Dienstag, 1. Februar 2022

Februar

 


Windstärke 10, in Böen 12 ...






Das wunderbare Dinkelkissen in Cleo´s von ihr heißgeliebten Schlafbox (neben Fraulis Bett stehend, wo sonst) war viele Jahre ein Garant für angenehme Träume. Aber jetzt überwogen gewichtsmäßig die Milben wohl doch (ich übertreibe, wie häufig), kurzum: eine neue Schlafunterlage musste her. Die feine Faltbox (nehmen wir auch mit in den Urlaub, da fühlt sich ein Hund gleich wie daheim) hat eine Grundfläche von 80 mal 60 cm. Gar nicht so einfach, in der Größe was zu finden. Natürlich ham wir eine gefunden, eine erstklassige orthopädische Matratze aus Memory-Kaltschaum, wechselbarer Kuschelplüschbezug usw.










Hunde dürfen auf Deichen keine Löcher graben, nein, nein, nein!














Wenn ich, ohne ich zu sein, meinen Blog ankucken würde, dann wüßte ich wohl nicht, was ich davon zu halten hätte. Insbesondere von diesem Typen, der sich da verausgabt, über jeden Unsinn (ist natürlich Geschmackssache) meint, etwas absondern zu müssen, vermutlich oft über dem eigenen Niveau, mal kindlich naiv, mal ausgewachsen böswillig. Ich würde mich wohl auch fragen, wie der so über die Runden seines Lebens kommt. Geht der nur mit dem Hund oder surft im Internet? Ist der therapiebedürftig oder macht gerad eine? Und ich würde mich wundern. Wundern über die vielen Fotos. Ist der nur am Knipsen, rennt ununterbrochen mit seiner Handykamera hinterm Hund her?
Tja, ich weiß och nich. Die wenigsten von uns schätzen sich realistisch ein, über- oder unterschätzen sich, laufen im Hamsterrad ihrer Überlebensstrategien, belügen sich selbst - und die annern.

Shit happens, that´s life!

Cleo weiß, wer ich bin, meine Frau ahnt es. Ich werde also unter Kontrolle gehalten, ist auch gut so. Der Ausgang ist immer letal, das ist befreiend. Was die Fotos angeht: Ich stolpere dem Zeitgeist ja hinterher, war immer schon so. Das hat auch Vorteile, z.B. fällt man nicht in jede Suppe, die über dem Feuer der Dämlichkeit gekocht wird. Das Smartphon als ständiger Begleiter war für mich vor wenigen Jahren noch undenkbar. Ich belächelte Leute in digitaler Dauerkommunikation, das Gerät rund um die Uhr wie eine Wurststulle vor das Gesicht haltend. Sind für mich nach wie vor bedauernswerte Opfer der Umstände, der Grundlage ihrer Existenz lange beraubt. Und ich? Opfer will ich nicht sein, und Wurststullen interessieren mich wenig. Darüber soll sich mein Biograph seine überflüssigen Gedanken machen ... 
Aber die Handyfotos von Cleo und der Welt sind mir zur Selbstverständlichkeit geworden. Die mach ich einfach, zack, ohne Aufwand, macht einfach Freude, wie rasselfreies Einatmen. Cleo stellt sich meistens unaufgefordert vor´s Hintergrundmotiv, bitte lächeln, oder kuckt auf dem Sofa dösend professionell in die Linse, wenn ich das Gerät in die Hand nehme und auf sie richte. Wir sind ein gut funktionierendes Team, wie Helmut Newton und seine nackigen Mädels.

Wenn ich den Blog abzüglich Langeweile und Selbstdarstellungstendenz betrachte, dann fungiert der als Tagebuch. Und wir nutzen ihn auch so. Wann waren wir in der letzten Ausstellung im Oldenburger Prinzenpalais, wie lange ist die letzte Kotuntersuchung (von Cleo, versteht sich) her, ist die nächste Auffrischimpfung schon fällig und so weiter. Natürlich kommen auch sentimentale Befindlichkeit auf ihre Kosten. Cleo´s Welpenzeit, unsere Urlaube, die überschaubaren Unternehmungen mit Freunden und Bekannten. Manchmal denke ich daran, den Blog zu schließen und mich Wichtigerem zu widmen, z.B. Online-Anzeigen von Falschparkern oder so. Aber dann mach ich doch weiter ...







Heute mal kaum Regen, Halleluja!

Gefühlt regnet es seit zwei Wochen ununterbrochen. Ganz so schlimm wird´s nicht sein, aber ständig nasse Klamotten, das Immunsystem trotzt in alle Richtungen und der Stubenhockerschweinehund muss auch in Schach gehalten werden - das macht allerdings Cleo!
Aber, wie gesagt, heute kein Wasser von oben, dafür sind die Hammewiesen total abgesoffen. Die zweieinhalb Stunden im Pennigbütteler Moor waren traumhaft, ein Fest für die Augen, und kaum Leute unterwegs, nur Herr und Hund, so soll es sein!







