Dienstag, 1. März 2022

März

 



Ich trag´ dich durch
die schweren Zeiten,
wie ein Schatten
werd´ ich dich begleiten ...

(Udo Lindenberg)






Heutmorgen den Skoda bei Schmidt+Koch abgeholt. Fünf Tage waren wir getrennt. Nun ist die Fahrerseite neu lackiert, die linke Heckleuchte ausgetauscht, alles wunderbar gemacht. Der treue Leser weiß, daß irgendein Vollpfosten unser Auto zerkratzt hatte. 
Die Reparatur kostet 2800 Euro. Vollkaskoversichert bleibt man auf der Selbstbeteiligung sitzen, das ist ja nicht die Welt. Aber wie fühlt sich der nur Teilkaskoversicherte, Beileid.

Anschließend nach Fahrenhorst gedüst und satte zweieinhalb Stunden durch das Bradenholz gewandert. Frühlingswetter, kaum Leute unterwegs, sehr erfrischend im Irrsinn der Welt.





Der Orkan hat im Bradenholz ziemlich gewütet, da war´n wir schon geplättet.







Sonntag, Wümme-Südarm, 18 Tausend Schritte laut Schrittzähler-App (Frauli´s Liebling) oder rund zehn Kilometer.





Dann ham wir uns endlich einen Einkaufsrucksack zugelegt. Das Schleppen des WE-Einkaufs im Beutel, einhändig getragen, tut der alten Schulter nicht gut und macht eine Woche Yoga zunichte. Damit ist jetzt Schluß, törööö! Der Basic Rollup von Travelite (klicken) mit seinem variablen 35 Liter-Fassungsvermögen ist ideal!





Nein, kein sterbendes Pferd. 
Es steht nach dem Wälzen gerade wieder auf!







Gestern war Nebel. Anderthalb Stunden wie durch feuchte Watte getapst. Als hätte man ´ne halbe Flasche Eierlikör geraucht. Nur die Rufe des Brachvogels aus dem Nirgendwo ließen den Realitätsfaden nicht reißen. Cleo ist das alles egal. Die findet immer was aus der Wirklichkeit ...




Heute mal wieder die Höpkens Ruh-Tour gemacht. Borgfeld, Hodenberger Deich lang, durch den Park, dann ein Viertelstündchen anner Oberneuenlander Heerstraße, rechts über die Wiesen zurück zum Deich, zweieinhalb Stunden unterwegs.








Pennigbütteler Moor. Vor mir ein Himmel voller Gänse, und hinter mir wälzt sich mein Hund in totem Maulwurf. 
Mehr kann man nicht erwarten, c´est la vie.


Die Zugvögel kommen seit einigen Jahren früher zurück, oft bis zu drei Wochen früher. Natürlich hat das mit dem Klimawandel zu tun, denn europaweit werden die Winter milder. Bei der Erklärung muss man in Kurzstreckenzieher, deren Winterquatiere nicht weiter als 2000 km entfernt liegen, und in Langstreckenzieher, die überwiegend in Afrika überwintern, unterscheiden. Wie nun genau Kiebitze, Feldlerchen und Co. ihre Entscheidung treffen, loszufliegen, ist nicht bis ins Detail geklärt (Temperatur und Nahrungsangebot werden sicherlich eine Rolle spielen). Falls die Kurzstreckenzieher sich mal geirrt haben und auf eine Kaltfront treffen, dann unterbrechen sie ihre Reise und warten ab. Ein gewisses Risiko lohnt sich aber, denn wer früher ankommt, kann sich die besten Brutreviere und Nistplätze aussuchen.
Die Langstreckenzieher sind weniger flexibel in ihrer Abflugentscheidung, sind genetisch festgelegter und haben somit größere Schwierigkeiten sich an den Klimawandel anzupassen. Mauersegler beispielsweise kommen jedes Jahr fast auf den Tag genau zurück.
Viele Kurz- und Mittelstreckenzieher verkürzen ihre Reisedistanz, stoßen weniger weit nach Süden vor, überwintern wie die Störche neuerdings nicht mehr in Afrika, sondern in Spanien. Andere Arten, Hausrotschwanz und Rotkehlchen beispielsweise, fliegen gar nicht mehr weg und bleiben gleich hier.





