nacht abgelaufen sein. 

Eine geschlossene Gebärmuttervereiterung muss umgehend operiert werden, da bleibt keine konventionelle Alternative, und das bedeutet Kastration. Wir warteten noch kurz auf den Moment, der die Wirklichkeit blockiert. Er kam nicht, wir machten den OP-Termin für Montag, 11 Uhr, nüchtern.

Heute ist Mittwoch. Gestern waren wir zur Wundkontrolle, alles ok., jetzt erholt sie sich, hat guten Appetit, wir machen Gänge um die Häuser, langsam, so 20 Minuten, sie ist gut drauf. am Samstag in elf Tagen werden die Fäden gezogen.

Ein knappes Viertel der unkastrierten Hündinnen bekommt im Laufe des Lebens eine Gebärmutterentzündung, dreiviertel bekommen keine. Die Entzündung ist im hormonellen Kontext zu sehen, Bakterien alleine reichen nicht. Uns ist erst jetzt klar geworden, dass eine Scheinträchtigkeit (auch in einer moderaten Form) zwar recht verbreitet ist, aber nicht in den normalen Ablauf gehört. Normal bzw. ideal wäre, dass nach Ende der Läufigkeit alles zurückfährt, sich Gelbkörper etc. zurückbilden, sich alles wieder schließt, keine Milchproduktion, keine geschwollene Milchleiste. Alles andere wäre ein gestörter Ablauf, und der ist anlagebedingt, d.h. ein perfekter Züchter könnte da positiv Einfluß nehmen. Kommt aber sehr selten vor, leider. Man kann die Thematik erschöpfend googeln, ich starte hier keine laienhaften Erklärungsversuche.

Unserer kritischen Ansicht bezüglich der prophylaktischen Frühkastration mit all ihren fragwürdigen und negativen Folgen bleiben wir treu. Man kann vorher nicht wissen, wie die Hündin ihre Läufigkeiten absolviert. Soweit die Fakten. Über unsere Befindlichkeiten der letzten Woche sag ich jetzt nix weiter, es nimmt einen schon ziemlich mit ....



Der dritte Tag nach der OP. Unsere Rekonvaleszentin ist gut drauf, die Narbe flach und trocken, der Appetit mörderisch, sie ist völlig klar im Kopf (keine Narkosereste mehr im Blut), Verhalten normal, Kondition ... naja, die bauen wir dann rasch wieder auf, wenn die Fäden gezogen sind. Alles wird gut!





 Heutvormittag mit Cleo und Frauli schönen Gang durch den Rhododendron-Park gemacht. An der langen Schleppe büschen Kondition aufbauen, viel schnüffeln und uns macht´s auch viel Freude, ist ein wunderschöner Park.

Dann hat Cleo sich auf´s Sofa gehau´n und gesundgeschlafen. Ich hab ´ne ganze Zeit, es waren Stunden, gegoogelt und gelesen, über das aktuelle Thema: Zyklus der Hündin mit allem Zipp und Zapp. Hab tatsächlich komplett eine Doktorarbeit durchgeackert, sehr interessant. Und natürlich auch auf diversen Seiten insbesondere von Tierärzten dem unvermeidlichen Unfug begegnet. Dass sich jeder von uns sein eigenes Weltbild versucht zu bauen, ist menschlich, na klar. Es gibt allerdings Bereiche, die man sich nicht nach eigenem Belieben zurechtfaseln kann, z.B. Corona oder tiermedizinische Fakten. Die Mär von der Gesäugetumore verhindernde Frühkastration ist nach wie vor in den Hirnen vieler Veterinäre fest installiert, egal ob nun definitiv relativiert bis widerlegt. So liest man auch immer wieder, dass die Scheinträchtigkeit ein ganz natürliche Sache sei. Das ist ´ne Blinddarmentzündung auch, klar, was denn sonst - Kunst? Na gut, ich muss schnell zum Schluß kommen, das Kürbisbrot ist gebacken, und ich will das noch warm verputzen, mit Honig zum Tee.

