Montag, 2. Oktober 2017

September





Gestern war Girls´ Day.

Ulrike war mit Eske aus Richtung Hannover angereist - die vier Mädels wollten sich einen schönen Tag machen, langer Gang, viel Gespräch, Kürbissuppe und Kirschkuchen. Es fing schon gut an: Als Cleo und ich nach dem kurzen Morgengang noch vor der Haustür standen, da kam unser Besuch zeitlich etwas unerwartet um die Ecke. Cleo war dermaßen begeistert, dass sie gleich erstmal durch´s runtergekurbelte Fenster zu Ulrike ins Auto sprang! Ich bin bei dem kleinen dicken schwarzen Hund auf fast alles gefasst, aber hier hatte sie mich kalt erwischt. Der Wahnsinn hat eine neue Quälität - ich muss die Hundehaftpflicht aufstocken, hahaha.

Wer die ausgelassene Energie von zusammen 48 kg Entlebucher kennt, der wird verstehen, dass ich im Laufe meines Arbeitstages und zur Abwesenheit verdammt mehrmals versucht war, ein unbeholfenes Gebet abzusondern. Aber ich bin ja Atheist, Gott sei Dank!

Meine beiden Frauen hatten natürlich alles im Griff, die unerzogenen Hunde funktionierten wie Windows 7 und alle Beteiligten hatte viel Spaß und Bewegung! Wahrscheinlich geht´s auch wunderbar ohne mich. Den Gedanken hatte ich am Tag meiner Einschulung auch schon mal ...





Hunde lernen durch Beobachtung und soziale Interaktion von ihren Artgenossen. 
Es muss unterschieden werden, ob es sich um eine echte Imitation (Nachahmung) oder vielmehr um einen sozialen Reiz, der nur ein Verhalten auslöst, handelt. Über den Lernprozess „Imitation“ gibt’s verschiedene Theorien, man kann aber klar sagen, dass Imitation immer zuerst aus der Beobachtung eines (neuen) Verhaltens und der anschließenden Ausführung des Gesehenen besteht. Voraussetzungen dafür sind, dass der Hund überhaupt Interesse an einer Imitation hat, motiviert ist, und dass er seine Aufmerksamkeit auf sein Vorbild richtet.

Dieses Lernen durch Beobachtung ist bei vielen Tieren schon im frühen Alter zu finden. Studien an der Budapester Universität haben nun eindeutig belegt, dass Hunde nicht nur Artgenossen, sondern auch Menschen intensiv beobachten und nachahmen, imitieren. 
Dr. Ádám Miklósi (Leiter der weltweit größten Forschungsgruppe zum Thema Hund) erklärt die Problematik (mit meinen Worten zusammengefasst): Der Welpe hat während der ersten Lebenswochen dieses Lernen durch Beobachten und Nachahmen der Mutter und Geschwister praktiziert. Dann kommt er in seine zukünftige Menschenfamilie und möchte das Imitieren der neuen Vorbilder (seiner Menschen) fortsetzen. Das wird ihm aber weitestgehend verboten. Er soll nicht mit am Tisch sitzen und nicht mit im Bett schlafen usw., ist ja nachvollziehbar. Der junge Hund wird darauf trainiert nur das zu tun, was erlaubt ist. Soziales Lernen wird also stark eingeschränkt, und ebenso das individuelle, das assoziative Lernen (z.B. Lernen durch Versuch und Irrtum).

Stattdessen wird er hundeschulpädagogisch „motiviert und positiv verstärkt“, er wird dressiert. Lernen ist aber eben (meistens) nicht abhängig von Belohnung oder Konsequenz. Natürlich ist aus diesen Forschungsergebnissen eine Trainingsmethode entwickelt worden (ich übe mich in zurückhaltender Neutralität). Die italienische Kynologin Claudia Fugazza hat ihr auch einen Namen gegeben:
 „Do As I Do“ (mach´s mir nach).

Mir persönlich reicht erstmal die Einsicht (und die hatte ich schon vor dem Lesen meines ersten Hundeerziehungsbuchs und ich wußte auch gar nicht, dass ich sie hatte, hahaha), dass man seinem Hund Freiräume geben und lassen sollte. Dieser behindertenpädagogische Umgang mit Hunden und das Hineinpressen in eine (für einzig sinnvoll erachtete) Methode macht aus einem der intelligentesten Tiere einen bedauernswerten Deppen. Schämt euch! (Heute bin ich wieder richtig fies drauf, oder?).






Mich erinnert Cleo auf diesem Foto an einen sauber eingeparkten Bugatti 57 SC Atlantic aus dem Jahr 1938 ...




Die Faszination eines Welpen besteht in seiner Ermutigung zur Liebe ...






Unsere Züchter haben zwei neue Würfe, sind jetzt um die sechs Wochen alt. Imka (Cleos Mama) hat sieben Welpen, Banu (Erstwerfende) hat zweie. Alle gesund, alle gleichmäßig gelungen. Natürlich mussten wir die durchkuscheln, sind hoch nach Neumünster und hatten einen wundervollen Nachmittag mit Ursula, Rolf und den Hunden!






Heute wieder mit Eske und ihren Menschen einen Tag verbracht. Gleich früh lange durch´s Naturschutzgebiet Werderland, Wesermarsch in Burglesum gegangen. Die beiden Hunde harmonieren jetzt gut, also wenig Nerverei. 



Nur das Grasfressen stört uns, sie fressen viel, alles spricht für Übersprungshandlungen, Stressabbau. Vitamin C-Mangel wird´s sicher nicht sein, und obwohl wir ein Auge drauf haben und verbieten, hat Cleo nach dem Gang "wiedergekäut", siehe Foto.