Wir leben im Ei. 
Die Innenseite der Schale haben wir mit unanständigen Zeichnungen und den Vornamen unserer Feinde bekritzelt. 
Wir werden gebrütet ...






Ein schöner, gemütlicher Vogelbeobachtungs-Pavillon mit Blick über die Pennigbütteler Niederungen. 
Die Crux: Wir haben dort in all den Jahren noch niemals einen Vogel gesehen. Die sind einen Kilometer weiter vorne. 
Da dann (jetzt zum Beispiel) zu Tausenden. Hat etwa so ein Bürowallach am PC amokgeplant?








Übrigens sind die "Reißzähne" bei den Caniden, also Hunden und so, nicht etwa die vier großen, langen, beeindruckenden Eckzähne. Nö, das sind eben die Eckzähne. Vorne dazwischen stapeln sich horizontal die kleineren Schneidezähne. Nach den Eckzähnen kommen die vorderen Backenzähne zu liegen, die Prämolaren nämlich, ja, ja. Und die vier größten Backenzähne (Molaren) nach den vorderen, links und rechts, oben und unten, das sind die Reißzähne. Damit würde mir Cleo dann einen Finger abbeißen, wenn sie das möchte, aber sie möchte das natürlich nicht, denk´ ich ...





Deichpause, eine kurze kontemplative Einlage, muss sein!




Zweiundsechzig.





Was ist seriöse Vogelbeobachtung?
Naja, die einen sagen so, die annern so ...





Montag. Gestern war Sonntag. Morgen wird Dienstag sein. Die Tage jagen sich wie Füchse die Mäuse. 
Es gibt ja Tage, die möchte man gern verlängern. So ein richtig runder Tag könnte ruhig mal ´ne Woche dauern. 
Andere würde man nach dem Frühstück am liebsten schwänzen. 


Schnell weg da, weg da, weg da,
es tut uns furchtbar leid,
wir schaffen's kaum, der Weg ist ja noch weit.
Wir müssen rennen, springen, fliegen, tauchen,
hinfall´n und gleich wieder aufsteh´n,
wir dürfen keine Zeit verlier´n,
können hier nicht steh´n, wir müssen geh´n ...






Wenn die Erlenkönigin in die Sonne blinzelt und meine Frau sacht, daß wir mal ins Gartencenter müssten, sie bräuchte Anzuchterde.
Wenn die Stinte wieder weg sind und ich mich auf den neuen Nienburger Spargel freue. Wenn ich mit dem aktuellen Bekleidungsmodus nicht immer klarkomme (mal zu dünn, mal zu warm angezogen), und mir eine Antwort auf die Frage, was meine Mutter da wohl falsch gemacht hätte, nicht einfällt. Wenn ich ans Angeln und das Ende der Raubfischschonzeit Mitte Mai denke, obwohl Angeln ja eine Form der Tierquälerei ist. Wenn Cleo anfängt zu haaren wie Oma´s  alte Persianerjacke aus den 20ern, dann, ja dann läßt der Frühling sein blaues Band wieder flattern und vielleicht wird ... nein, es wird wohl nicht besser. Es muss gelebt werden.





Und vom 15.3. bis 15.7. ist Brut- und Setzzeit.

Eine Art Lockdown für den Hund. Für uns ändert sich nicht viel. In wildmäßig unübersichtlichen Gegenden kommt Cleo ohnehin ganzjährig an die Schleppe, ist entspannender für alle Beteiligten. Ansonsten läuft sie ja überwiegend frei. Wenn demnächst die Schwimmsaison beginnt, dann ist sie eh fast mehr im Wasser als an Land, und Fische ham ja keine Setzzeit, hahaha. Wir handhaben die Leinenpflicht vielleicht nicht zu hundert Prozent verordnungskonform, aber immer sehr verantwortungsbewußt, läuft schon.