Auf´m Heimweg bei Bodes vorbei: Die Stinte sind da, hurra!






Wollte ich ja daheim zivilisiert und stilvoll zu Mittag essen,
hab´ dann aber an jeder roten Ampel zugelangt (Cleo mag Stinte auch, besonders gern paniert und gebraten)
 und zack - wech war´n se. Was soll´s, das Leben ist kurz, jeder Tag kann der letzte sein, Mahlzeit ...





Die Zeiten ändern sich, und wir uns mit ihnen.

Wie wahr. Nun issis so weit: Ein neues Sofa und ein neuer Relaxsessel müssen her. Eigentlich wollte ich auf meinem Sofa den letzten Atemzug absolvieren ... bin ein treuer Typ, auch Möbeln gegenüber. Aber da macht meine Frau nicht mit. Sie will sich vor dem Notarzt nicht schämen müssen. Ich versteh´ das. Also hineinrutschen in die Materie Möbelsuche, kann ja auch Spaß machen.

Erste Frage: Was will man haben? Aussehen, Größe, Funktionen, Zweckerfüllung. Googeln, was sonst, da geht locker ein Nachmittag drauf. Vom Angebot erschlagen drängt sich die erschreckende Einsicht auf: Wir müssen mal durch ein paar Möbelhäuser schlendern. Versicherungsvertreter, Autohändler und Möbelverkäufer. Da kann´s zu Atemaussetzern kommen. 

Was soll´s, wat mutt dat mutt. Auch hier erschlägt das Angebot. Es polarisiert. Klotzige Polstergebirge für Wohnzimmer ab 130 Quadratmeter Grundfläche, oder melierte Spießerburgen passend zum röhrenden Hirsch an der Wand, oder beinverchromte Prestigekisten im schwarzen Büffelleder, die einen Druck der fahlfleischigen Rothaarigen im grünen Top von Egon Schiele (klick) im gebürsteten Edelstahlrahmen zwei Handbreit über Rückenlehnenende zwingend notwendig machen (der Satz hat mir jetzt richtig Freude gemacht, BRÜLL).

Das alles interessiert uns nicht, überhaupt nicht. Und damit scheiden 95 Prozent der Kollektionen schon mal aus. Nicht nur bei den Sofas, nö, auch im Bereich der Relaxsessel. Wir wollen keinen expressionistischen Möchtegern-Thron mit Möchtegern-Hocker. Auch keinen das Auge beleidigenden Rentnerruhesitz in der Größe des alten Fiat 500, der einen per Elektromotor auf Knopfdruck in die Vertikale kickt, wenn der lustlose Fahrer von Essen-auf-Rädern an der Tür klingelt.

Hat man nach einigen Tagen widererwartend doch noch gefunden, was gefällt, dann ist noch lange nicht Schluß (auch mit 66 nicht, da hat Udo Jürgens schon recht). Denn jetzt muss konfiguriert werden. Auf der Internetpräsenzseite von Musterring fährste dann zwei Nachmittage Karussel bis die Maus qualmt. Zusammenstellen der Einzelelement (denn ein Fertig-Sofa in zwei-Meter-dreißig Länge gibt’s nicht), Seitenteile, Sitzhöhe, Sitzhärte, Kaltschaum oder Federkern oder in Kaltschaum eingegossene Federkerne, bodennah oder mit Bein, Holz oder Metall usw., irgendwann macht´s richtig Spaß …

Beim Relaxsessel issis nicht viel weniger aufwendig. Highend-Mechanik. Beim butterweichen Abdriften in die Liegeposition ist eine intelligente Kopfstütze ein Must-have, will man auf Dauer dem Chiropraktor aus dem Wege gehen können. Wulstige Armlehnen sind blöd. Besser wird der komplette Sitzkomfort von einer Schale aus Nussbaum liebevoll aufgenommen.

Und nu? Fertig? Ah geh, jetzt kommt das unmittelbar Wichtigste: Der Bezug. Die Alcantara-Bezüge unserer Sitz- und Liegemöbel des in 12 Wochen endenden Lebensabschnitts haben enttäuscht, bezüglich der Pflegefreundlichkeit. Wer mit unerzogenen Hunden zusammenlebt, denen die Augenhöhe zu ihren Menschen nicht ganz egal ist, der kann seine Illusion von einem lange wie neu aussehenden Sofa im Microfaserbezug nach wenigen Monaten kielholen. 