(Jetzt wird konsequenter durchgegriffen)


Anschließend zu Bodes zum Fischessen gefahr´n, viermal "Verschiedene kleine Filets mit Pü und Chicoréegemüse", lecker.
Dann zur Paula Modersohn-Becker Ausstellung in der Böttcherstraße gewackelt. Und kleinen Kontrollgang durch den Schnoor gemacht (klick hier).



Später gab´s noch ganz frisches Kürbisbrot und reichlich Milchkaffee beim Gastgeber. 
Warum erzähl ich das alles? Weil´s Spaß macht ...



Das geht heute alles so schnell vorwärts, da geh ich am besten erstmal paar Schritte rückwärts ... 
Nehmen wir die Tomaten. Nein, nicht die roten Wassersäcke aus Holland, schon richtige Tomaten. Mittelgroße Allrounder, kleine süße oder ganz kleine zum Cocktail, auch Bio kommt gut bei Tomaten. Wer beim Discounter geizt, der kann weiterklicken, er wird nicht versteh´n worüber jetzt geredet wird. 
Es gibt nämlich eine alte Sorte, fast vergessen, die russische Zuchtform kam 1901 nach Amerika. Ich meine die Ochsenherz-Tomate! Sie ist relativ weit verbreitet, aber im deutschen Sprachraum wenig gehandelt. Eine Fleischtomaten bis 500 g schwer, rot, dunkelrot, rosa und gelb sind ihre Farben und ihre vielfach gefaltete Gestalt erinnert im Aussehen tatsächlich an das Herz eines Ochsen ...



Das Ochsenherz eignet sich ganz vorzüglich für eine "insalata caprese" mit Büffelmozarella und reichlich frischem Basilikum. Wir können dem Büffelmoza nicht viel abgewinnen und nehmen den normalen aus Kuhmilch, fest sollte er sein, also erst fühlen, dann kaufen. Aber eine besonders große Freude macht das Ochsenherz in der Gemüsepfanne mit Zucchini und Champignons (ich höre Frauli in der Küche rumoren, gleich geht´s los, ich muss mich noch umkleiden, BRÜLL!).




Ansonsten nix Neues: Merkel gewinnt, der Schulzomat verliert, Nordkorea droht was der Irrsinn hergibt, Trump festigt seinen Ruf als intellektuelle Zumutung und Werder wird sich wieder am Tabellenende einnisten. Paar Stürme stürmen noch, die Natur schlägt zurück, logo, und unser nächstes Auto wird wohl ein Diesel werden. Man sieht sich. 





Sonntag, nach dem Frühstück, gleich geht´s los!
Somewhere over the rainbow ...




Wasserbüffel vor Fischerhude - Globalisierung, verstehst?



Wohnen in der Natur ...


Erfolglose Mäusejagd, dabei sein ist alles.



Fischerhuder Keramiktage auf Buthmanns Hof.



Dann noch im Lindenlaub Café das Mittagessen besorgt, Nudeln gibt´s heut Abend. 
Und ein gewisses Neurologen-Ehepaar in Aligse weiß jetzt genau wie´s schmeckt, hahaha!



"Nein, das Geheimnis von Haustieren ist nicht, dass sie ihre Halter lieben. Und der Grund, Haustiere zu halten, ist auch nicht, dass Kinder Verantwortung lernen, denn unter der Verantwortung von Kindern würden Haustiere verhungern und in ihrem Dreck ersticken. Aber Haustiere können, was Menschen am schwersten fällt: Sie können Liebe annehmen, ohne jemals das Gefühl zu haben, etwas dafür schuldig zu sein."

Hier der ganze Artikel aus der SZ, klick.

Und hier das Buch, kaufen, lesen, unbedingt, klick!





Huiiiii, der erste Herbststurm ist da! Unwetterwarnung, Böen bis Stärke 12, Regen - das volle Programm. Wie schön mussis sein,
 jetzt auf Rügen Urlaub zu machen ... Gleich geht´s raus, auf´n Wümmedeich, in Wachsjacke und dem Berliner Testament in der Brusttasche, Brüll !!




Auf dem Gang so eine Art Tinitus gehabt, ein Gedicht von Günter Grass, Bohnen und Birnen, hier mal ausschnittsweise:

"... bevor die Feuerwehr die Astern löscht
 und Spinnen in die Gläser fallen, 
um so der Zugluft zu entgeh´n, 
vorher, bevor wir uns verkleiden, 
in ärmliche Romane wickeln, 
laßt uns noch grüne Bohnen brechen. 
Mit gelben Birnen, einer Nelke, 
mit Hammelfleisch laßt uns die grünen Bohnen, 
mit schwarzer Nelke und mit gelben Birnen, 
so wollen wir die grünen Bohnen essen, 
mit Hammelfleisch, mit Nelke und mit Birnen." 


Ich nahm das als ein Zeichen, kaufte ein und nachher gibt´s einen grüne Bohnen Eintopf, aber (frei) nach einem Rezept von Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhöfer (den beiden WDR-Kochnasen mit der heimeligen Küche).

 Kartoffeln schälen und in nicht zu kleine Würfel schneiden, grüne Bohnen putzen (ich hab zwei Packungen Gefrierbohnen genommen) und in wenig Salzwasser mit einer Kinderhand Bohnenkraut (auch die getrocknete Version aus der Tüte geht) garen. Wenig Wasser ist wichtig, damit der fertige Eintopf nicht wässrig wird, also mal eben alles bedecken.