Was wollte ich noch sagen? Ach ja, es geht um meinen Satz mit dem "perfekten Züchter" und der Beeinflussbarkeit der mit großer wissenschaftlicher Wahrscheinlich prädisponierten Neigung zu Scheinträchtigkeiten bzw. Lactatio falsa, dieser unnormalen Zyklusstörung. Steht oben, nech. Ich wollte damit nicht die vielen verantwortungsvollen Züchter (die gibt´s ja) mit der großen Keule niedermachen. Und schon gar nicht Cleo´s Züchter irgendwie ans Bein pinkeln, denn das wäre idiotisch, ich will kein Idiot sein, nö!






Das Einheits-Frühstück.




Noch kurz Anlauf nehmen - dann geht´s an den Truperdeich anner Wümme. 
Genau das Richtige bei windigem Oktoberwetter, und die Strecke ist gut dosierbar.







So, hab paar Tage nix gepostet, keine Lust gehabt. 

Es gab eine mittlere Komplikation mit Cleo. Als nach zwölf Tagen die Fäden gezogen werden sollten (und die Naht nach unserem Eindruck ganz gut aussah), zeigte sich, dass die obere Hautschicht nicht zusammengewachsen und etwas entzündet war. Mit großer Wahrscheinlichkeit kam es bei der unteren Naht (es werden ja zwei, manchmal drei Schichten genäht) beim selbstauflösenden Nahtmaterial zu einer Unverträglichkeit. Das kann man vorher nicht wissen. Die untere Naht war gut verheilt, die obere wurde geklammert, um an der Luft zu verheilen. Das dauert natürlich, aber Cleo war während der Zeit gut drauf, hatte großen Appetit und Spaß an den längeren Gängen, wenn auch überwiegend an der Leine.
Die befindlichkeitsstörenden Probleme finden wohl mehr in den Köpfen der Menschen statt. Aber nu is wieder gut!



Die erste Naht,


dann mit den Klammern,


die Klammern sind raus,


der Bauch heute, 
und bald hat sie wieder den schönsten von allen!















Dienstag, 1. September 2020

September





Nubukleder ist der Trend. Gibt kaum noch Schuhe, die nicht Nubuk sind. Soll besonders atmungsaktiv und wasserabweisend sein. Schwer zu pflegen, der Lack ist schnell ab. Nix für Leute, die zwischen ihren Schuhen und ihrem Charakter eine Analogie sehen.









Jacques Brel, belgischer Sänger, geboren 1929, als die dritte Wiederholung der neunten Klasse droht verläßt er die Schule, arbeitet in der Kartonfabrik seines Vaters, schreibt Lieder, geht mit seiner Gitarre 1953 nach Paris, wird zum wichtigsten Repräsentanten des französischen Chansons, stirbt 1978 an Lungenkrebs. „Ich bitte, meine Beerdigung mit strengster Diskretion zu behandeln. Wer mich liebt, hält jetzt die Schnauze“.







Cleo steht hier perspektivisch etwas seltsam. 
Wie unser Goethe auf dem Gemälde von Wilhelm Tischbein, aus dem Jahre 1787 (mal kurz klicken, bittesehr) 
Der könnte nur mit gebrochener Hüfte so daliegen ....






Eigentlich wollte ich die dramatisch bemoosten Wurzeln fotografieren. 
Aber das geht mit Cleo nicht. Unser Hund hat ein Klaus Kinski-Gen, will immer die Hauptperson sein ...





Da geht eine Frau mit ihrem Hund parallel zum Horizont lang, über die abgemähten Felder, unter den Wolken durch, 
von rechts nach links, einfach so. Ich kenne die beiden, sie sind mein Leben.








Gestern Pizza gemacht, also ich hab eine gemacht. Meine Routine in Sachen Pizza ist überschaubar. Das macht´s interessant ...

