Mittwoch, 1. April 2020

April





Cleo wagt den Sprung in den Frühling








Die Weserrunde mit dem Rad (15 km) ist jetzt fest im Programm. So dreimal die Woche, oft auch morgens vor dem Job. Macht Cleo wirklich Freude. Ideal scheint ihr der schnelle Trab kurz vorm Galopp zu sein, aber wir machen auch langsamer. Und hinterm Weserstadion ist Hundetreff. Da kann sie toben bei Bedarf, meistens nur kurz, dann will sie weiter zum Wehr, Strecke machen.
 Als angenehme Folge von "Corona" ist auf dem Weg viel weniger Fußgänger- und Fahrradfahrerverkehr als früher, da musste man oft Slalom fahren.





Social Distancing


Sonntag, durch´s Werderland gewackelt. Da war vergleichsweise wenig los. 
Oben auf dem Lesumdeich boxte der Papst im Kettenhemd! Spaziergänger, Radfahrer, Jogger, dicht an dicht, als würden sie Bewegung hamstern ...

Gleich gibt´s erstmal Pizza bis der Arzt kommt. Vorhin noch Mehl online ergattert, Bio, Weizenmehl 1050, Roggen 550er, jeweils fünf Kilo. Gestern mit Glück und Verstand Backhefe bei Lestra abgegriffen. Wenn eins klar ist: Wir kommen durch, auf hohem Niveau, logo!







Heute war´s wieder richtig warm, nachmittags bis über 21 Grad, im Schatten. Wir sind den Wümme-Südarm lang, 
von Backsberg bis zum kleinen Wehr und aufer annern Seite zurück, zwei Stunden, und da gibt´s keinen Schatten ...







Wenn ein Diabetiker vom Blitz getroffen wird, ensteht dann Karamell?


Naja, blöder Witz, darf auch mal sein. Ich klick doch nach´m Frühstück meistens auf n-tv news und überfliege kurz mit noch 60% Sehfähig- und Hirntätigkeit die Überschriften des Weltgeschehens. Und das ist aktuell Corona. Auch wenn mir die Komplexität des 21. Jahrhunderts zumindest nebulös schon irgendwie "bewußt" ist, verblüfft mich das Ausmaß der Auswirkungen doch massiv. Alles hängt zusammen, bedingt sich, das eine zieht das andere nach sich, im Kleinen wie im ziemlich Großen, regional wie global. Von medizinischer Machbarkeit über Wirtschaft und Weltfinanz, von Grundrechten über Bundesliga bis Vatikan. Und dann natürlich die kleineren und großen Tragödien im Leben der Menschen, geplatzte Existenzen, ausradierte Lebensleistungen, viele sterben. Ich will jetzt nicht theatralisch werden. Denn wir, unser Leben, Gegenwart und Zukunft, sind wirklich überschaubar betroffen, haben Glück im Unglück. Zumindest sieht´s danach aus.

Dassis in diesem Land Millionen Bundestrainer gibt, die jedes Spiel gewinnen würden, weiß man. Auch Bundeskanzler sind im Übermaß vorhanden. Alle wissen alles, hätten die Welt im Griff, aber man läßt sie ja nicht. Die Repräsentanten haben versagt, die da oben, Flaschen allesamt. Durchgeplante Worst-Case-Szenarien werden gefordert. Finanzkrise, Flüchtlingsproblematik, Corona. Da muss man doch vorbereitet sein, tönen die Leute und lassen gerade Diesel in ihren Benziner laufen. Keine Schutzmasken, Klopapier Mangelware, wie ist das möglich? Tja, ihr Hochbegabten, ist alles nicht so einfach, nech. Die meisten von uns kommen mit der Urlaubsplanung mal gerade so zurecht, ist das Licht im Bad wirklich aus? 

Man lernt aus der Erfahrung und hinterher ist man schlauer. Nö, nö, keine Plattitüde, da ist was dran. Ich hab nix gegen Planbarkeiten jeglicher Art. Aber noch lieber sind mir Menschen, die situativ reagieren können, handlungsfähig sind, verbleibende Möglichkeiten nüchtern abarbeiten. Politik ist die Kunst des Möglichen. Und das Lied von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens kann man sich auch mal wieder anhören, denn Bertold Brecht war nicht ganz doof ...







Ostermontag. den Weyerberg in Worpswede umrundet. 
Schau, der Horizont. Komm, laß uns drüberfallen. Vielleicht fallen wir der Sonne entgegen.





Und 360 km südlich von uns gibt´s auch einen Horizont, in der Eifel. 
Wenn man einen Freund hat, braucht man sich vor nichts zu fürchten. Stimmt doch, Hanfrie?