Inzwischen zwei Zwiebeln schälen und feinhacken, in Butter leicht gelb dünsten, mit büschen Mehl bestäuben und mitdünsten.
Mit halben Liter Brühe (halber Würfel reicht immer, die Dinger sind ziemlich salzig) ablöschen und glatt rühren, einköcheln lassen, es soll sämig sein. Zu den Bohnen geben, nochmal etwas Bohnenkraut für den bohnigen Geschmack dazu und zehn Minuten köcheln lassen. Jetzt mit satt Pfeffer abschmecken, scharf soll´s sein, und ganz zum Schluß einen Becher Schlagsahne zufügen.

Fleisch, egal von welchem Mitgeschöpf, ist absolut entbehrlich, gehört eigentlich gar nicht rein in diesen sauleckeren Eintopf von dem man mindestens zwei Teller essen wird. Und wenn da einer mit Maggie rumfummelt, dann wird sich der Himmel öffnen und die Offenbarung des Johannes wird ein müder Abklatsch dessen sein, was dann passiert ...





So, sie köchelt noch, gleich kommt die Sahne rein, nochmal kurz abschmecken und dann werden die Löffel geschwungen ... 




Vorhin noch die Kralle gefeilt, die ihr früher gebrochen war und ganz runtergeschnitten worden ist (unter leichter Narkose natürlich). Neue Krallen wachsen häufig nicht ganz perfekt nach, stehen leicht nach oben oder zur Seite. Und dann wird bei Bedarf büschen nachgefeilt. Wir ziehen das Feilen dem marzialischen Abknacken vor, dauert `ne Minute länger macht aber mehr Spaß, hahaha.



Der Sturm gestern hat einiges an hölzerner Unordnung hinterlassen. Vorhin um den Unisee gegangen - war ein natürlicher Hindernisparcours, da muss noch kräftig weggesägt werden. Ansonsten ist heute das schönste Frühherbstwetter, fein!




An Picasso gedacht, die blaue Periode ...





Jaja, ich trag´ meine Sachen wenigstens auf ...


Es ist ja immer wieder eine interessante Sache darüber nachzudenken, wie groß der Anteil der Persönlichkeitswerdung seines Hundes ist, der mit einem selbst zu tun hat. Dass man selbst sehr viel damit zu tun hat, ist klar. So ein Hund, also der Welpe, ist natürlich kein leeres Blatt Papier auf das man beliebig schreiben kann, auch klar. Der kleine Hund hat ja schon acht oder zehn Wochen Leben hinter sich, Leben unter den Bedingungen beim Züchter. Selbst wenn diese Bedingungen positiv waren (und ich setze das voraus), selbst dann bekommt man eine Hundepersönlichkeit mit Ecken und Kanten, ein Individuum – keinen PC mit vorinstalliertem Betriebssystem (meine Standardmetapher).

Haben ängstliche Leute immer ängstliche Hunde? Und aggressive Typen immer auch aggressive Hunde? Und humorvolle Menschen haben lustige, kreative Hunde? Und Hunde, die dauergeliebt, antiautoritär und regellos erzogen werden sind die späteren Problemhunde, Haustyrannen, verhaltensreduzierte Fieslinge? Wer Wind säht wird Sturm ernten? Tja, da wird schon was dran sein …

Wie einfach haben´s da die „professionellen“ Halter. Da ist der Hund noch Tier, wird anständig behandelt, muss sich an klare Vorgaben halten, spielt keine Hauptrolle, wird gemocht und respektiert, niemals vermenschlicht - eine emotionale Distanz zum Tier wird aufrecht erhalten. Dagegen ist nichts einzuwenden, vielleicht die sinnvollste Art mit Hunden zu leben.

Aber man muss es so wollen. Und was noch entscheidender ist: Man muss es so können! Wir können´s so nicht, wir wollen´s so wohl auch nicht. Wir haben keine professionelle Distanz zum Hund. Bei uns ist Hundehaltung (was für ein bescheuertes Wort, hahaha) eine einzige Gratwanderung, immer auf des Messers Schneide. Unsere Leben strukturieren sich über unsere jeweiligen Hunde, jetzt um Cleo, die Unbeschreibliche!

Cleo ist die Protagonistin, sie spielt eine Hauptrolle. Aber die Regie führen wir (meistens, hoffentlich). Sie ist ein Hund, ein Tier, aber sie steht uns näher als die meisten Menschen. Sie wird nicht vermenschlicht (meistens, hoffentlich), aber sie wird geliebt mit der Liebe reinster Form (Brüll, verzeih mir, Rilke). Sie ist kein Opfer einer antiautoriären Erziehung, es gibt Regeln, die zu befolgen sind, Basta. Aber sie hat viel Freiraum, muss nicht funktionieren auf Teufel komm raus, sie darf Cleo sein! Sie wird in keine zeitgeistliche Methode gepresst, nicht bestochen und manipuliert, aber ihr werden bei Bedarf die Ohren langgezogen. Sie ist kein Kinderersatz (so wenig wie Tee Kaffeeersatz ist), sie dient auch nicht als Untergebene, als Statussymbol oder zur Illusionserhaltung der eigenen Größe (so wie Karrierefrauen einen Taxifahrer heiraten müssen, um auch im Privaten von Bedeutung zu sein). Ich könnte die Widersprüche, Inkonsequenzen und Fragwürdigkeiten im Zusammenleben mit Cleo noch lange fortführen, mach ich aber nicht, denn wir müssen raus jetzt, in den Wald oder über die Felder, fernab der Zivilisation (wenn´s nur ginge), hinein in die schönste aller Zweitwelten – Halleluja!





Wir sind wieder hier, in unserm Revier,
war´n nie richtig weg, ham uns nur versteckt ...