Einen halben Würfel Hefe in büschen lauwarmen Wasser (wird von den 300 ml genommen) mit einer Prise Zucker auflösen und ne Viertelstunde stehnlassen. Zwischenzeitlich 500 g Mehl, Weizen 405, in Schüssel schütten, Kuhle inner Mitte, 300 ml lauwarmes Wasser bereitstellen (nur bereitstellen, nicht reingießen, Depp). Dann den Hefeansatz in die Kuhle geben, mit Mehl vom Rand vorsichtig verrühren, Tuch über Schüssel und ein Stündchen machen lassen.

Eine Dose Tomaten 400 g, am besten Bio, in weiteres Schüsselchen kippen. Wenn´s ganze Tomaten sind mit dem Kartoffelstampfer zerdrücken, bei Stückeltomaten nix weiter tun. Eine Frühlingszwiebel, eine dicke Knoblauchzehe und eine rote frische Peperoni in kleinste Stückchen schnibbeln und mit den Tomaten verrühren, büschen Salz vielleicht. 

Dann den Käse, es wird ja eine Drei-Käse-Pizza, bearbeiten. 70 g Pecorino durch die feine Reibe jagen, 70 g Edamer durch den Gurkenhobel und einen Mozarella in dünne Scheiben schneiden. Übrigens ist Edamer heutzutage schwer zu kriegen, hat fast keiner mehr, im Stück schon gar nicht. Dann wollen sie einen von Emmenthaler überzeugen, aber Emmenthaler ist kein Edamer, auch geschmacklich nicht, also weitersuchen. Ich werd in Deutschlands bester Käsetheke bei Lestra fündig.

Der Ofen ist natürlich längst vorgeheizt, volles Rohr, mindestens 250 Grade. Wir nehmen unseren Pizzastein.

Die Stunde ist rum, jetzt wird gerührt, oder man läßt rühren. Teighaken in die Maschine klinken, Schüssel mit dem aufgegangenen Hefeteig druntern, halben Teelöffel Salz am Rand verstreuen, einen Esslöffel Olivenöl dazu, das immer noch lauwarme Wasser, und einschalten, erst Stufe 1, dann Stufe 2, wie im richtigen Leben. Wenn sich der Teig leicht vom Rand der Schüssel löst, raus damit. Den Klops in zwei gleiche Teile schneiden und den ersten ausrollen, Nudelholz schön bemehlen, klar, und so dünn wie möglich soll er sein. Und nicht größer als der Stein oder das Blech, versteht sich.

Jetzt die Tomatenpampe dünn aufstreichen, ein bis zwei Zentimeter Rand freilassen oder einen Wulst basteln, wer kann. Erst den Pecorino drüberstreuseln, dann den gehobelten Edamer und zum Schluss die dünnen Scheiben Mozarella. Natürlich von allem nur die Hälfte nehmen, denn die zweite Hälfte kommt ja auch noch zum Einsatz. Noch etwas Oregano auf´s Pizzalein und fertig. 
Nun irgendwie die Pizzaschaufel aus Birkensperrholz unter die Pizza schieben und ab in den Ofen damit, Tür zu.

Nach acht bis höchstens 10 Minuten darf serviert werden. 









Sonntag, zum kleinen Familientreffen nach Hamburg gesaust.
Auf einen Gang am Elbestrand, logo.





Treffpunkt war der Parkplatz am ehemaligen Fährhaus in Blankenese, klick. 
Ein wundervoller Parkplatz, kostenfrei, ganz nah anner Elbe. Ein gehöriger Teil des Rissener-Ufer-Strandes ist offizieller Hundestrand, aber wenn nicht gerade Badehochsaison ist, dann dürfen die Hunde dort überall frei rumtoben. Und das tun sie! Wir waren sowas von überrascht begeistert über die Anzahl der Hunde (es müssen gefühlt hunderte gewesen sein) und das problemlose Miteinander aller Strandgänger.











"Und der zweite Engel blies seine Posaune; und es stürzte etwas wie ein großer Berg mit Feuer brennend ins Meer, und der dritte Teil des Meeres wurde zu Blut ..."