Im Bremer Umland gibt es immer mehr Wölfe – in Osterholz wird ein Rudel vermutet und einzelne Jungtiere sind auf Wanderschaft. Was aber tun, wenn ich einem Wolf begegne?


Hier mal klicken!





Schatten ist die unbeleuchtete Fläche eines Gegenstands, 
oder der gesamte unbeleuchtete Raum hinter einem beleuchteten Körper. 





Heute war ja die Telefonkonferenz um den Lockerungsbeschluss. Ab 3. Mai wird´s also wieder büschen normaler. Gut. Allerdings hatten wir uns in der letzten Zeit an Kontaktsperren und "Bleib daheim" gewöhnt, auf angenehme Weise gewöhnt: Auf unseren Hundegängen herrschte Ruhe und Beschaulichkeit, war ja nix los draussen. Selbst über Ostern gingen einem Mitmenschen und andere Aliens kaum auf die Nerven. Das ist wohl vorbei. Am Nachmittag hatten Cleo und ich einige Schwierigkeiten dem Gedränge zu entgehen. Die Landschaft wimmelte von Sonnenanbetern jeder Couleur. Ich will meine Ausgangssperre zurück ... 😉







So, Freitagabend, Wochenende, das richtige Leben beginnt!
Am Morgen sind wir noch ausgiebig um den Unisee gewackelt, ham einige Hunde getroffen, Cleo war in Spiellaune, es wurde getobt. Wenn´s zu wild wird, dann kriegt sie ne Auszeit, kurz runterfahren, weitergehen.
Plötzlich Alarm: Unbekanntes Objekt dümpelte im Flachwasser. Ihre Nase wurde länger und länger. Ich vermute, dass sich die heutigen Tapire vor Jahrmillionen aus Entlebuchern entwickelt haben, naja, nur eine Vermutung ...






Im 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. domestizierten die Römer den Karpfen. Sie hielten die Wildform in Fischbecken und züchteten die hochrückigeren, dickeren und schneller wachsenden Zuchtkarpfen. Später auch mit wenig oder ganz ohne Schuppen, das erleichterte die Zubereitung.
Im Mittelalter wurde die Karpfen(Ess-)kultur fortgeführt. Wegen der christlichen Fastentage (bis zu 150 im Jahr), die keinen Verzehr von Fleisch erlaubten, entwickelte sich eine umfangreiche Teichwirtschaft der Karpfenzucht. So bekam man trotz Fastenzeit was „Fleischliches“ zwischen die Zähne.




Also gut: Ich hab alles perfekt abgespult und will gelobt werden. Frühstück, Barfladen, Carwash, Gemüsehändler. Feinkost-Hannig (der Göttliche) hatten wir gestern die Bestellung gemailt, in Zeiten von Corona geht das. Ich erwähne das nur, liebste Rita, damit du dir um uns keine Sorgen machst 😇. Heutmorgen drückt er mir die drei Tüten in die Hand, EC, alles ohne Maske, kein Warten, zack! Kurz unterhalten ham wir uns noch über die aktuellen Spargelmodalitäten. Die Hälfte der Stecher ist gekommen, immerhin. Unsere Retter in der Spargelnot bekommen ja für die Zeit der Ernte beim Bauern ihre Unterkünfte, wie immer. Aber diesmal müssen sie coronamäßig separiert werden, nicht mehr alle zusammen, nö, höchsten zwei in eine "Suite". Ob den Leuten das gefällt ist ne andere Frage. Wie auch immer, wir ham erstklassigen Spargel gekriegt, nichmal 15 Euro das Kilo, wer will da nörgeln ...






Anschließend mit Cleo zwei Stunden am Südarm lang. Schön war´s, einsam war´s, warm war´s. Auf dem Heimweg kurzer Zwischenstopp am Unisee, angebadet. Schwimmen macht Cleo großen Spaß, und sie hat´s auch nicht verlernt übern Winter!





Auch am Dienstag gibt es den ganzen Tag Sonnenschein, dabei ist es weiterhin trocken. Es wird etwas wärmer: Die Höchstwerte liegen bei 16 Grad auf den Inseln, 18 Grad in Bremen bis 19 Grad in Oldenburg.

Am Mittwoch und Donnerstag unter Hochdruckeinfluss viel Sonne, kaum oder nur wenige Wolken und trocken, Höchstwerte 16 bis 20, am Donnerstag bis zu 22 Grad.
Am Freitag sonnig, später Quellwolken, trocken bei 17 bis 23 Grad.