Stat rosa pristina nomine, nomina nuda tenemus

An "Der Name der Rose" gedacht, Sean Connery als Mönch. Der Film hat mich damals schon begeistert. Hab´ mich noch am Buch versucht. Das ist natürlich um Längen umfangreicher und erfordert Konzentration und Durchhaltevermögen. Wenn ich mich recht erinnere, bin ich gescheitert, aber der Versuch war´s wert. 

"Die Rose von einst steht nur noch als Name, uns bleiben nur nackte Namen"







Dieses sich beim Gehen zwischen die Beine schieben ist kein "Dressurakt", das macht Cleo von sich aus. In gewissen Situationen, wenn ihr die Welt da draussen zu viel wird, macht sie das. Aber was letztendlich im Kopf eines Hundes so abläuft, hat seine Erkenntnislücken, zumindest für mich. Sicherlich wird´s zertifizierte Spezialdemokraten (und -innen, Brüll !) geben, die Cleo´s Verhalten in die Universalkiste des Dominanzverhaltens werfen möchten, na meinetwegen. Vieles weiß ich nicht (wen wundert´s). Ich weiß aber, daß jegliches Verhalten meines Hundes einen Grund hat, und zwar einen hunderelevanten (!). Bei Anleihen aus der freudschen Tiefenpsychologie ("Das Ich und das Es") bin ich sehr skeptisch, wenn auch nicht immer immun ...





Big Brother is watching you?
Zumindest ham wir den Großen Schweizer (Bruder) getroffen und begrüßt. Netter Bursche.






Hochdruckgebiet PETER bringt blauen Himmel, Sonne satt, bis 19 Grad warm! Unsere Blaumeisen sind mit dem Nestbau wohl fertig. Frau Meise wird im Kasten sitzen, ihr Gatte kommt in unregelmäßigen Abständen angesaust, springt büschen auf der Rose rum, kuckt mal kurz nach dem Rechten und haut wieder ab. Werd´ versuchen ein Foto zu machen.





Cleo sieht alles! Kein alter Ziegenbock entgeht ihrer Aufmerksamkeit. Ihre Interessen sind multifunktional wie ein Schweizer Taschenmesser, hahaha. Ein völlig blödsinniger Satz. Die Gefahr der Genitivmetapher liegt in ihrer Blödsinnigkeit. 

Worte kullerten aus seinem Mund wie Mottenkugeln aus´m alten Anzug
   





24ster, heute ist T-Shirt-Wetter, gleich gibt´s eine Riesenschüssel Salat:
Feldsalat, Rucula, Chicoree, Zucchini, eine Grapefruit, Feta und eine Vinagrette, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. 
Dazu ein Dinkelbaguette mit Butter, WOW!






Sonntag, neue Zeit, Wetter wurde immer schöner, wieder eine lange Schlange vorm Lindenlaub Café. 
Nicht unser Ding, das erste Eis des Jahres muss noch warten.
Im Feuchtgebiet hinterm Südarm reges Treiben. Schnatterenten, Brandgänse, Austernfischer, Möwen, Brachvögel, Kiebitze.
Und dann die Sensation am Himmel: Ein Seeadler-Paar!
Nein, tatsächlich, da gibt´s in Norddeutschland schon einige Brutpaare, glaubste kaum, is aber so.





Glücklich ist nicht, wer viel hat, sondern wer wenig braucht ...









Ein Mops lief in die Küche
und stahl dem Koch ein Ei.
Da nahm der Koch die Kelle
und schlug den Mops zu Brei.

Da kamen viele Möpse
und gruben ihm ein Grab,
und setzten ihm ein’  Grabstein
worauf geschrieben stand:

Ein Mops kam in die Küche
Und stahl dem Koch ein Ei ...






31ster März




Erster Blick aus dem Bedroomwindow: Es hatte geschneit.




Und damit war klar, wassis zu Mittag gibt: Lasagne!