Was bleibt? Leder, klar. Über Möbelleder im Allgemeinen und besonders im Besonderen gibt’s viel zu sagen, und zu lesen. Ich kürz mal ab: Kunstleder, lackiertes Spaltleder, überhaupt Billigleder auf Sonderangebotsmöbeln im Erdgeschoss der Möbelhäuser sollte man schnell vergessen und nie wieder dran denken. Anilinleder ist angesagt. Durchgefärbt, von betörender Haptik, offenporig naturbelassen oder leicht pigmentiert. Offenporiges ist bezaubernd, aber licht- und schmutzempfindlich, das Gegenteil von pflegefreundlich. Für Leute mit kleinen Kindern oder Hunden nicht zu empfehlen. Stark pigmentiertes, vielleicht noch imprägniertes Anilinleder ist lichtechter und pflegeleichter, aber nicht mehr wirklich weich und warm und edel anzuschauen. Der Kompromiss für anspruchsvolle Hundehalter ist Semianilinleder oder Anilin veredelt. 

Auch hier ist die Palette recht großzügig gestaltet und nicht jedes Leder ist in der gewollten Farbe zu haben. Nach weiteren zwei Nachmittagen (informieren, suchen, konfigurieren) kam der Deckel auf unser Vorhaben. Der wirklich nette, rührige Verkäufer im Möbelhaus war sicher dankbar über unser perfektes Vorbereitetsein und kam uns auch widerstandslos 800 Euro entgegen. Bis Anfang Mai darf ich meinem alten Sofa noch die Treue halten, dann beendet der Sperrmüll eine große Freundschaft. Schau mir in die Augen, Kleines ...







So, mein Quadrupede und ich sind wieder daheim.
War´n anner Hamme. Zuerst peitschte der Regen rückseitig in den Jackenkragen, dann kam Starkwind von vorn und ließ die Augen triefen. Cleo trotzt den Gewalten mal ganz gern, denk ich, the winner takes it all. Gern hätten wir die 30 km Heimweg mit dem Lastenrad gerissen. Aber mit´m TSI ging´s auch. Und überhaupt: Es recht zu machen jedermann ist eine Kunst, die keiner kann. 

Morgen rollt dann das Orkantief an, mit allem Zipp und Zapp. 
Ob die Leute wohl kapiert haben, daß Waldspaziergänge auch nachteilig für die Gesundheit sein können? 



Samstag, 19ter, heute Nacht hat´s sich erstmal ausorkanisiert.
War schon heftig! Aber die Bremer Feuerwehr ist froh über den relativ glimpflichen Verlauf. Die Unwetterwarnung ist aufgehoben, das Wetter gilt jetzt als "markant" ...






Vor paar Tagen saß beim Regionalmagazin "DAS" eine sehr sympathische Wildbiologin, Mitte dreißig, auf dem Roten Sofa.
Ihr neuestes Buch wurde vorgestellt. Sophia Kimmig: Von Füchsen und Menschen.

Das interessierte uns, ab in die Stadtbibliothek, war ausleihbar, gut.
Füchse sind die Katzen unter den Hunden. Kann´s kaum erwarten, heutabend weiter vorgelesen zu kriegen, hahaha!






Weil´s dort kaum Bäume gibt oder mit rumfliegenden Baustellenteilen zu rechnen ist, sind wir die Wümmewiesen gegangen. Hin und zurück die halbe Strecke. Hin mit Rückenwind, zurück mit Gegenwind, gegen den Wind also, schon anstrengend. Vielleicht bin ich zu alt oder zu leicht für dieses Wetter, oder beides. Bis auf den schmalen, asphaltierten Weg ist alles überschwemmt, Cleo kann keine Ausflüge über die Wiesen starten, das ist entspannend, dann lauf, mein Hund.
Allerdings, und das hatte ich nicht bedacht, kann sie über die Wiesen schwimmen. Das tat sie dann auch, als eine am Ufer irgendwas knabbernde, überraschte Bisamratte einen weiten Satz ins Wasser machte, der Satz meines Hundes war sogar noch weiter. Das passiert ja meistens in Sekundenschnelle, da kannste kaum mehr reagieren. Na gut, Cleo schwamm ihre Runde, die Ratte war abgetaucht, mein Hund naß bis hinter die Ohren, und es ist kalt, Wasser wie Luft, dazu ein eisiger Wind. Wird sie sich erkälten? Sollte ich sie mit meinem Pullover abrubbeln? Natürlich nicht, dreimal geschüttelt, zehnmal hin und her gesaust, vom Winde gefönt, alles ok., trotzdem ist mir Mitte Februar zum Anbaden zu früh, eigentlich ...