Eine Wanderwoche in der Eifel.







Besuch gemacht: Rita und Bonnie, die Vier-Mädels-Tour ...



Besuch bekommen: Wenn die Mutter mit dem Sohne ...



Und doch gibt es nur eins, was zählt, was allein wichtig ist:
Den Anbruch eines neuen Tages zu erleben, der die Welt mit Licht erfüllt.





Offtopic:
Deutschland hat gewählt, Deutschland hat etwas verantwortungslos gewählt (denn sein Land an den Rand der Regierungsunfähigkeit zu wählen ist schon blöd), allerdings ist jetzt wieder Leben in der demokratischen Bude, nicht schlecht. Warum allerdings 12 Prozent keine Partei, sondern eine Selbsthilfegruppe gewählt haben bleibt mir schleierhaft ...


Unsere liebste Freundin Ulrike hat für die Urlaubslektüre gesorgt:
"Hunde würden länger leben, wenn ...", Schwarzbuch Tierarzt, von Dr. Jutta Ziegler. 
Wir kannten dieses Buch schon, hatten vor Jahren drin gelesen und dann issis wieder in Vergessenheit geraten. Beim Erscheinen hatte dieses Buch den Charakter eines Skandals, geht es doch mit den Tierärzten und der Futtermittelindustrie hart ins Gericht. Und das sehr begründet, belegbar und komprimiert kompetent. Wie in solchen Fällen üblich bildet sich schnell eine Fangemeinde - und dann die Gegnerschaft dieser Fangemeinde auf dem Rücken der Autorin bzw. der Fakten, man kennt das. Nun hab ich´s also nochmal gelesen (voller Scham es fast vergessen zu haben). 

Fazit: Dass Tierärzte in der weit überwiegenden Mehrheit skrupellose Geschäftemacher sind, Nichtskönner, Fehldiagnostiker und dem tierischen Patienten auf die widerlichste Weise gleichgültig gegenüber eingestellt, wußte ich schon. Die meisten Hundebesitzer ahnen das ...
Dass industriell hergestelltes Futter, naß oder trocken, alles andere als hochwertig ist, ahnen auch viele ... Aber wie minderwertig es ist, das überrascht einen dann doch mit der Zunahme an Wissen darüber und einer kritischen Betrachtung. Natürlich fallen industriell gefütterte Hunde nicht augenblicklich tot um, logo, und es gibt auch viele robuste Vierbeiner, die relativ alt werden und von chronischen Krankheiten verschont bleiben. Helmut Schmidt, der Altbundeskanzler, ist fast hundert Jahre alt geworden und war davon 80 Jahre Kettenraucher. Ist rauchen deshalb als gesundheitsfördernd einzuschätzen? Eher nicht, denk ich.

Nun haben wir unsere Hunde schon nicht schlecht ernährt: Trockenfutter der Premiumqualität und roher Bio-Pansen.
Mein Denkfehler bestand in der Annahme, dass teueres Industriefutter besser ist als preiswertes. Und das stimmt natürlich auch, vermutlich. Nur ist eben teueres Fertigfutter auch nur Fertigfutter mit all den Nachteilen einer idiotischen Herstellungsweise, die alles in der ohnehin zweifelhaften Qualität der Rohstoffe noch zu findende Brauchbare für die Ernährung bis zur vollständigen Wertlosigkeit erhitzt und durch Fleischwölfe dreht, um es dann durch die abstruse Zugaben von undurchschaubaren Synthetikeiweißen und -vitaminen und reichlich Geschmacksstoffen zumindest soweit aufzurüsten, dass der Hund es einerseits überhaupt frisst und andererseits seine paar Jahre auf den Beinen bleibt. Und diesen Teufelskreis durchbricht auch das teuerste Fertigfutter nicht, Mist bleibt Mist.

Mit diesen Gedanken kamen wir aus der Eifel zurück, fuhren am nächsten Tag nach Bassum in "Carne´s Doggi Store" (klick), kauften gut und relativ günstig ein, füllten das Gefrierschränkchen im Keller und nun sind wir Barfer, WOW! Und es ist entgegen einer von der Futtermittelindustrie propagierten Umständlichkeit und Fehlernährungsgefährdung kinderleicht und bei einer knappen Einführung in die Materie geradezu fehlernährungssicher. Ein Hund braucht nicht täglich und auf das Milligramm genau alle nur denkbaren Inhaltsstoffe - Blödsinn, die bekommt der Wolf in freier Wildbahn (und der moderne Mensch wie Du und ich) doch auch nicht. In vernünftigem Maße vielseitig und abwechslungsreich füttern und unterm Strich haben wir einen überaus gesund ernährten Hund. 
So, gut, ich wollte das nur mal mitgeteilt haben. Und wir danken der lieblichen Ulrike, denn die hat´s immer schon gewußt ...





Eier vom Biohof geholt. Eine Nutztierhaltung bei der einem das Herz aufgeht - eine absurde Aussage, aber in unserm Fall isse wahr.





Das Komplett-Barfen ist gut angelaufen. Das Fleisch (Rindmuskel, Pansen, Herz, Nieren), die gewolften Entenrücken und Hühnerhälse (für die Calciumzufuhr) und die Gemüsemixe sind in praktisch zu öffnenden Beuteln und in Würfeln (alles wir zuerst im Ganzen eingefroren, dann in Würfel gesägt) wunderbar für die Tagesration zu portionieren und aufzutauen. Die Gemüseportionen sind allerdings nach dem Auftauen etwas dünn, und Cleo läßt einiges in den Ecken der Futterschüssel zurück. Da Cleo ein begeisterter Kartoffelpüreefresser ist und ich eine Liste über das zu vermeidende Gemüse/Obst habe (bspw. Zwiebeln und Weintrauben), werde ich unseren Gemüsebrei selbst herstellen (dünsten und pürieren machen mir auch Spaß). Möhren und Äpfel werden frisch geraspelt im Magerquark/Joghurt und einem Teelöffel Olivenöl zur Morgen- oder Zwischenmahlzeit. Alle zwei Tage ein Löffel Lachsöl und fertig ist die Barfgrundlage.