Zum Monatsende möchte ich noch kurz büschen böswillig werden, war ich lange nicht. Die grüne Bremer Umweltsenatorin, Frau Schaefer, hat ihre Untergebenen während der Arbeitszeit am 25sten zur Teilnahme an einer größeren Klima-Demo ermuntert. Um in der aktuellen Diktion zu bleiben könnte man sagen, die Senatorin hat ihre "Klimasöldner" an die Front beordert. 

Nun hat Frau Schaefer während iher bisherigen Amtszeit eine Menge nicht folgenlosen Unfugs verzapft, hat wenig Freunde im Senat, steht eigentlich latent, andauernd in der Kritik. Wie die meisten Deppen dieser Welt, zeichnet auch sie sich durch Unbelehrbarkeit aus. Laienhaft vernagelt in ihrer Amtsführung wird sie von den Schwächen demokratischen Brauchtums über Wasser gehalten. 
Na, schaun mer mal, dann sehn mer schon ...









Dienstag, 1. Februar 2022

Februar

 


Windstärke 10, in Böen 12 ...






Das wunderbare Dinkelkissen in Cleo´s von ihr heißgeliebten Schlafbox (neben Fraulis Bett stehend, wo sonst) war viele Jahre ein Garant für angenehme Träume. Aber jetzt überwogen gewichtsmäßig die Milben wohl doch (ich übertreibe, wie häufig), kurzum: eine neue Schlafunterlage musste her. Die feine Faltbox (nehmen wir auch mit in den Urlaub, da fühlt sich ein Hund gleich wie daheim) hat eine Grundfläche von 80 mal 60 cm. Gar nicht so einfach, in der Größe was zu finden. Natürlich ham wir eine gefunden, eine erstklassige orthopädische Matratze aus Memory-Kaltschaum, wechselbarer Kuschelplüschbezug usw.










Hunde dürfen auf Deichen keine Löcher graben, nein, nein, nein!














Wenn ich, ohne ich zu sein, meinen Blog ankucken würde, dann wüßte ich wohl nicht, was ich davon zu halten hätte. Insbesondere von diesem Typen, der sich da verausgabt, über jeden Unsinn (ist natürlich Geschmackssache) meint, etwas absondern zu müssen, vermutlich oft über dem eigenen Niveau, mal kindlich naiv, mal ausgewachsen böswillig. Ich würde mich wohl auch fragen, wie der so über die Runden seines Lebens kommt. Geht der nur mit dem Hund oder surft im Internet? Ist der therapiebedürftig oder macht gerad eine? Und ich würde mich wundern. Wundern über die vielen Fotos. Ist der nur am Knipsen, rennt ununterbrochen mit seiner Handykamera hinterm Hund her?
Tja, ich weiß och nich. Die wenigsten von uns schätzen sich realistisch ein, über- oder unterschätzen sich, laufen im Hamsterrad ihrer Überlebensstrategien, belügen sich selbst - und die annern.

Shit happens, that´s life!

Cleo weiß, wer ich bin, meine Frau ahnt es. Ich werde also unter Kontrolle gehalten, ist auch gut so. Der Ausgang ist immer letal, das ist befreiend. Was die Fotos angeht: Ich stolpere dem Zeitgeist ja hinterher, war immer schon so. Das hat auch Vorteile, z.B. fällt man nicht in jede Suppe, die über dem Feuer der Dämlichkeit gekocht wird. Das Smartphon als ständiger Begleiter war für mich vor wenigen Jahren noch undenkbar. Ich belächelte Leute in digitaler Dauerkommunikation, das Gerät rund um die Uhr wie eine Wurststulle vor das Gesicht haltend. Sind für mich nach wie vor bedauernswerte Opfer der Umstände, der Grundlage ihrer Existenz lange beraubt. Und ich? Opfer will ich nicht sein, und Wurststullen interessieren mich wenig. Darüber soll sich mein Biograph seine überflüssigen Gedanken machen ... 
Aber die Handyfotos von Cleo und der Welt sind mir zur Selbstverständlichkeit geworden. Die mach ich einfach, zack, ohne Aufwand, macht einfach Freude, wie rasselfreies Einatmen. Cleo stellt sich meistens unaufgefordert vor´s Hintergrundmotiv, bitte lächeln, oder kuckt auf dem Sofa dösend professionell in die Linse, wenn ich das Gerät in die Hand nehme und auf sie richte. Wir sind ein gut funktionierendes Team, wie Helmut Newton und seine nackigen Mädels.