Gestern auch wieder Regen, Regen, Regen. Mit Cleo zweimal draussen gewesen, über zwei Stunden insgesamt. Macht natürlich trotzdem Freude, auch wenn unsere Jacken und Jeans langsam knapp werden, denn die hängen seit Tagen abwechselnd zum Trocknen an der Stange im Bad. Wirklich Wasserdichtes gibt´s im Grunde nicht, egal in welcher Preisklasse, jede Wassersäule hat ihre Grenzen.

Zur Versöhnung mit Chaq, dem Regengott der Maya, gab´s Pizza vom Stein, immer wieder lecker. Wir haben drei Varianten im Repertoire: Traditionell, mit Aubergine oder die Drei-Käse-Pizza. Gestern war traditionell. 

Wer nun dem Foto Rechnung tragend meint, Cleo würde betteln oder lungern, der irrt - sie kontrolliert bloß, ob wir auch gründlich kauen.





Heutvormittag sind wir die Jan-Reiners-Runde abgeschlurft, zwei Stunden gebraucht, und das Schönste, das Unerwartete, das Unfassbare geradezu: Es hat nicht geregnet! Windig war´s, der Wind, der Wind, das himmlische Kind. Zurück am Kraftfahrzeug, was soll ich sagen: Regentropfen, die an mein Fenster klopfen ...

Jetzt ausruhen, Kraft schöpfen, diesen Zustand der wohligen Gleichgültigkeit genießen.
Ein leerer Autobus stürzt durch die ausgesternte Nacht. Vielleicht singt sein Chauffeur und ist glücklich dabei.





Cleo stöbert ja gern an den Ufern der Gräben lang, in der Hammeniederung besonders gern. Und sie darf das auch, solange da nix out of control gerät. Letztens hatte sie Finderglück: Eine tote Maus, Todeszeitpunkt nicht lange her, Todesursache unbekannt, allgemeiner Zustand ganz ok., und mein Glück war, daß ich nah dran war am Geschehen. Denn in Blitzeschnelle lief alles ab. Maus gefunden, Maus mit den vorderen Zähnen geschnappt, Maus hochgeworfen, um sich den Happen von der Schwerkraft angetrieben durch den Schlund rutschen zu lassen. Man kennt das aus Tierfilmen über Krokodile oder Adlerkücken. Ich möchte aber keinen Hund, der Mäuse frisst, aus ethischen und bandwurmmäßigen Gründen gefällt mir das nicht. Wie erwähnt war ich mit Cleo auf gleicher Höhe, konnte mein blockierendes Entsetzen für zwei Zehntelsekunden nach hinten schieben und durch ein schrilles „AUS“ der Schwerkraft in die Parade fahren. Die bereits ins Maul plumpsende, leblose Maus glitt über Cleo´s rechten Mundwinkel ins Freie. Ich hatte für einen Wimpernschlag der Zeit die Gesetze der Gravitation außer Kraft gesetzt. Wie einst Moses für seine Jünger sich das Meer teilen ließ, so vollbrachte ich mein kleines Wunder am Rande eines Grabens, unfasslich!

Wo wir just bei Mäusen sind … noch eine kurze Begebenheit aus vergangener Zeit. „Gurke“, meine Schnauzerhündin, war eine passionierte Mäusejägerin. Dafür konnte sie nichts, waren Schnauzer doch für die Erfüllung dieser Aufgabe hin gezüchtet worden, wobei der Schnauzerbart die Lefzen selbst gegen Rattenbisse wohl gut schützen konnte. Mir gefiel das Nagermorden schon damals nicht, aber einer überwiegend freilaufenden „Gurke“ die genetische Determination zu cannceln überforderte mein pädagogisches Geschick um Längen. Jetzt zur Geschichte.

Wir gingen an der „Schlachte" lang, rechts die Weser, links die Mauer zum Hochwasserschutz der Innenstadt. Der Schnauzerhund schnüffelte so vor sich hin. Plötzlich sauste eine Maus über´s Pflaster, „Gurke“ hellwach hinterher. An der Mauer stellte sie die Maus, noch zwei Sekunden bis zum Lebensende. Dann geschah das Ungeheuerliche. Die Maus stellte sich auf die Hinterpfötchen, breitete die Vorderbeine seitlich aus, machte sich so groß wie irgend möglich und schrie den Hund an. Zum Glaszerspringen hell und laut schrie die Maus ihrem Henker ins Gesicht. „Gurke“ stutzte ganz kurz und für mich öffnete sich das winzigkleine Zeitfenster, um sie zurückzurufen, und es klappte! Das Mäuslein erkannte natürlich die Chance und sauste wie von einer Zwille abgeschossen die Wand lang und verschwand. Gerettet!

Der Mut dieser Maus, wie sie brustvoraus um ihr kleines Leben schreiend eine Handbreit vor dem Hund steht, hat mich tief gerührt und tut´s jetzt, wo ich darüber schreibe, wieder. Gegen dieses tapfere Mäuslein bin ich ein lächerlicher Feigling unter der Sonne.