(Aus der Offenbahrung des Johannes)






Man könnte das Foto auch weniger apokalyptisch untertiteln: Es ist der Blick aus dem Küchenfenster, und Frauli macht Frühstück.
Heute gibt´s Honigbrote vom gestern Abend auf dem Stein gebackenen Brot. So ein Sauerteigbrot mit zweitägigem Vorlauf kann man nicht kaufen. So eine Kruste ist einzigartig. Wie weich zersplitternder Edelstahl. Das müssen Zahnfleisch und Zähne erstmal aushalten, sonst sollte man den Zahnarzt wechseln. Die Belohnung steckt in der Krume, dem regelmäßig feinporigen Inneren. Dann die gute Butter, der deutsche Blütenhonig in Bioqualität, einen Becher Mövenpick´s Der Himmlische dazu, zum Abschluß ´ne Banane im optimalen Reifungszustand, einen Entlebucher unter´m Tisch - der Tag wird gut!





Im Laufe der Jahrzehnte, die wir mit Hund durch die Landschaft streifen, sind wir des Öfteren mit der Ignoranz oder Gleichgültigkeit der Landwirtschaft (um´s mal unpersönlich zu sagen) konfrontiert worden. Ich meine jetzt Rinder, die sich schwer lahmend über die Wiesen quälen, im Morast steckengeblieben oder in Gräben gefallen sind. Und diese Quälereien ziehen sich oft über Tage hin. Bedauerlicher- und unverständlicherweise finden sich keine Angaben zum Besitzer der Tiere an Zäunen oder Gattern. Bei Telefonaten mit zuständigen Amtstierärzten ist man auf die Ortskundigigkeit des Veterinärs angewiesen, denn zu erklären, wo genau auf welcher Weide weit draussen das Kalb im Graben liegt, ist recht schwierig. Auch einige Feuerwehreinsätze gehen auf unser Konto. Ich erinnere mich noch gut daran, wie die Jungs mit schwerem Gerät einen schmalen Weg im Teufelsmoor langkamen, denn 500 kg lebendes Rindfleisch heben sich nicht einfach mal so aus´m Graben.

Echte Freude, fast Hoffnung, löste letztens das Schreiben eines Bauern bei uns aus, der die Verantwortung für seine Tiere ernst nimmt! Sowas gibt´s also auch ...











Sonntag, im Werderland gewesen bei herrlichstem Wetter.




Das Dülmener Wildpferde-Projekt zum Anfassen, aber das ist verboten ... (mal kurz klicken)




Dann am Weserdeich gesonnt, Suchspiel gemacht und an die Auberginen-Pizza gedacht.




Auf dem Heimweg für ein Säcklein Palmenerde bei Wassenaar vorbei. Bei denen ist schon Weihnachten - wer´s mag.








Heute im Pennigbütteler Moor gewesen, Hammeniederung, sehr romantisch, und richtig sommerlich war´s!






Cleo´s Läufigkeit hat ja Ende Juni begonnen, die Stehtage waren so Mitte Juli. Das heisst, die neun Wochen Trächtigkeit wären jetzt rum, theoretisch hätten wir Welpen in der Bude. Das Gesäuge ist seit anderthalb Wochen büschen geschwollen, in der letzten Woche auch etwas verhärtet, aber nur etwas. Nimmt schon wieder ab das Ganze, keine Probleme.
Was allerdings deutlich in Erscheinung tritt sind die hormonellen Unausgeglichenheiten, Launenhaftigkeit, Stimmungsschwankungen, mal große Klappe, dann paranoide Anwandlungen.
Auch das ist kein großes Problem, weder für sie noch für uns, man kennt das ja. Manchmal nervt´s ein wenig, und gut is. 





Der Spruch von Woody Allen hat eine gewisse Aktualität:
"Ich fürchte mich im Dunkeln, und Licht ist mir verdächtig."