Morgen kommen unsere Freunde mit Eske zum langen Gang anner Hamme, dem anschließendem Pizzaessen (selbst auf dem Stein gebacken, logo), und etwas später gibt´s noch selbstgebackenen Kuchen, den bringt Ulrike mit und noch zwei Bücher über´s Barfen.

Eine kleine Posse will ich noch erzählen. Cleo hatte gefressen, Muskelfleisch Rind mit Beilage, und ich hatte ihr zwei aufgetaute Hühnerhälse ins Körbchen gelegt in der Erwartung, dass sie die genüßlich wegknabbert. Cleo kommt, sieht die Hälse und weg sind sie, einfach geschluckt, nicht wenigstens einmal draufgebissen, ich war verblüfft ... Es wurde aber alles angemessen verdaut. In Zukunft werden die Hälse nun geschreddert gefüttert - so ein kleiner dicker schwarzer Hund ist schließlich kein Krokodil, find ich.







Im Gespräch:

Wie sieht es aus?
Es sah schon schlechter aus.
Du hattest Glück?
Es lag am Köder.
Und was hast Du gemacht seitdem?
In Büchern steht, wie ich es besser machte.
Ich meine, was hast Du getan?
Ich war dagegen, immer schon dagegen.
Und wurdest schuldig?
Nein, ich tat ja nichts.
Und hast erkannt, was sich erkennen ließ?
Ja, ich erkannte Gummi mit der Faust ...

(Günter Grass)




Mittwoch, 2. August 2017

August (Erntemonat, Ährenmonat, Sichelmonat, Ernting; lateinisch augustus)




Cleo, im zwanzigsten Lebensmonat, 23,8 kg. "Wie heissen die noch, Entenberger?"




Ich war mal wie besoffen von der Steinzeitmalerei in der "Höhle von Lascaux" (klick hier). Bin immer noch nicht ganz nüchtern ...
Hab viel darüber gelesen und natürlich wieder vergessen. Eine Sache ist mir in Erinnerung geblieben, und zwar eine umfangreiche Studie. Man hat alle bekannten Frühmenschenmalereien (sind schon viele, sehr viele) von Künstlern, Kunstpädagogen, Kunstkritikern etc. bewerten lassen. Und die "modernen Fachleute" kamen zu dem Ergebnis, dass rund 7 Prozent (auf jeden Fall unter zehn) der Gemälde auf ein großes künstlerisches Talent des Steinzeitkünstlers schließen lassen. Beeindruckend sind natürlich alle, klar! 
Soweit so gut. Nun wurden einige tausend Studenten gebeten, ganz zwanglos Tiere zu zeichnen. Mit welchem Ergebnis wohl? 
Genau, unter zehn Prozent wurden als talentiert eingestuft. Nach über 20 Tausend Jahren hatte sich da nichts geändert!

Diese 7 Prozent haben sich tief in mein Denken eingebrannt. Kann man diese 7 Prozent auch auf Musikschüler anwenden? Oder auf Grundschullehrer und Polizisten? Oder auf Hundetrainer(innen)?




Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters ...



Auf dem alljährlichen Töpfermarkt in Oldenburg gewesen (Keramiktage neuerdings).



Anschließend mit Eske und ihren Leuten durch die Steller Heide. Keine Fotos, waren zu sehr mit uns selbst beschäftigt ...



"Lieber Abend steige nieder und verschließe auch mein Tor.
Bring´ mir meine Einfalt wieder, die tagsüber ich verlor".

(An Tetjus Tügel gedacht)





So, war´n auf der Ausstellung "Bremen bellt", ging gut und zügig, gleich an die Hamme (denn Hunde gehören in die Landschaft, nicht in Hallen, hahaha). Ja und? Na, wie wohl ... Vorzüglich 1, logo!

We are the Champions 
(Freddy Mercury for ever)

Wir sind die Champions, meine Freunde!
Und wir werden kämpfen, bis zum Ende!
Wir sind die Champions!
Keine Zeit für Verlierer,
Denn wir sind die Champions der ganzen Welt ...









Cleo´s Beurteilung mit den obligatorischen Flüchtigkeitsfehlern, macht ja nix. Und nochmal das entscheidene Wort: Vorzüglich 1.








Es gibt ja Hunde, die haben Gehörgänge aus Edelstahl: Niemals schmutzig, kaum Ohrenschmalzproduktion, Reizungen oder gar Entzündungen kommen nicht vor. Klasse!
Cleo ist zwar durch und durch aus Gold, aber sie hat zumindest rechts eine rege Schmalzproduktion und durch häufiges Schwimmen (nasse Löffel) und anschließendes Rumgerase über Sandwege usw. auch oft etwas verschmutzes Ohrinneres. Darum achten wir auf regelmäßige Kontrolle und eigentlich tägliche Pflege. Nimmt man sich bei der Gewöhnung an die Prozedur Zeit und Ruhe, dann gefällt das dem Hund geradezu ...
Von unserer Tierärztin haben wir mal einen Ohrenreiniger mitbekommen, den ich jetzt (natürlich günstiger) im Internet bestellt hab. Dazu gleich noch Ohrenreinigungstücher, sehr empfehlenswert. Hier klicken.
Dass man auf keinen Fall mit Ohrstäbchen im Hundeohr rummacht, ist klar, nech! Und sobald ein häufigeres Ohrenschütteln, Kratzen in Ohrengegend oder das Schiefhalten des Kopfes auftauchen, sollte man sich krankmelden und umgehend den Tierarzt mal reinschaun lassen. Ohrenentzündungen schreiten unbehandelt schnell voran und sind eine ganz üble Sache! Ich will das nur mal so dahin gesagt haben ...