 Jetzt mach´ ich mir ´n Kaffee ...





"Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen"
(Ludwig Wittgenstein)









Samstag, 1. Januar 2022

Januar

 



Ein Frohes Neues Jahr,
alles andere ergibt sich.







Ottfried Preußler: "Die Abenteuer des starken Wanja".

Wanja ist der faulste Mann im ganzen Dorf. Während seine beiden Brüder fleißig auf dem Hof des Vaters arbeiten, liegt Wanja auf der Ofenbank und ruht sich aus. Nach sieben Jahren steht Wanja auf und erklärt seiner Familie, dass er nur deshalb faul herumlag, weil er Kraft sammeln musste. Kraft für eine große Aufgabe, die ihm bevorsteht.





So, gestern beim Boostern gewesen, hat wieder Spaß gemacht ...

Anschließend langen Gang anner Hamme gemacht.
Anfangs war Cleo etwas übermotiviert, dann kommt sie für zehn Minuten an die Leine und gut. Wir schlendern also den Weg lang, Frauli und Cleo links neben mir, Frauli unangeleint. Und plötzlich will der kleine dicke schwarze Hund nach rechts auf den Grasstreifen, der Himmel weiß warum. Um ihr Ziel zu erreichen stürmt Cleo an der kurzen Leine hinter mir in die gewünschte Richtung, und zwar in wenigen Millisekunden und mit voller Kraft. Dabei entwickelt selbst ein lediglich 25 kg schwerer Hund die Wucht eines Bulldozers. Wenn niemand damit rechnet, weil abgelenkt im Gespräch über die malerischen Wolken, dann gibt´s kein Halten mehr, dann ist der Hund nicht mehr zu halten. Und was passiert? Genau, man wird nach links über den Rücken mitgerissen, hält in der Kürze der Situation reflexhaft weiterhin die Leine fest, kommt ins Trudeln, stolpert über den eigenen Hund, stürzt, fällt teilweise auf den Hund, rollt über den Boden wie ein besoffener Sumo-Ringer und geht für Augenblicke davon aus, sich den Ellenbogen und dem Hund die Rippen gebrochen zu haben.

Rita, weiteratmen, ein aus, ein aus. Denn wir hatten wirklich Glück, nix passiert, alle gesund. Naja, der Schreck musste verdaut werden und es gibt nun doch noch einen Vorsatz für´s neue Jahr: Immer mit allem rechnen, zumindest was Cleo betrifft.




Fräulein Unschuld täuscht Scham vor,
und die Musi spielt dazu ...









Hape Kerkeling hat nun auch noch ein Buch über Katzen, sein Leben mit Katzen, „Pfoten vom Tisch!“ geschrieben. Wir mögen ihn ja, dieses nette, durchaus intelligente und luschtige Pummelchen. Und als uns eine Freundin das Katzenbuch ans Hundeherz legte, da kauften wir es bei Audible als Hörbuch, denn nur wenn Hape selbst liest kommt der Humor richtig rüber.
 Also den kleinen Bluetooth-Lautsprecher auf´s Tischchen neben die Teekanne, das handy verbinden lassen und los. Hape als literarische kleine Zwischenmahlzeit is ok.

Ziemlich am Anfang des Büchleins tut Hape etwas, was man besser nicht tun sollte. Er tut das auf humorig liebe Weise zwar, trotzdem … hättest du doch geschwiegen, Desdemona. Was hadder denn getan? Was Schlimmes? Aber nein, was Blödes: Er hat Hunde mit Katzen verglichen und umgekehrt, und zwischen den Zeilen damit auch Hundefreunde mit Katzenliebhabern.

Man kennt die Thematik zur Genüge. Meist postulieren da Leute ihren Senf, die Angst vor Hunden haben oder als Kind mal von einer Katze übel geritzt worden sind. Sinn, geschweige denn Verstand, ist allgemein selten. In der Suhle der Vorurteile über Hund und Katze überhaupt nicht vorgesehen, da reicht die Schlammschlacht allemal.

Die Hundeartigen (Caniformia) und die Katzenartigen (Feliformia) sind zwei grundverschiedene Unterordnungen der Raubtiere (Carnivora). Wie Äpfel und Birnen sozusagen, die man ja bekanntlich auch nicht miteinander vergleichen sollte.

Für die Mitglieder der Selbsthilfegruppe „Hape´s Katzenfreunde“ sind Hunde der Inbegriff stupid vor sich hin sabbernder Befehlsempfänger, einzig und allein auf der Welt, um lächerlichen Figuren wie mir einen Bedeutungszuwachs zu verschaffen, indem sie sich setzen, wenn ich „Sitz“ sage.
Katzen dagegen seien mystische Ausnahmeathleten von geschmeidiger Intelligenz. Nur von Menschen zu ertragen, die mit einem derartigen Ausmaß an katzenhafter Unabhängigkeit ausschließlich aufgrund ihrer über "Befehl und Gehorsam" erhabenen Weltanschauung zurechtzukommen befähigt sind.