(Quelle: butenunbinnen.de)






Am Morgen mit Cleo durch die Uniwildnis getobt, auf dem Rückweg zum Auto im noch klaren Wasser geschwommen, d.h. es wird die Gummihantel apportiert, irgendein Anreiz muss schon sein. Und natürlich ne Menge Jogger unterwegs. Hoffentlich machen die Fitness-Studios bald wieder auf!









Vor paar Tagen haben wir ohne Cleo mal wieder die Radtour um den Wümmedeich gemacht, gute 25 km und die Landschaft dort macht immer wieder große Freude. Im ersten Drittel nach Kuhsiel kommt man an einem Kolk vorbei. Kolke sind die Ausspülungen nach einem Deichbruch. Irgendwann 18-Hundert-Knipp ist dieser recht große und tiefe Kolk entstanden. Gut. Das Besondere ist, dass mein Vadder und ich (als Junge natürlich) da ´ne Zeitlang geangelt haben. Der Bauer hatte uns die Erlaubnis gegeben. Der Kolk war fischreich. Und gierig aufs Stippen verbrachten wir dort die Wochenenden. Damals wurde auf Rotaugen und Co. mit selbstgemachtem Fischbrot geangelt. Jeder hatte seine Spezialmischung aus Kartoffelstampfe, eingeweichtem Brot, Prise Salz, büschen Zucker und eben seinem Geheimnis. Alles wurde zu einer apfelsinengroßen Kugel zusammengeknetet. Die reichte für einen Angeltag, zupfte man doch nur wenig ab, rollte ein nichmal erbsengroßes Kügelchen zwischen den Fingern und steckte das auf die Hakenspitze. Wir fingen viel, meistens Rotaugen und Rotfedern bis 30 cm Länge und setzte die auch immer sofort wieder zurück. Todesfälle waren äusserst selten. Machte Spaß, mit der 5-Meter-Teleskoprute und ganz feiner Schnur so zu fischen. Natürlich hatten die Fische daran keinen Spaß …


Der eigentliche Star dieser kleinen Geschichte ist Apollo. der Hof- und Jagdhund vom Bauern. Ein urwüchsiger Deutschdrahthaar wie aus dem Bilderbuch, riesengroß mit zarter Seele. Apollo war unser Freund. Er leistete uns meistens Gesellschaft, ausser es lief gerade eine Niederwildjagd in der Gegend. Wenn er bei uns lag, dann ging eine gewisse Gefahr von ihm aus. Nicht direkt von ihm selbst als Hund, mehr von seinem Appetit auf Fischbrot, auf unser Fischbrot! Denn das lag ja in greifbarer Nähe neben dem Angler. Und Apollo nutzte die kleinste Ablenkung, die unbedeutenste Unachtsamkeit rigoros aus. In wenigen Millisekunden schnellte der Liegende auf die Läufe (luschtige Wortwahl, gell?), überwand geschwind wie der Schall die zwei Schritte Entfernung, dann hörte man dieses schlappende Schlürfgeräusch, und einer von uns war für den Rest des Tages köderlos. Es hat Tage gegeben, da schlug Apollo zweimal zu und wir waren gezwungen, frustriert nach kleinen Rotwürmern zu buddeln, aber die fingen nie so gut wie das Spezialbrot.

Ja, so war Apollo, ich seh ihn klar vor mir, nach fünfzig Jahren, klar und deutlich.




Nach Job-Ende sind wir am Abend noch kurz an den Kuhgraben gefahren, kleine Runde. Dann überkam mich die Müdigkeit (oder issis das Alter? Nö, es war Müdigkeit!), ich legte mich an den Hang, das neue Gras unterm Rücken, die Insekten schwirrten, dann schlug Morpheus liebevoll zu, büschen weggesackt. Kann ich mir leisten, auf meinen Schutzengel ist Verlaß ...






In den Wümmewiesen gewesen. Wenig los im Naturschutzgebiet. Ich kann mich noch gut an Jahre erinnern, wo´s richtig was zu kucken gab: Brachvögel, Bekassinen, Rotschenkel, Singschwäne, alle möglichen Entenarten, Kiebitze. Man soll ja positiv denken, vielleicht wird´s wieder besser ...




Die Schwalben sind da! Das macht Freude. In den Wiesen sausen die Rauchschwalben ziemlich tief den Mücken nach, 
am Deich bei den Höfen sieht man mehr Mehlschwalben.







Montagfrüh, schönes Wetter, Wümme-Südarm, nur Cleo und ich, sonst nix.