Wenn ich den Blog abzüglich Langeweile und Selbstdarstellungstendenz betrachte, dann fungiert der als Tagebuch. Und wir nutzen ihn auch so. Wann waren wir in der letzten Ausstellung im Oldenburger Prinzenpalais, wie lange ist die letzte Kotuntersuchung (von Cleo, versteht sich) her, ist die nächste Auffrischimpfung schon fällig und so weiter. Natürlich kommen auch sentimentale Befindlichkeit auf ihre Kosten. Cleo´s Welpenzeit, unsere Urlaube, die überschaubaren Unternehmungen mit Freunden und Bekannten. Manchmal denke ich daran, den Blog zu schließen und mich Wichtigerem zu widmen, z.B. Online-Anzeigen von Falschparkern oder so. Aber dann mach ich doch weiter ...







Heute mal kaum Regen, Halleluja!

Gefühlt regnet es seit zwei Wochen ununterbrochen. Ganz so schlimm wird´s nicht sein, aber ständig nasse Klamotten, das Immunsystem trotzt in alle Richtungen und der Stubenhockerschweinehund muss auch in Schach gehalten werden - das macht allerdings Cleo!
Aber, wie gesagt, heute kein Wasser von oben, dafür sind die Hammewiesen total abgesoffen. Die zweieinhalb Stunden im Pennigbütteler Moor waren traumhaft, ein Fest für die Augen, und kaum Leute unterwegs, nur Herr und Hund, so soll es sein!







Auf´m Heimweg bei Bodes vorbei: Die Stinte sind da, hurra!






Wollte ich ja daheim zivilisiert und stilvoll zu Mittag essen,
hab´ dann aber an jeder roten Ampel zugelangt (Cleo mag Stinte auch, besonders gern paniert und gebraten)
 und zack - wech war´n se. Was soll´s, das Leben ist kurz, jeder Tag kann der letzte sein, Mahlzeit ...





Die Zeiten ändern sich, und wir uns mit ihnen.

Wie wahr. Nun issis so weit: Ein neues Sofa und ein neuer Relaxsessel müssen her. Eigentlich wollte ich auf meinem Sofa den letzten Atemzug absolvieren ... bin ein treuer Typ, auch Möbeln gegenüber. Aber da macht meine Frau nicht mit. Sie will sich vor dem Notarzt nicht schämen müssen. Ich versteh´ das. Also hineinrutschen in die Materie Möbelsuche, kann ja auch Spaß machen.

Erste Frage: Was will man haben? Aussehen, Größe, Funktionen, Zweckerfüllung. Googeln, was sonst, da geht locker ein Nachmittag drauf. Vom Angebot erschlagen drängt sich die erschreckende Einsicht auf: Wir müssen mal durch ein paar Möbelhäuser schlendern. Versicherungsvertreter, Autohändler und Möbelverkäufer. Da kann´s zu Atemaussetzern kommen. 

Was soll´s, wat mutt dat mutt. Auch hier erschlägt das Angebot. Es polarisiert. Klotzige Polstergebirge für Wohnzimmer ab 130 Quadratmeter Grundfläche, oder melierte Spießerburgen passend zum röhrenden Hirsch an der Wand, oder beinverchromte Prestigekisten im schwarzen Büffelleder, die einen Druck der fahlfleischigen Rothaarigen im grünen Top von Egon Schiele (klick) im gebürsteten Edelstahlrahmen zwei Handbreit über Rückenlehnenende zwingend notwendig machen (der Satz hat mir jetzt richtig Freude gemacht, BRÜLL).