Hier schummeln „Hape and friends“. Sie sollten schnellstens den Verein wechseln. Nein, nein, nicht zu den „Weight Watchers“ (obwohl das für Hape natürlich eine Option wäre), nein, eher zu den „Wahrheitsschändern e.V.“, denke ich.

Unter den vielen hundert Hunderassen und den darin integrierten Abermillionen Individuen gibt es eine Menge, eine riesige Menge an Hunden, deren gelebter Drang nach Selbstverwirklichung und Autarkie, gepaart mit einer schneidenden Intelligenz im Bereich der Hochbegabung (ich denke an meine Hunde, logo), jeden noch so listigen Siamkater aussehen läßt, wie einen telefonbuchauswendiglernenden Autisten. Wer einmal in die Augen einer leicht adipösen Perserkatze blicken durfte und sich hinterher, innerlich erschüttert, die Frage stellte, ob wohl hinter diesen Augen noch irgendeine Synapsenaktivität zu vermuten sein könnte, der rennt sicherlich umgehend ins nächste Tierheim und holt sich einen Hund.

Wer mit der Last einer defizitären Persönlichkeitsauslastung zu kämpfen hat, wer feige und zittrig ohne Sozialkompetenz, ohne den Hauch einer Führungsfähigkeit den Großteil seiner Existenz in der Stube hockt, tja, für den wäre eine Katze vielleicht das Richtige. Oder ein 60 l Aquarium mit gebrauchtem Eheimfilter, Buntbarsche züchten. Wer aber bereit ist, dem Leben da draussen die Stirn zu bieten, wer Loyalität und Freundschaft noch zu schätzen weiß und konstrukive, nonverbale Kritik nicht als verletzend empfindet, tja, der wird um einen Hund nicht herum kommen

Also gut, ich muss brechen, und zwar eine Lanze, für Hape und seine Katzen. Ich hatte auch mal Katzen, sogar Katze und Hund gemeinsam, Hugo und Kalle. Pfauenaugenbuntbarsche hab ich auch mal gehabt, drei Stück, handtellergroß, mit der Zucht hat´s nicht geklappt, man muss auch verlieren können ...






Der Morgen graut. Der Kaffee wird kalt. 

Nichts wie runter auf die Straße,
 und dann renn´ ich jungen Hunden hinterher. 
An den Häusern klebt der Sommer, 
und die U-Bahn Schächte atmen schwer.

Na gut, dauert noch ´n büschen. Nachher Seelachs, Kartoffelpü.
Und wenn ich bei Bodes bin, dann: 
"Bitte noch einen Griff Kieler Sprotten, für meinen Hund ich mich, gerecht geteilt", 
"Wie nett, frißt der die denn?", "Logo, mit Kopf, ich ohne, Tschüß ...".






Morning!

Es ist noch düster draussen, der zweite Becher Kaffee macht mich fertig, also für den Tag. Hab schon schwer am PC gearbeitet, alle Updates gemacht, Datenträgerbereinigung durchgezogen, Laufwerke defragmentiert, demnächst neuer Festplattenklon und unbedingt mal das Handy backuppen. Ist ja bei Android nicht so einfach wie beim iPhone, muss aber sein. Wie Impfenlassen, muss auch sein. Eben gelesen, dass wohl im kommenden Herbst die Kombi-Impfung auf´n Markt kommt: Covid und Grippe in einem Abwasch. Da schau´n wir mal, man muss ja nicht alles mitmachen ...
Aber wenn, dann will ich vom Gesundheitsminister persönlich angestochen werden. Mit Widmung auf dem Oberarm, wasserfester Edding:

In Liebe, Karl.






Nö, nö, das ist nicht der Genfer-See. Das ist überhaupt kein See. Das sind Wiesen. Naturschutzgebiet Wümmewiesen in Borgfeld.
In dieser Jahreszeit überschwemmt mit Wümmewasser. Eine Menge Wasser- und später auch Watvögel machen da Pause. Singschwäne, Graugänse, Enten, Brachvögel, Rotschenkel, Bekassinen und mehr.  Es gibt Tage, da versteht man sein eigenes Wort nicht.


Off-topic:

Die aktuelle Außenministerin war in Moskau. Sergej Lawrow hat sie nicht eingeatmet, Härtetest bestanden. Wenn ich mir da den letzten Außenprimaner im immer zu engen Konfirmationsanzug oder gar Lächler Laschet neben Lawrow vorstelle - grauenhaft.
 Ich hatte sie ja mal "das Baerböckchen" genannt. Seit gestern ist sie für mich Frau Baerbock.