Die in Cleo´s Beurteilung erwähnte "bereits ansprechende Oberlinie" ist die Linie zwischen Schultern und Rutenansatz. Diese obere Linie kann gewölbt, gebogen, gerade oder abfallend sein. Was man unter "bereits ansprechend" verstehen könnte, das weiß der Teufel, und der hat´s mir noch nicht gesagt ...




Vorhin auf n-tv gelesen, "Schaden Haustiere der Umwelt?":

"Selbst ein Meerschweinchen, als Pflanzenfresser ein weit geringerer Treibhausgas-Verursacher als Hund oder Katze, hat eine schlechtere Öko-Bilanz, als viele Tierhalter wohl annehmen: Sein Futter wird in Fabriken hergestellt oder zumindest abgefüllt, hinzu kommen die Verpackungen für Heu, Streu und Futter. Okin sagt: "Haustiere mögen viele Vorzüge haben - aber sie haben auch gewaltigen Einfluss auf die Umwelt."

Auch gelesen:


"Von der britischen Tageszeitung genannte Experten aus Deutschland und Brüssel verwiesen allerdings darauf, dass große Kreuzfahrtschiffe zumindest 150 Tonnen Treibstoff pro Tag verbrauchen und damit mehr Schwefel und Stickoxide in die Luft blasen würden als „einige Millionen Autos“ bzw. der gesamte Verkehr einer „mittelgroßen Stadt“. Ihre Feinstaubbilanz übersteige die des gesamten Londoner Busverkehrs."




(Horst Janssen, Radierung)

Man kennt doch den Ausspruch "des Pudels Kern". Woher kommt der? Na, von wem wohl? Von unserem Goethe natürlich, steht im "Faust", wo sonst, hahaha.

Faust´s Drang nach Wissen macht ihn letztlich anfällig für die Versuchungen des Mephistopheles, des Teufels. Dieser begegnet Faust bei seinem Osterspaziergang, bei dem sich der Gelehrte mit dem berühmten Zitat aller Zwänge befreit sieht:
"Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!"
Auf dem Spaziergang begibt sich ein schwarzer Pudel an Faust´s Seite, der ihn bis in sein Studierzimmer begleitet. Vor seinen Augen verwandelt sich das Tier in Mephisto und Faust ruft erstaunt aus:
"Das also war des Pudels Kern."






Heute morgen Versteckspiel gemacht. Hab mir große Mühe gegeben sie zu überlisten oder zumindest irrezuführen, bin sehr verdeckt vorgegangen, hab angetäuscht, bin mehrmals an den Ballen langgelaufen, hab zum Schluß alles versucht, um meine Spuren zu verwischen ... Sie weiß immer, wo sie suchen muss und findet sehr schnell, obwohl es ja eine Menge potentieller Verstecke gibt. 
Wie macht sie das bloß?


Vorhin im Niederblockland gegangen, schmaler Weg durch´s Wiesenland, schön. Dann steht in vielleicht 60, 70 Metern vor uns ein mittelalter Mann mit einer Französischen Bulldogge auf dem Weg, sieht uns (Cleo läuft frei wie meistens) und leint seinen Hund an. Gut, wir wechseln auf die linke Seite, ich lasse Cleo "Fuß" geh´n. Bei zwanzig Metern macht der Mensch seinen Hund wieder von der Flexi. Gut, ich sach zu Cleo "Kannst laufen", sie bleibt aber bei mir. Bei zehn Metern greift der Typ der kleinen Dogge ins Halsband, hält sie fest. Ich lasse Cleo wieder "Fuß" geh´n, nun sind wir fast auf gleicher Höhe. "Männchen oder Weibchen?". Im Vorübergeh´n sach ich "Ist ´ne Hündin". Nun läßt er seinen Hund frei und der kommt uns aufgeregt hinterher und belästigt die bei Fuß folgende Cleo. "Na gut, dann los", sach ich, die beiden tüddern kurz rum, Cleo folgt mir, die Dogge auch, Herrchen ruft, Dogge hört nicht ... 
Eine nicht ungewöhnliche Situation, ist auch nicht schlimm, aber ich frage mich dann schon, was in den Hirnen dieser Halter so vorgeht. Lernt man die Handhabung solcher Alltagssituationen nicht in der Hundeschule? Gibt´s da keine Bücher drüber oder Wochenendseminare? Ich scherze verbissen ...