Das alles interessiert uns nicht, überhaupt nicht. Und damit scheiden 95 Prozent der Kollektionen schon mal aus. Nicht nur bei den Sofas, nö, auch im Bereich der Relaxsessel. Wir wollen keinen expressionistischen Möchtegern-Thron mit Möchtegern-Hocker. Auch keinen das Auge beleidigenden Rentnerruhesitz in der Größe des alten Fiat 500, der einen per Elektromotor auf Knopfdruck in die Vertikale kickt, wenn der lustlose Fahrer von Essen-auf-Rädern an der Tür klingelt.

Hat man nach einigen Tagen widererwartend doch noch gefunden, was gefällt, dann ist noch lange nicht Schluß (auch mit 66 nicht, da hat Udo Jürgens schon recht). Denn jetzt muss konfiguriert werden. Auf der Internetpräsenzseite von Musterring fährste dann zwei Nachmittage Karussel bis die Maus qualmt. Zusammenstellen der Einzelelement (denn ein Fertig-Sofa in zwei-Meter-dreißig Länge gibt’s nicht), Seitenteile, Sitzhöhe, Sitzhärte, Kaltschaum oder Federkern oder in Kaltschaum eingegossene Federkerne, bodennah oder mit Bein, Holz oder Metall usw., irgendwann macht´s richtig Spaß …

Beim Relaxsessel issis nicht viel weniger aufwendig. Highend-Mechanik. Beim butterweichen Abdriften in die Liegeposition ist eine intelligente Kopfstütze ein Must-have, will man auf Dauer dem Chiropraktor aus dem Wege gehen können. Wulstige Armlehnen sind blöd. Besser wird der komplette Sitzkomfort von einer Schale aus Nussbaum liebevoll aufgenommen.

Und nu? Fertig? Ah geh, jetzt kommt das unmittelbar Wichtigste: Der Bezug. Die Alcantara-Bezüge unserer Sitz- und Liegemöbel des in 12 Wochen endenden Lebensabschnitts haben enttäuscht, bezüglich der Pflegefreundlichkeit. Wer mit unerzogenen Hunden zusammenlebt, denen die Augenhöhe zu ihren Menschen nicht ganz egal ist, der kann seine Illusion von einem lange wie neu aussehenden Sofa im Microfaserbezug nach wenigen Monaten kielholen. 

Was bleibt? Leder, klar. Über Möbelleder im Allgemeinen und besonders im Besonderen gibt’s viel zu sagen, und zu lesen. Ich kürz mal ab: Kunstleder, lackiertes Spaltleder, überhaupt Billigleder auf Sonderangebotsmöbeln im Erdgeschoss der Möbelhäuser sollte man schnell vergessen und nie wieder dran denken. Anilinleder ist angesagt. Durchgefärbt, von betörender Haptik, offenporig naturbelassen oder leicht pigmentiert. Offenporiges ist bezaubernd, aber licht- und schmutzempfindlich, das Gegenteil von pflegefreundlich. Für Leute mit kleinen Kindern oder Hunden nicht zu empfehlen. Stark pigmentiertes, vielleicht noch imprägniertes Anilinleder ist lichtechter und pflegeleichter, aber nicht mehr wirklich weich und warm und edel anzuschauen. Der Kompromiss für anspruchsvolle Hundehalter ist Semianilinleder oder Anilin veredelt. 

Auch hier ist die Palette recht großzügig gestaltet und nicht jedes Leder ist in der gewollten Farbe zu haben. Nach weiteren zwei Nachmittagen (informieren, suchen, konfigurieren) kam der Deckel auf unser Vorhaben. Der wirklich nette, rührige Verkäufer im Möbelhaus war sicher dankbar über unser perfektes Vorbereitetsein und kam uns auch widerstandslos 800 Euro entgegen. Bis Anfang Mai darf ich meinem alten Sofa noch die Treue halten, dann beendet der Sperrmüll eine große Freundschaft. Schau mir in die Augen, Kleines ...