Jede Ordnung ist der erste Schritt
auf dem Weg in neuerliches Chaos.

(Albert Einstein)






Der Kuhgrabenweg ist gesperrt. Es wird abgeholzt, man braucht Platz für die neue Fernwärmeleitung. Denn Bremen will bis 2038 klimaneutral sein. Während China in gigantischem Ausmaß neue Kohlekraftwerke baut und Frankreich auf neue Atomkraftwerke setzt, währenddessen ständig irgendwo Vulkane explodieren, die Gletscher am Südpol in Windeseile abtauen, die Erderwärmung in den nächst höheren Gang geschaltet hat und Pandemien ihr Unwesen treiben wie die Kreuzfahrtschiffe vor Venedig, in einer Weltlage also, die an Irrsinn und Aussichtslosigkeit durch keinen Bremsassistenten mehr zu stoppen ist, in dieser Lage stellt sich die Bremer Umweltsenatorin Dr. Maike Schaefer, grün wie das Gras der Wiesen früher mal war (zugegeben, ich hab die gefressen wie Kuddeln ohne Soße), der Lawine des Untergangs mit der ganzen Fülle ihres Körpers im Rausch ihrer Realitätsverlustigkeit entgegen, verzapft einen Blödsinn nach dem anderen, und niemand kann sie daran hindern, weil der Bremer Bürgermeister ja keine Richtlinienkompetenz hat (steht so inner Landesverfassung oder wo auch immer).

Zurück zum Kuhgrabenweg. Da wird nun nach langen Jahren des Vorlaufs damit begonnen, die ersten sieben Kilometer der Fernwärme-Trasse mitten durch Bremen zu buddeln. 
Um meine Leser nicht noch mehr zu langweilen als sonst schon, abschließend meine persönliche Zusammenfassung eines Interviews mit dem Sprecher der swb AG, dem großen Energieversorger hier im Land.

Das Fernwärmenetz in Bremen soll bis 2030 um 120 km, bis 2038 sogar um 220 km erweitert werden, wobei die aktuellen sieben Kilometer mit 60 Millionen veranschlagt werden. 120 km würden locker eine Milliarde kosten. Es wäre aber in einem dicht besiedeltem Gebiet wie der Stadt Bremen nicht so einfach, mal eben eine Leitung zu verlegen, so der Sprecher. Der erste Spatenstich für die sieben Kilometer brauchte einen Vorlauf von vier Jahren, da gibt’s ein breites Bevölkerungsbeteiligungsverfahren.
„Vor diesem Hintergrund kann ich mir kaum vorstellen, wie wir in Bremen 120 Kilometer neue Leitungen in acht Jahren realisieren sollen. Das ist planerisch kaum hinzukriegen, und man wird auch die nötigen Baufirmen nicht ohne weiteres kriegen. Die Baupreise werden explodieren“, so der Sprecher weiter, und überhaupt werden die Kunden darüber entscheiden, ob eine Fernwärmeleitung an ihrem Haus vorbeiführen soll, sachter, und dass am Ende immer der Verbraucher zur Kasse gebeten wird.
„Fehlplanungen führen dazu, dass ein Unternehmen unwirtschaftlich wird und im schlimmsten Fall die Bücher zuklappen muss“. (Zitat Ende)







Vor 10 Jahren mit Merle in den Dolomiten. 

Beim Zeus, war da die Welt noch in Ordnung. War sie natürlich damals auch nicht, denn die Welt ist nicht dazu da, um in Ordnung zu sein. Jünger war´n wir, klar. Alles fließt. Mein Himmel, mein Hund, mein Leben. Uns reicht das. Was wollte ich sagen? Ach so, also:
Gestern sind wir gute zweieinhalb Stunden um´s Werderland gewackelt, war schön. Wetter gut, Cleo gut, alles gut. Bis auf Berge am Horizont bietet die Tour ´ne Menge: Lesum und Weser, Deich und Ökopfad, Wiesen, Weiden, Schilfwälder, die Moorlosen Kirche und den Gruselweg am Stahlwerk. Was denn für´n Gruselweg?   

Ah, ich danke dem Leser für sein Durchhaltevermögen, brav ...

