Sonntag, 1. September 2019

September




Mit Emmi, dem Himmel so nah ...


Anfang 2000 fiel uns ein Buch in die Hände: Medalges. Der Journalist Jürgen König verbrachte für eine GEO-Reportage ein ganzes Jahr mit seinem Hirtenhund Schnaps in einer alten Hütte auf einer Alm im Ladinischen, also dem italienischen Teil Südtirols, und kämpfte mit allen Schwierigkeiten, die ein solches Unternehmen mit sich bringt. Besonders der Winter war nicht einfach ...
Das Buch fesselte uns - da mussten wir unbedingt auch mal hin!

Im September 2004 (vor 15 Jahren genau, darum schreib´ ich jetzt drüber) machten wir uns mit zwei Hunden und viel Gepäck im 
54 PS-Micra auf den Weg. Tatsächlich angekommen wanderten wir zwei Wochen durch die Dolomiten, oft auf allen Vieren, war schon anspruchsvoller als der Weyerberg in Worpswede.

Ein unvergesslicher, besonderer Urlaub war´s. So wie unsere Hunde Emmi und Gurke, die sind auch unvergessen!








Wir suchen seit einiger Zeit nach einer Schusterpalme (Aspidistra elatior) für die hintere linke Ecke des Wohnzimmers. Standortmäßig gut geeignet, war die Palme doch in früherer Zeit fester Bestandteil jeder schummrigen Ecke einer Schusterwerkstatt. Aber es ist gar nicht so einfach, das uns gefällige Gewächs in der Größe um die 80 cm zu bekommen. Also klappern wir die Pflanzenmärkte und Gartencenter der Gegend ab, wenn´s sich ergibt. Heute sind wir mit Cleo mal wieder durch die Steller Heide gewackelt, anderthalb Stunden, schön frühherbstlich war´s. Anschließend bot sich das neu eröffnete Center in Delmenhorst zur Palmensuche an. Erfolglos, aber Cleo findet Gartencenter immer ganz kuschlig ...





Sonntag, Morgennebel, wundervoll herbstlich.





Frische Feigen, gleich mit Cleo an die Trupe, dann Abstecher zum Wilstedter Kunsthandwerkermarkt, nachher Pizza.





Und dann sind wir noch ins Elefantenmuseum, schon lange geplant. Es kommt nicht mehr allzu oft vor, daß mir der Mund offen steht vor Staunen - ein Wahnsinn! Da nicht viel los war schenkte uns der Sammler selbst ein kleine Führung, ein sehr netter Mann, der Volker Kühn. Wer mehr über Elefanten wissen will, der sollte hier mal kurz klicken.



Warten. Nein, nicht auf´s Christkind, auf die Pizzaaaa !!




Wir treffen ja des Öfteren Menschen, die entzückt, interessiert oder fragend ausrufen: "Ah, ein Entlebucher!". Man kommt dann natürlich in ein kurzes Gespräch. Einige hatten auch mal einen, andere haben den von Nina Ruge vor Jahren im TV gesehen oder beim Nachbarn saust einer im Garten rum. Witzig ist der Umstand, daß viele den Namen kreativ verändern. Entelbucher oder Entenberger kommt häufig vor. Letztens hat ein Mann mit Gebirgsschweißhund aus Cleo einen Anderbacher gemacht ...






Cleo´s Läufigkeit liegt jetzt gut zwei Monate zurück, momentan hätte sie wohl gerade Welpen, hätte. Ihr Gesäuge ist geschwollen aber nicht verhärtet. Ansonsten keine Symptome wie Nestbau oder Stofftiere rumschleppen. Und das ist auch gut so.

Während der Läufigkeit und danach hat sie eine Phase der Huscheligkeit. Cleo ist dann weniger selbstsicher, bedrängende Rüden quittiert sie mit mimosenhaftem Aufjaulen und sie sucht Schutz bei uns, den sie natürlich auch bekommt, und wie: Einer für alle, alle für einen! Das legt sich dann recht schnell wieder, das Vertrauen in die eigene Stärke kehrt zurück!