So, mein Quadrupede und ich sind wieder daheim.
War´n anner Hamme. Zuerst peitschte der Regen rückseitig in den Jackenkragen, dann kam Starkwind von vorn und ließ die Augen triefen. Cleo trotzt den Gewalten mal ganz gern, denk ich, the winner takes it all. Gern hätten wir die 30 km Heimweg mit dem Lastenrad gerissen. Aber mit´m TSI ging´s auch. Und überhaupt: Es recht zu machen jedermann ist eine Kunst, die keiner kann

Morgen rollt dann das Orkantief an, mit allem Zipp und Zapp. 
Ob die Leute wohl kapiert haben, daß Waldspaziergänge auch nachteilig für die Gesundheit sein können? 



Samstag, 19ter, heute Nacht hat´s sich erstmal ausorkanisiert.
War schon heftig! Aber die Bremer Feuerwehr ist froh über den relativ glimpflichen Verlauf. Die Unwetterwarnung ist aufgehoben, das Wetter gilt jetzt als "markant" ...






Vor paar Tagen saß beim Regionalmagazin "DAS" eine sehr sympathische Wildbiologin, Mitte dreißig, auf dem Roten Sofa.
Ihr neuestes Buch wurde vorgestellt. Sophia Kimmig: Von Füchsen und Menschen.

Das interessierte uns, ab in die Stadtbibliothek, war ausleihbar, gut.
Füchse sind die Katzen unter den Hunden. Kann´s kaum erwarten, heutabend weiter vorgelesen zu kriegen, hahaha!






Weil´s dort kaum Bäume gibt oder mit rumfliegenden Baustellenteilen zu rechnen ist, sind wir die Wümmewiesen gegangen. Hin und zurück die halbe Strecke. Hin mit Rückenwind, zurück mit Gegenwind, gegen den Wind also, schon anstrengend. Vielleicht bin ich zu alt oder zu leicht für dieses Wetter, oder beides. Bis auf den schmalen, asphaltierten Weg ist alles überschwemmt, Cleo kann keine Ausflüge über die Wiesen starten, das ist entspannend, dann lauf, mein Hund.
Allerdings, und das hatte ich nicht bedacht, kann sie über die Wiesen schwimmen. Das tat sie dann auch, als eine am Ufer irgendwas knabbernde, überraschte Bisamratte einen weiten Satz ins Wasser machte, der Satz meines Hundes war sogar noch weiter. Das passiert ja meistens in Sekundenschnelle, da kannste kaum mehr reagieren. Na gut, Cleo schwamm ihre Runde, die Ratte war abgetaucht, mein Hund naß bis hinter die Ohren, und es ist kalt, Wasser wie Luft, dazu ein eisiger Wind. Wird sie sich erkälten? Sollte ich sie mit meinem Pullover abrubbeln? Natürlich nicht, dreimal geschüttelt, zehnmal hin und her gesaust, vom Winde gefönt, alles ok., trotzdem ist mir Mitte Februar zum Anbaden zu früh, eigentlich ...






Gestern auch wieder Regen, Regen, Regen. Mit Cleo zweimal draussen gewesen, über zwei Stunden insgesamt. Macht natürlich trotzdem Freude, auch wenn unsere Jacken und Jeans langsam knapp werden, denn die hängen seit Tagen abwechselnd zum Trocknen an der Stange im Bad. Wirklich Wasserdichtes gibt´s im Grunde nicht, egal in welcher Preisklasse, jede Wassersäule hat ihre Grenzen.

Zur Versöhnung mit Chaq, dem Regengott der Maya, gab´s Pizza vom Stein, immer wieder lecker. Wir haben drei Varianten im Repertoire: Traditionell, mit Aubergine oder die Drei-Käse-Pizza. Gestern war traditionell. 

Wer nun dem Foto Rechnung tragend meint, Cleo würde betteln oder lungern, der irrt - sie kontrolliert bloß, ob wir auch gründlich kauen.





Heutvormittag sind wir die Jan-Reiners-Runde abgeschlurft, zwei Stunden gebraucht, und das Schönste, das Unerwartete, das Unfassbare geradezu: Es hat nicht geregnet! Windig war´s, der Wind, der Wind, das himmlische Kind. Zurück am Kraftfahrzeug, was soll ich sagen: Regentropfen, die an mein Fenster klopfen ...