Vorhin gutes Stündchen anner Hamme gegangen. Es hat geregnet, immer und überall. Naja, nimmstis als Dichtigkeitstest für die wertvolle Regenjacke, dachte ich mir. Nach ´ner knappen halben Stunde war ich nass bis auf die Haut, nur die Wanderstiefel hielten dicht, immerhin. Cleo ist das Wetter weitestgehend wurscht. Übrigens ist sie nach Ende der letzten (dritten) Läufigkeit deutlich "anhänglicher" geworden, sie macht nicht mehr so viel auf eigene Faust, ist entgegenkommend im Gehorsam, hahaha. Vielleicht nur ein Vorübergang, der Hormonumstellung geschuldet. Vielleicht nimmt sie auch nur Anlauf ...
Abends beim gemeinsamen Glotze kucken krabbelt sie neuerdings vom Fußende des Dreisitzers ganz auf mich rauf, machtis sich auf meiner Brust bequem. In der Welpenzeit war das sehr kuschelig, aber bei knappen 24 Kilo setzt irgendwann Schnappatmung ein, ich werd ja auch nicht jünger - nur kindischer, hahaha. Es regnet immer noch. Aber der zweite größere Gang wird noch gemacht, ich brauch das. Erzähl´ ich noch eben ´ne kleine Geschichte. Urlaub in Werfenweng, Österreich, bestimmt 12 Jahre her, da hatten wir noch Emmi und Gurke. Wir war´n ausgiebig gewandert, hatten lahme Beine und Hunger. Da bot sich eine Rast an, es war so eine Touristenhütte, kein Sterneding. Trotzdem, dachten wir, rein. Auf der Karte stand u.a. ein Gericht, das ich nur aus Liedern von Peter Alexander kannte: Salzburger Nockeln. Durch den Sauerstoffmangel auf 600 m Höhe eventuell beeinflußt, bestellten wir die Nockeln, zweimal. Nockeln sind was mit unendlich vielen Eiern und Zucker - ich will nicht weiter drüber reden. Die Nockeln kamen nach längerer Wartezeit und nach dem zweiten Bissen wußten wir, dass dieses Zeug nicht für den menschlichen Verzehr geeignet war. Es war entsetzlich, fürchterlich, ungenießbar - mit der Bestellung hatten wir einen der folgenschwersten Fehler unseres gemeinsamen Lebens begangen. Was für ein elender Hüttenfraß! In diesem Moment war Peter Alexander für mich das Letzte, das Allerletzte! Obwohl er nix dafür konnte, trotzdem, er hatte es besungen! 
Was nun? Da war´n doch noch zwei Hunde unterm Tisch. So unauffällig wie möglich wanderten die Nockeln eine Etage tiefer ... Doch Peter´s Rache verfolgte uns bis in die Fewo, bis in die Nacht hinein. Denn die nasenbetäubenden Blähungen der Hunde ließen uns kein Auge zumachen! Ich musste an meinen Onkel denken, Walter, den Kommunisten, feiner Kerl. Der hatte den zweiten großen Krieg auf einem russischen Walfänger geschwänzt und beim Auskochen des Blubbers seinen Geruchssinn verloren - wie beneidenswert, oh ja!







Sonntag, Hasbruch, bei Hude, Urwald, Regen, Pilze, Cleo ...





Immer läuft einer durch´s Bild ...


Pilze finden. Das mit den giftigen wird überbewertet, Heiner, gründlich kauen. 
Und wenn man "Casablanca" mal in Farbe sieht, na und? 
Scherz!!!



Der Fortschritt? Nö, ´ne Schnecke.



Frauenpower? Frauenpower! 



Demut vor dem Totholz - nicht vor hölzernen Vorgesetzten ...


Heute vormittag die Lesum-Runde gemacht, gute zwei Stunden, blauer Himmel, schön.



Das Lesumsperrwerk dient dem Hochwasserschutz, wurde 1971 bis 1974 erbaut.


Bauchgekühlt ...


Cleo mäkelt (mal wieder) beim Fressen. Genauer gesagt beim Trockenfutter. Dose oder Frischfleisch haut sie wech wie nix. 
Frauli meint, das sentimentale Herrli hätte das zu verantworten. Das Herrli sieht das (natürlich) etwas differenzierter ...
Ich möchte einen Hund, der sein Futter mit Appetit und Begeisterung frißt. Ich finde, auch ein Hund hat ein Recht auf Geschmacksunterschiede. Einem Hund das vorzusetzen, was er wirklich gerne frißt, hat nix mit unangemessenem Verwöhnen oder Erziehung zur Mäkelhaftigkeit zu tun, find ich. Die Grenze ist fließend, zugegeben, vielleicht hat Frauli ja recht ... 
Begeben wir uns also auf den Weg einer rationalen, zielorientierten Problemlösung.



Jugendstil-Dackel, Illustration aus einem Büchlein von 1912.



Auch wenn´s vielleicht nicht so rüberkommt: Cleo fühlt sich wohl in ihrer Box, doch doch.



Die beiden haben wieder ihren Lieblingsgang gemacht. Mit Pausen im Schatten großer Bäume und der Einkehr bei Bio-Eis-Kaemena ging´s heute an die fünf Stunden. Frauen können so zäh sein wie das Nubukleder meiner Opernballschuhe ...



Vielleicht träumt Cleo vom New York Marathon.


Wir kommen also heim und ich will noch den gefrosterten Rindermix für den nächsten Tag aus der Truhe im Keller holen. Cleo muss oben vor der Kellertür warten, weil sie die Ecken der Gemeinschaftsräume allzu gründlich nach imaginären Mäuseködeln abzusuchen geneigt ist. Plötzlich höre ich Getöse im Erdgeschoss. Mir schwant etwas, das mit dem kleinen dicken schwarzen Hund zu tun haben könnte. Also schnell nach oben: "Cleo?!". In der Wohnungstür stehen meine Erdgeschossnachbarn (ein Paar mittleren Alters, türkischer Abstammung, ich sach das nur der Vollständigkeit halber) und amüsieren sich köstlich. 
"Wo isse?", frag ich. "Drinnen, sie ist so verspielt...", und ich kann meinen Augen kaum trauen: Wie ein gut gelauntes  Sondereinsatzkommando tobt Cleo über die gepolsterten Sitzmöbel! "Tut mir leid, hab nicht aufgepasst". "Macht nichts, sie ist ja nett".