Am kleinen Wehr gerastet. Ich sitz am Ufer und beobachte den Wasserfall, Niagara für Arme. Da wandern ja die Meerforellen hoch, zurück zur Aufzuchtstation, Heimatgefühle oder so. Letztes Jahr viele springen gesehen, nach zwei Tagen war der Spuk vorbei, Glückssache. Aber dies Jahr tut sich noch nüscht.. Mahatma Glück, mahatma Pech, Mahatma Gandhi.







Wir rennen ja nun viel draussen rum, immer schon. Und da gibt´s natürlich was zu kucken. Zum Kucken eignen sich Ferngläser. Leicht und klein soll es sein, und nicht zu teuer. So wie das auf dem Foto. Welpengetestet, Merle war´s, Cleo zerstört nicht. Die macht einen psychisch fertig, jede Jeck is anders ...

Der Nachteil von kleinen, leichten, preiswerten Gläsern ist ihre Qualität beim Kucken. Da kommste schnell an Grenzen. Wir hatten uns auch bisher nicht ernsthaft schlau gemacht. Aber jetzt. Also, worauf kommt´s an, was bedeuten die Angaben.

Nehmen wir ein gutes Einsteigerglas, 8x42. Die 8 steht für die Vergrößerung, man sieht alles achtmal größer, das ist gut. Die 42 ist der Objektivdurchmesser in Millimeter. Je größer, desto mehr Licht fällt rein, man sieht heller, auch noch wenn´s dämmrig wird. Mehrschichtvergütung muss sein. Brillerträgergeeignet, präzise, leichtgängige Handhabung, und das Sehfeld ist wichtig. Je größer die Vergrößerung, also z.B. 10x50, desto kleiner wird der Ausschnitt. Ein kleinerer Ausschnitt von 95m auf 1000m macht das Suchen des Objekts der Begierde schwieriger als ein Ausschnitt von 110m auf 1000. Ausserdem, und das ist ein entscheidender Faktor bei der Auswahl, wird´s mit zunehmender Vergrößerung immer wackliger. Das ist lästig beim Kucken. Bis zu einer Vergrößerung von 8 macht das Gehirn mit, kann noch kompensieren. Bei Faktor 10 braucht man schon eine sehr ruhige Hand, danach geht´s nur noch mit Stativ. 

So, das sind die aktuellen Erkenntnisse. Ach ja, der Preis. Gute Einsteigergläser liegen zwischen 150 bis 200 Euro. Darunter ist mäßiger Genuss. Nach oben geht´s bis über 2000 Euro, was für Jäger oder Spezialdemokraten. Oder Gutverdiener mit ausgeprägtem Statusbewußtsein, aber denen geht´s weniger um´s Kucken ...

Wir ham uns gestern das Eschenbach arena D+ 8x42 (klicken?) bestellt. Keine Werbung, erst mal schau´n wie man damit kucken kann.






Off-topic:

Wir haben doch einen Verkehrsminister, Andreas Scheuer heisst der wohl. Wenn ich mich schwach erinnere, dann hat der doch die Chose mit der Pkw-Maut damals ziemlich in die Grütze gesetzt. Gab´s da nicht voreilige, rechtsunsichere Verträge mit den zukünftigen Betreibern? Gab´s da nicht einen Untersuchungsausschuss? Hatte der Europäische Gerichtshof diese dubiose Scheuer-Unternehmung nicht gestoppt? Waren da nicht für den Untersuchungsausschuss relevante Diensthandydaten gelöscht worden? Und was ist aus den über 500 Millionen Euro der Forderungen zukünftiger Betreiber an den Bund geworden? Wie gesagt, ich erinnere mich nur schwach.

Und dieser Verkehrsminister hat nun einen neuen Bußgeldkatalog auf den Markt geworfen. Völlig überzogen, praxisfern, unverhältnismäßig, Daumenschraube für Autofahrer, fatales Signal in der heutigen Zeit. Nö, nicht meine Worte, Kritik äussern u.a. der ADAC-Verkehrspräsident, eine Menge Oppositionspolitiker und wohl auch welche aus den eigenen Reihen. Ein Griff ins Klo, keine Frage, Scheuer-Art. Teuer wird’s, Punkte gibt’s, Führerscheinentzüge für dich und mich. Ich wünsche Herrn Scheuer einen sonnigen Tag.







Aber die Abende sind mild und mein,
von meinem Schauen sind sie still beschienen.
In meinen Armen schlafen Wälder ein,
und ich bin selbst das Klingen über ihnen,
und mit dem Dunkel in den Violinen
verwandt durch all mein Dunkelsein.