Zwischen Weser und Lesum gibt´s einen relativ naturbelassenen Weg, der sich bedauerlicherweise zum Radfahren eignet. Und so läßt es sich nicht vermeiden, es ist sozusagen unvermeidbar, dass ein auf Ruhe und Frohsinn ausgerichtetes Trio (nämlich wir, da da da) von radelnden Mitmenschen der unerwünschten Art aus beiden Richtungen kommend belästigt werden. Entweder ideologisch aggressiv oder Igitt-Bike-mäßig überfordert. Gruselig wird´s durch die von hinten Nahenden. Zu schnell oder zu lahm, allein oder gruppiert, lautlos pirschend wie ein U-Boot auf Schleichfahrt, oder rücksichtslos wie BMW-Fahrer. Cleo mag den Rummel nicht, überhaupt nicht. Sie hat da paranoide Züge entwickelt, ist angespannt, dreht sich häufig um, ob einer kommt oder nicht. Wenn die Wege im inneren Gebiet hoffnungslos abgesoffen sind, müssen wir den Gruselweg machen, hilft nix. Nachdem wir unsere eigene Genervtheit mittels der christlichen Nächstenliebe weitestgehend wegtherapiert haben, gruselt sich Cleo spürbar weniger. Das ist gut so, denn auf die anderen Möglichkeiten steht Gefängnis ...


       


              

Die gesamte Oberfläche einer Kugel ist gekrümmt, sie hat keine Ecken oder Kanten. 



Mein aktueller Ohrwurm:
Wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen.
Und die erste und die zweite Hypothek ...





Vorhin im Zuge des WE-Einkaufs natürlich im Hofladen der Bio Molkerei Dehlwes gewesen (Milch, Sahne, Butter, Käse, gutes Brot usw.). Ein neuer, gemütlicher Laden, mit Panoramascheibe zum Edelstahluniversum der Melkstände, umfangreiches Sortiment, ein wahres Heimat Glück, so das Produktlogo.
Nur ein büschen eng issis, nicht zu eng, aber kein Vergleich mit den Räumlichkeiten der Großen, klar. Besonders an der Kasse wird einem das bewußt, denn es gibt nur eine, eher wie bei Tante Emma, und wie das auf´m Dorf so ist, wird in Ruhe gearbeitet, büschen geplauscht, keine Hektik. Heute kam allerdings doch Hektik auf. Eine innere Hektik, der Geduldsfaden wurde gezogen, wurde länger und dünner ...
Eine Frau mittleren Alters (nein, ich will damit nichts sagen, auch nichts zwischen den Zeilen, einfach nur `ne Info und gut), eine Frau mittleren Alters also hatte eingekauft, die Ware lag schon vor der Kasse, es fehlte aber noch Brot und Gebäck, Kuchen. In diesem Bereich der menschlichen Ernährung traten bei der Frau nun Defizite in den Vordergrund, drängten sich geradezu dorthin. Entscheidungsdefizite, eine Steilwand der Unentschlossenheit türmte sich auf. Nachdem mit Gottes Hilfe das passende Brot gefunden worden war, verschlimmerte sich der Findungsprozess beim Gebäck maßlos. Ich wurde unruhig, drehte mich verlegen um. Zwei weitere Abkassierbereite männlichen Geschlechts (wir waren also zu dritt, drei Mann, kein Wort) standen maskiert hinter mir und tauschten Blicke. 
Die Frau mittleren Alters ließ nicht locker: Und dann noch zwei Stück davon, oder ist der zu süß? Nein, aber das ist natürlich Geschmackssache ... Nun wurde selbst die geduldstrainierte Verkäuferin etwas schmallippig, schien mir. Die Luft im Laden begann langsam aber unausweichlich zu brennen, kleine Flammen züngelten bereits hinterm Streuselkuchen. Die Frau mittleren Alters suchte weiterhin nach dem ultimativen Happen zum Kaffee. Sie stand leicht vorgebeugt, ihre Wirbelsäule hatte eine devote Krümmung eingenommen. Unterwürfigkeit als Mittel zur Macht. Es war eindeutig, jeder Psychologiestudent im ersten Semester hätte das erkannt. 
Dann plötzlich ein Geräusch hinter mir, scharftönig, indifferent. Jetzt hat der Frührentner in meinem Rücken seine Walther PPK durchgeladen, fuhr es mir durch die Kirsche (um in der Thematik Kuchen zu bleiben), traute mich aber nicht, mich umzudrehen. Der Knall blieb aus, er hatte wohl doch nur mit den Zähnen geknirscht. Die Frau mittleren Alters wurde abkassiert, brauchte, wie nicht anders zu erwarten war, ihre Zeit zum Verstauen im Jutebeutel (Scherz, es war eine stinknormale Einkaufstasche mit Blumendekor), und verließ den Laden. Es war noch mal gut gegangen, knapp war´s schon.







Warten auf die Taube mit dem Ölzweig

Sturmtief "Nadia" hat die Weser aus´m Bett geschubst, die Osterdeich-Wiesen bis an den Deichfuß überschwemmt.
Ein Kajakfahrer ist die Weserpromenade langgepaddelt, der hatte seinen Spaß. Naja, wir auch, nur anders ...