Ich muss an "Hugo" denken, ist über 30 Jahre her, wir gingen Gassi, kamen an einer vor dem Haus stehenden Polstergarnitur (ein Umzug war im Gange) vorbei und Hugo tat, was ein richtiger Schnauzerrüde tut: Er hobt das Bein und bepinkelte das Sofa. Blöderweise kam just in diesem Moment der Sofabesitzer aus der Tür und war wenig begeistert. Damals war ich noch jung und frech: "Nun regen Sie sich nicht so auf, er hat doch nur Wasser getrunken", konterte ich und entfernte mich dann doch recht zügig vom Ort des Geschehens.




"(Li-)Belle de Jour"
(klick)




Unsere momentane Bett-Lektüre ist "Das Scheusal. Die Geschichte einer sonderbaren Erbschaft", von Alice Herdan-Zuckmayer (klick).
Die Autorin erbt von ihrer Tante ausser Schmuck und anderen Wertsachen auch den Hund der Tante: 
"Mucki", eine Kreuzung zwischen Fledermaus, Wüstenfuchs und Warzenschwein.

"Der Hund streckte sich, richtete sich auf, spreizte die krummen Beine. Ich sah ihn an und ekelte mich. Er hatte seine Augen auf mich gerichtet - die Augen hatten keine Iris, keine farbenbildende Traubenhaut unter der Iris, keine Pupillen, nur die weiße, harte Hornhaut überzog die Augen. Er begann die weißen Kugeln in seinen Augenhöhlen zu rollen, er knurrte und entblößte seine Zahnstummel".

Mucki begleitet die Zuckmayers (Alice und Carl, den deutschen Schriftsteller und Dramatiker) auf ihrer Flucht vor den Nazis zuerst in die Schweiz, dann in die USA. Muckis Vorliebe für Rotwein läßt ihn (der eigentlich eine Hündin war) die Seefahrt betrunken überstehen.

Der wahrlich wenig ansprechende Hund wächst der Autorenfamilie ans Herz, und auch das Auge des Lesers wird gelegentlich feucht ...



Hoffentlich hat sie´s auch bequem ... Die Liebe zu einem Hund ist doch die sympathischste Neurose unter uns Menschen, find ich.


Sonntag, Südheide, Lüßwald, viereinhalb Stunden.






Einer ist immer Eske, der annere immer Cleo ...





Unsere "Brieffreundin"hat ihren ersten Urlaub bravourös verlebt - und Sonja ist stolz wie Bolle ...


Offtopic:





"Herr und Hund" haben den Trupe-Gang gemacht, war meditativ - bis auf die Momente, wo Cleo Krähen gejagt hat, hahaha. 

Gut zwei Stunden für 11 km. Gleich gibt´s Butterkartoffeln mit Gurkensalat (ja, natürlich mit frischem Dill) und reichlich Rührei von fröhlichen Hühnern aus dem Hühnermobil vom Biohof Dehlwes, Lilienthal. 


"Herr Ober, ein Glas Wasser und eine Gabel, bitte, ich möchte in See stechen ..."



Gestern zusammen mit Eske, Ulrike und Heiner eine Kanufahrt auf der Hamme gemacht, 
in zwei Booten natürlich, drei Stunden war´n wir unterwegs. Das richtige Wetter war auch, nicht zu kalt, nicht zu warm, wenig Wind.







Anschließend gepicknickt, eine wunderbare Art der Kalorienzufuhr!




Auf der Heimfahrt ein kleines, durch Katzenschnupfen sehbehindertes Kätzchen vor dem Überfahrenwerden gerettet, und gleich ins Tierheim gebracht. Sieht schlimm aus, wird aber wieder in Ordnung kommen, hat uns die Tierheimfrau gesagt. Und darüber freun wir uns ganz doll!



Dann war Ruhe angesagt, und ein richtig gelungener Sonntag nahm seinen Ausklang. Um es mit Goethe zu sagen:
"Augenblick verweile doch, du bist so schön". Geht leider nicht ...




Oder andersherum formuliert: nicht jeder Hundehalter ist in der Lage, das Verhalten seines Hundes realistisch einzuschätzen. Insbesondere bei sogenannten Verhaltensauffälligkeiten wird schwieriges Hundeverhalten nicht selten fehlinterpretiert.

Erfolgs-Trainer wissen es schon lange: der professionelle Umgang mit einem Hund ist enorm wichtig! Der sozialkompetente und vor allem menschliche Umgang mit dem Zweibeiner ist allerdings ein noch stabilerer Erfolgsgarant als Kompetenzen am Hund. Schließlich liegt der Schlüssel zum Erfolg in Sachen Verhaltensveränderung des Hundes im künftigen Umsetzungsvermögen des Menschen, der den Hund betreut. 

(Von Thomas Baumann, einem der wenigen erwähnenswerten Hundetrainer in einem Land mit vielen Tausend Hundeschulen. 
Die obigen Sätze sind nicht spektakulär, keine alle Probleme lösende Mördereinsichten, nö. Aber wahr sind sie ...)





Bonnie, Kurzhaarcollie, auf diesem Blog wirklich zu kurz gekommen, verzeih´ mir, Rita.





Was heut noch frisch und blühend steht,
Wird morgen schon hinweggemäht.
Ihr edlen Narzissen,
Ihr süßen Melissen,
Ihr sehnenden Winden,
Ihr Leid-Hyazinthen,
Müßt in den Erntekranz hinein.
Hüte dich, schöns Blümelein!


(Clemens Brentano, aus: Erntelied)