(Rainer Maria Rilke)









Sonntag, 1. März 2020

März, Bauer, Rößlein ...




Das Modell und sein Fotograf



Sonntag, bei schönem, windigem Wetter in Neu-Helgoland gegangen. Alles über weite Strecken abgesoffen da, also die Wiesen. Vermutlich werden die Mäuse und Maulwürfe demnächst Kiemen entwickeln.







Beim Aufräumen auf die Mappe mit unseren Linolschnitten gestoßen. 
Paar Jahre her, aber das Schneiden und Drucken hat uns großen Spaß gemacht.



Und flog im hellen Licht der Finsterling ...













Gestern auf dem Gang um die teils überschwemmte Trupe (Ortsteil Lilienthal, an der Wümme) ist Cleo auf eine Nutria in Rottweilergröße getroffen. Gott sei es gedankt war die Riesenwasserratte um die drei Ford Focus-Längen vor ihr am Knabbern und hatte noch Zeit zum Sprung in den Graben. Cleo natürlich hinterher, aber der Nager war gut abgetaucht. Da hätte Cleo wohl den Kürzeren gezogen und wir ´ne Mordstierarztrechnung an der Backe ...

Dieser Vorfall veranlaßte uns, die Trillerpfeife bzw. den Trillerpfiff aufzufrischen, um das Restrisiko zu minimieren. Denn wenn erst Dopamin den glücklichen Jäger durchströmt, hat man eh schlechte Karten, also minimieren.

Und da mussten wir vorhin in der Steller Heide die geplante Übungssituation erst gar nicht starten. Cleo wackelt so zehn Meter vor uns den Weg lang, wendet Kopf und Blick kurz nach rechts, hebt die Nase in den Wind und dann seh´n wir sie auch, die sechs Rehe, wie sie eilig das Weite suchen. Cleo setzt zum Spurt an, Schrecksekunde bei uns, und dann triller ich mir die Seele aus dem Leib, einmal, zweimal, dann liegt sie. Das war knapp, da geht´s ja um Zehntelsekunden. Das wird weiter aufgefrischt, und die wunderschöne Schleppleine aus dünnem Leder ist auch ´ne Option, klar.







Sonntag, frühe Radtour anner Weser lang, 15 km, 
Cleo ist die abgeschnurrt wie eine aufgezogene Schuco-Maus aus den Sechzigern!




Die Absteige von Werder Bremen ...




Am Wehr,




und unterm Sessel. Wir geh´n jetzt ins Kino, die Neuverfilmung von Emma, dann gibt´s Pizza.
















Moin. Eben den allmorgentlichen Blick ins Weltgeschehen bei n-tv getan. Junge, Junge, ganz schön was los hier. Wir laufen direkt rein in die Epidemiewelle, die Börsen ham den Virus schon, Klopapier und Ravioli werden zum aktuellen Goldwert gehandelt. Eine Botschaft jagt die nächste, nichts scheint mehr sicher, die unbegabtesten Journalisten laufen zur Höchstform auf. 

Gestern am frühen Abend noch einen Gang um den Unisee gemacht, Frühlingsstimmung, man muss den Wolken trauen.



I can‘t get no desinfection!





Heute endlich die ideale Bürste für den Kofferraum gefunden. Man kommt vom langen Gang mit dem Hund durch matschige Landschaft und Schlimmeres zurück zum Auto und die Schuhe seh´n aus wie Unterwelt. Da brauchste ´ne richtig gute, preiswerte Notfallbürste. Da isse, drei Eisen fünfundneunzig, von Hornbach (keine Werbung, hab´ sie bezahlt).











René Descartes (französischer Philosoph, 17. Jahrhundert) war der Ansicht, dass alle Lebewesen ausser dem Menschen als biochemische Automaten zu sehen wären, das Agieren der Tiere wären mechanische Reaktionen, ihre Schmerzensschrei mit dem Quietschen ungeölter Türen vergleichbar. Nur der Mensch könne denken, hätte ein Bewußtsein, eine Seele.

Die Unterscheidung, also die Grenzlinie zwischen Mensch und Tier wurde nie endgültig festgelegt. Mal war´s der aufrechte Gang oder der Werkzeuggebrauch, mal die Fähigkeit zur Sprache oder das Erkennen des eigenen Ichs. Musste immer wieder revidiert werden, weil Tiere das alles auch können, haben oder sind. Bis heute wird an dieser willkürlichen, albernen Grenze immer mal wieder rumgebastelt. Ohne endgültigen Erfolg, ist auch klar, es gibt diese Grenze nicht.