Jetzt ausruhen, Kraft schöpfen, diesen Zustand der wohligen Gleichgültigkeit genießen.
Ein leerer Autobus stürzt durch die ausgesternte Nacht. Vielleicht singt sein Chauffeur und ist glücklich dabei.





Cleo stöbert ja gern an den Ufern der Gräben lang, in der Hammeniederung besonders gern. Und sie darf das auch, solange da nix out of control gerät. Letztens hatte sie Finderglück: Eine tote Maus, Todeszeitpunkt nicht lange her, Todesursache unbekannt, allgemeiner Zustand ganz ok., und mein Glück war, daß ich nah dran war am Geschehen. Denn in Blitzeschnelle lief alles ab. Maus gefunden, Maus mit den vorderen Zähnen geschnappt, Maus hochgeworfen, um sich den Happen von der Schwerkraft angetrieben durch den Schlund rutschen zu lassen. Man kennt das aus Tierfilmen über Krokodile oder Adlerkücken. Ich möchte aber keinen Hund, der Mäuse frisst, aus ethischen und bandwurmmäßigen Gründen gefällt mir das nicht. Wie erwähnt war ich mit Cleo auf gleicher Höhe, konnte mein blockierendes Entsetzen für zwei Zehntelsekunden nach hinten schieben und durch ein schrilles „AUS“ der Schwerkraft in die Parade fahren. Die bereits ins Maul plumpsende, leblose Maus glitt über Cleo´s rechten Mundwinkel ins Freie. Ich hatte für einen Wimpernschlag der Zeit die Gesetze der Gravitation außer Kraft gesetzt. Wie einst Moses für seine Jünger sich das Meer teilen ließ, so vollbrachte ich mein kleines Wunder am Rande eines Grabens, unfasslich!

Wo wir just bei Mäusen sind … noch eine kurze Begebenheit aus vergangener Zeit. „Gurke“, meine Schnauzerhündin, war eine passionierte Mäusejägerin. Dafür konnte sie nichts, waren Schnauzer doch für die Erfüllung dieser Aufgabe hin gezüchtet worden, wobei der Schnauzerbart die Lefzen selbst gegen Rattenbisse wohl gut schützen konnte. Mir gefiel das Nagermorden schon damals nicht, aber einer überwiegend freilaufenden „Gurke“ die genetische Determination zu cannceln überforderte mein pädagogisches Geschick um Längen. Jetzt zur Geschichte.

Wir gingen an der Schlachte" lang, rechts die Weser, links die Mauer zum Hochwasserschutz der Innenstadt. Der Schnauzerhund schnüffelte so vor sich hin. Plötzlich sauste eine Maus über´s Pflaster, „Gurke“ hellwach hinterher. An der Mauer stellte sie die Maus, noch zwei Sekunden bis zum Lebensende. Dann geschah das Ungeheuerliche. Die Maus stellte sich auf die Hinterpfötchen, breitete die Vorderbeine seitlich aus, machte sich so groß wie irgend möglich und schrie den Hund an. Zum Glaszerspringen hell und laut schrie die Maus ihrem Henker ins Gesicht. „Gurke“ stutzte ganz kurz und für mich öffnete sich das winzigkleine Zeitfenster, um sie zurückzurufen, und es klappte! Das Mäuslein erkannte natürlich die Chance und sauste wie von einer Zwille abgeschossen die Wand lang und verschwand. Gerettet!

Der Mut dieser Maus, wie sie brustvoraus um ihr kleines Leben schreiend eine Handbreit vor dem Hund steht, hat mich tief gerührt und tut´s jetzt, wo ich darüber schreibe, wieder. Gegen dieses tapfere Mäuslein bin ich ein lächerlicher Feigling unter der Sonne.

 Jetzt mach´ ich mir ´n Kaffee ...





"Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen"
(Ludwig Wittgenstein)