Erheblich geistreicher als Descartes war da Carl von Linné, schwedischer Naturforscher, 18. Jahrhundert. Der teilte die Tiere neu ein und zählte den Orang-Utan kurzerhand zur Gattung Homo, also zu den Menschen. Ein wissenschaftlicher Irrtum, keine Frage, aber doch viel sympathischer als dieser hölzköpfige Descartes, find ich.

Eine andere Sache ist der Anthropomorphismus, die Vermenschlichung von Tieren. In Sagen und Fabeln seit jeher ein Stilmittel. Aber auch in neuerer Zeit wird die menschliche Seite der Tiere immer mal wieder literarisch verwertet. Teilweise auf eine Art, die der Wirklichkeit recht nahe kommen könnte.

Ich hab ja kein Problem damit. Womit? Naja, das beispielsweise meine Hunde intelligente, differenziert fühlende, denkende und beseelte Lebenwesen waren und sind, ist für mich keine Frage, da bin ich mir absolut sicher. Bei einem großen Teil meiner Mitmenschen bin ich mir das absolut nicht …

Wie komme ich gerade jetzt auf diese Thematik? Wir lesen momentan „Das Evangelium der Aale“ von Patrik Svensson. Nein, nein, kein Sachbuch, auch kein spinnerter Ausflug ins Esoterische. Eine literarische Suche voll unerwarteter Einsichten, steht hinten auf´m Umschlag. Wir sind begeistert.






"Der Virologe Jonathan Ball betont, dass es bisher keinen Nachweis dafür gebe, dass Hunde an Corona erkranken oder den neuartigen Virus übertragen könnten."

Quelle, klicken:

https://partner-hund.de/hund-positiv-auf-corona-getestet-das-muessen-sie-wissen








Na, das ist ja mal Gottvertrauen ...











Die Welt ist aus den Fugen. Irgendein Engel aus der Johannesoffenbarung bläst gerade Posaune. Man ahnt das Ausmaß, versucht in der Informationsflut nicht zu versaufen.  Eine Katastrophe findet statt, ich weiß das. Aber ich fühle es nicht. Mich begeistern die Delfine im glasklaren Wasser der Kanäle Venedigs, und mich ärgert das Schienenquietschen der Linie 10 vorn an der Straße. Herrliches Wetter heute.






Drei Tage lagerte ein Paket von mir auf der Postfiliale. Der Paketbote hatte (wie üblich) die 52 Stufen gescheut und die Sendung bequemerweise in der Filiale abgelegt. Das regt uns mittlerweile nur noch mäßig auf, der Gurkenclub Post ist eben so. 

An den letzten drei Tagen bin ich dreimal in der Hoffnung, mein Paket abholen zu können, an den Ort der fehlenden Dienstleistungsbereitschaft gefahren, und jedesmal stand eine Corona-Schlage in unglaublicher Länge vor dem Eingang. Eine innere Stimme verbot mir das Anstellen.

Gestern Abend plante ich den letzten Versuch: Morgen früh, ´ne Viertelstunde vor Öffnung, also vor 9. Natürlich rechnete ich damit, auf eine entnervte Horde zu treffen, die dort in Schlafsäcken die Nacht verbracht hatte, um ihr postalisches Anliegen ganz sicher an den Postmann zu bringen, auch ohne zweimal zu klingeln. Die Sehnsucht stirbt auf der Schwelle zur Erfüllung. 

Aber nein, es kam anders! Keine Horde in Schlafsäcken, überhaupt niemand war da, ich war die Nummer 1, endlich mal, the winner takes it all ... Nach und nach gesellten sich dann ein paar wenige zu mir, auf Abstand, versteht sich. Dann der große Moment: Die Jalousie öffnete sich, die gelbe Tür auch, ein uniförmlich verkleideter Sicherheitsmann, sicher mit Hauptschulabschluss, waltete breitbeinig seines Amtes. Denn wie schon am Aushang zu lesen stand, dürfen nur sechs Kunden zeitgleich den Abfertigungsraum bevölkern, nur 6. Ich bewunderte noch kurz die handwerkliche Qualität der in beschwerten Holzklötzen steckenden Plexiglasscheiben an den Schaltern, Spuckschutzkunst. Komplikationslos bekam ich mein Paket, freute mich, und beim Verlassen der Örtlichkeit wurde ich noch durch den Anblick der obligatorischen Corona-Schlange (ja, da standen sie wieder, die Spätaufsteher, hahaha) angemessen entschädigt. Oh wie schön ist Panama!!!





Die Suchfunktion am PC funktionierte nicht richtig, kurz gegoogelt, aha, und Fehler behoben. Dann probiert und auf ein Foto gestoßen: Gurke und Emmi.
Das war eine gute Zeit, mit zwei Hunden. Die beiden harmonierten von Anfang an, als sie mit fünf Jahren zusammengewürfelt wurden. Gleich alt, gleich groß, wenn auch im Wesen unterschiedlich. 







Ich hab überlegt, ob ich das, was ich jetzt schreiben möchte, auch veröffentlichen sollte. Ja, soll ich, kann ich, darf ich. Also los.

Vorweg das Wesentliche. Ich halte mich nicht für einen bedeutenden Hundeflüsterer, ich hab im Laufe der letzten vier Jahrzehnte mit Hunden sicherlich die meisten Fehler gemacht (und daraus gelernt, hoffentlich) und ich muss mir bedauerlicherweise eingestehen, dass ich kein idealer Hundehaltertherapeut bin oder sein könnte, weil es mir an pädagogischer Geduld und Toleranz fehlt. Mit anderen Worten: Menschen fallen mir sehr viel schneller auf den Wecker als Hunde …

Ich habe einen Kollegen, läßt sich nicht ganz vermeiden. Ein witziger, netter Typ. Allerdings in der Kategorie substanzloser Schwächling angesiedelt, hahaha, ich kann so fies sein. Der kam auf den Gedanken, sich einen Hund zuzulegen, die ganze Familie hatte diesen Gedanken. Ach, wollt ihr das wirklich machen? Ja. Was denn für einen? Wissen wir noch nicht. Naja, dann holt euch doch einen aus´m Tierschutz oder so, einen vielleicht zweijährigen, mittelgroßen, lieben Mischling. Der ist schon fertig, da seht ihr, ob der passt, den könnt ihr nicht mehr so leicht sozialisierungsversauen. Nein, ich wurde nicht erhört. Es wurde ein Welpe vom Hof aus der Gegend. Und der Irrsinn nahm seinen Lauf. Fehlinformiert und beratungsresistent ging man ans Werk. Zur Welpenstunde. Mein Einwurf, sich die Kiste genau anzukucken, weil in den meisten Welpenstunden nachhaltiger Mist praktiziert wird, drang nicht durch. Und es wurde Mist praktiziert. Als der Welpe anfing, seinen Leuten verschärft in Hosenbeine, Ärmel und Hände zu beißen, wurde mein Hinweis, dieses ungute Tun nun unbedingt mit dem Welpen zu klären, und zwar direkt von Mensch zu Hund, soziale Ebene, ruhig, klar und deutlich, nicht ernstgenommen. Er will doch nur spielen, war tatsächlich die Antwort. Als die Sache eskalierte, wurde die Trainerin gefragt. Ganz einfach, irgendwo im Wohnzimmer einen Haken eindübeln, und wenn der Welpe austickt an die Leine und an den Haken hängen. Das wird so nicht funktionieren, warf ich ein, da geht’s nicht um Hund und Haken, da geht’s um Hund und Mensch. Kein Einsehen. Auch sonst wurde nichts gemacht, was einem Welpen den Weg in die Welt zeigen könnte. Du musst mit ihm gehen, was unternehmen, die Freude am Kooperieren mit seinen Menschen wecken, die Zivilisationsbedingungen erklären – mach einfach was. Ja, ja. Bälle im Garten wurden geworfen und Zerrspiele veranstaltet. Bei einem Welpen, der nur unter Schwierigkeiten geimpft werden konnte, weil er die Tierärztin versucht hatte zu beißen und ansonsten ohnehin seinen Leuten in den Klamotten hängt, sind Zerrspiele eher kontraproduktiv. Aber es macht ihm doch Spaß, knappe Antwort. Auch in der Wohnung gab´s keine Regeln, der Welpe durfte alles selbst entscheiden. Ich hatte versucht, die Vorzüge einer Box darzulegen, dem Hund einen Ort der Ruhe zu geben und natürlich auch etwas für die menschliche Entspannung zu tun. Eine Box wurde wohl gekauft. Aber da geht er nicht rein und bleibt auch nicht drin, wurde mir vorwurfsvoll gesagt. Ist doch klar, das muss man ihm schmackhaft machen und dann auch durchsetzen. Ja, aber wenn ich ihn reinschieben will, dann knurrt er mich an. Ich hatte die Hoffnung, die ich nie hatte, längst aufgegeben. Die nächste Botschaft: Er läßt Besucher nicht ins Haus, bellt wie verrückt, und schnappt nach ihnen. Dann klär das mit dem Hund oder er kommt erstmal bei Besuch in die Box. Aber die hatte man nicht mehr, da wollt er doch nicht rein. Es kam noch schlimmer. Er schnappte nach der Verkäuferin im Futterladen und auch Passanten sind vor seinen Zähnen nicht sicher. Du musst jetzt was dagegen tun, versuchte ich ihm klarzumachen, das geht so nicht, mach was. Was denn? Menschenskind, du weiß doch, in welchen Situationen er zu schnappen versucht, es kommt nicht unerwartet, du kannst reagieren, du wirst doch einem kleinen Hund verbieten können, in Menschen zu beißen. Wie denn? Mach ne klare Ansage, schnipp mit dem Finger, stubs ihn an, zwick ihm angemessen in die Seite. Nur mach nicht den Blödsinn mit der Wasserpistole oder der Klöterdose. Mach es direkt von Mensch zu Hund, soziale Ebene, hab ich doch schon erwähnt. Natürlich kam die Wasserpistole zum Einsatz. Und ein Maulkorb wurde gekauft.

Wenn man zum ersten Mal einen Hund hat, macht man Fehler, ist auch mal unentschlossen oder hilflos, überfordert und entnervt. Das ist normal. Auch wenn man den fünften Hund hat ist das noch manchmal so. Hunde sind keine Computer, auf die man das aktuelle Betriebssystem installiert und dann läuft alles wie von selbst. Hunde sind intelligente Wesen und haben den natürlichen Drang, sich Freiräume oder persönliche Vorteile zu verschaffen. Der Hund will frei sein, der Mensch fordert Gehorsam – mal plakativ formuliert, da muss man am Ball bleiben, das macht es aus, das ist das richtige Leben. Wer das nicht aushält sollte sich der Aquaristik widmen. Oder er zerstört die Persönlichkeit seines Hundes. Das geht ganz unblutig zum Beispiel mit dem Leckerlibeutel …

Auffallend, nein, eigentlich folgerichtig ist der andauernde Versuch meines Kollegen, nach Ursachen zu forschen. Für alle von ihm selbst verursachten Folgen einer sozialen Vernachlässigung, wie dem Schnappen und Beißen usw., macht er die Abstammung verantwortlich. Die Wurzeln als Hütehundmischling erklärten doch den ganzen Irrsinn, territorial mit aggressiver Tendenz, unabhängig, schlecht erziehbar. Mit dieser Ansicht ist der inkompetente Halter fein raus, die Standardvariante des substanzlosen Schwächlings. Allerdings mit dem Nachteil, dass alles bleibt wie es ist. Und der Hund zahlt den Preis. Pfui.

Das neuste Problem ist der Rückruf. Der Hund kommt nicht, wenn er soll. Aha. Besonders auf dem Rückweg vom Teich will er nicht mit. Der Kollege geht dann mit dem Hund halt noch ´ne Stunde um den Teich. Bis der dann vor Erschöpfung oder Hunger doch mit kommt. Das, sage ich ihm (ohne die geringste Hoffnung überhaupt bis in seinen Gehörgang zu gelangen), das ist der falsche Weg. Dann issis erstmal besser ihn rechtzeitig anzuleinen als sich weiterhin verarschen zu lassen. Ja, aber ich krieg ihn doch nicht, er ahnt das und läuft weg. So, so, er ahnt das. Darum hab ich gesagt: Rechtzeitig. Mittlerweile bäumt sich Kollege gegen mich auf. Das freut mich, er wächst über sich hinaus, zaghaft. Ach du, giftet er, du weiß doch auch nicht wie das mit dem Rückruf klappt …

Wie alle Problemmenschen mit ihren Hunden sucht er nach einer einfachen Lösung. Er will das Gesamtpaket seines Versagens nicht zur Kenntnis nehmen. Er möchte den ultimativen Tipp, aus Büchern, von Trainerinnen, sogar von mir. Wenn man ein affines Verhältnis zu seinem Hund hat, also eine Beziehung über die simple Bindung hinausgehend, dann kommt der Hund. Er kommt mit, er will bei seinen Menschen sein, das ist tief in seinem Wesen verankert. Wer mit der Rütter-Methode über Monate vor laufender Kamera den Rückruf antrainieren muss, der hat so ziemlich alles falsch gemacht. Ich sag das mal etwas ketzerisch, ganz so einfach issis natürlich nicht immer. Wer allerdings wie Kollege auf das besondere Leckerli mit Vanillegeschmack wartet, um den gehorsamen Hund zu bekommen, der sitzt im falschen Zug und kommt nie ans Ziel. Es fährt ein Zug, nach nirgendwo, mit mir allein als Passagier.