Entzieh´ dich der Situation, du Löffel!







Off topic:

"Der Erfolg der deutschen Klimapolitik entscheidet sich nicht an deutschen Fleischtheken oder in den Heizungskellern. 
Vielmehr braucht Berlin weltweit Verbündete, um die globalen CO2-Emissionen zu reduzieren. 
Das Klima interessiert sich nicht für Landesgrenzen"

(Quelle n-tv.de)










Sonntag, morgens gegen sieben, noch recht kühl.




Frühstück bei Tiffany? Ah geh, Frühstück im Moor! Mit Toni und ihren Leuten. Frisches Kürbisbrot und vieles mehr.









Anschließend zwei Stunden durch den Morgen gegangen, bis zum Aussichtsturm und zurück. Schön war´s!






Heute mal wieder nach Hamburg gefahren, in die Kunsthalle. Parken unter der Halle, dann mit Cleo um die Alster (die kleine). Seiner Persönlichkeit entsprechend ist unser Hund in fremder, lauter, urbaner Umgebung anfangs aufgeregt, mittelschwer reizüberflutet. Das ist nicht schlimm, wir kennen das, geben ihr die "soziale Anlehnung" die sie braucht. Dabei wird uns immer wieder deutlich, wie unsinnig die verbreitete Ansicht ist, einen nervösen Hund sich selbst zu überlassen, seine Not zu ignorieren, um nichts zu verstärken. Wird von den "Zertifizierten" nach wie vor in Welpenstunden propagiert (mit schlimmen Folgen für den Hund). Dabei ist das Gegenteil richtig, denn den stark erhöhten Spiegel an diversen Stresshormonen, die das aufgeregte Verhalten ja steuern, kann man durch Ignorieren oder Maßregeln nicht senken, eher weiter erhöhen. Sich zuwenden, inklusive Streicheln wie Brusttätscheln, wirkt dem Cortisolüberschuß entgegen. Hat bei uns auch etwas gedauert, die alten Zöpfe abzuschneiden, Thomas Baumann sei Dank. 
Gut. Nach vielleicht zehn Minuten war Cleo runtergefahren, alle freuten sich, da kam ein Insekt ins Spiel, Wespe oder Biene, ging Cleo wohl ins Gesicht, stach aber nicht, Gott sei´s gedankt. Auf alle Fälle war Cleo´s Ruhe zum Teufel, erstmal. Sie hatte wohl das Gefühl von einem fiesen, fliegenden Auftragskiller verfolgt zu werden. Auch das legte sich wieder und die Alster machte Spaß.





Die Räumlichkeiten der Hamburger Kunsthalle sind Geschmackssache. Wir haben jedesmal wieder unsere Schwierigkeiten mit der verwirrenden Anzahl der Etagen und Räumen, und ein büschen auch mit dem "feeling". Aber was dort an den Wänden hängt ist sensationell, keine Frage.








 Hi Nolde,


Tach Feininger,


Wie geht´s, Frau Münter?


Herr Hodler, schön Sie zu seh´n,


Ach, Pablo, Du alte Backe ...








Friday for Forelle ...

Heute sind wir zu den Ahlhorner Fischteichen gefahr´n, mit Cleo ausgiebig durch den Wald um die alten Teiche gewandert 
und dann in den Hofladen eingefallen!





Räucherfrische Forellenfilets, Scheibe Schwarzbrot, Butter und Meerrettichcreme, unter freiem Himmel verspeist, macht Freude!
Sechs Filets ham wir noch mitgenommen, unschlagbar günstig direkt vom Erzeuger (die ess´ ich heute Nacht, Wecker stellen, hahaha).

Hier der Flyer, klick.






Cleo blaublütig


Heute der vielleicht letzte Sommertag, satte 25 Grad war´s warm.

Viel draussen gewesen, den Wümme-Südarm lange lang, gegen Abend Uniwildnis und Kuhgraben. 
Der iPhone-Schrittzähler stand auf über 14 Tausend, lobenswert, umweltbewußt und krankenkassenfreundlich.





Cleo hat keinen Bock auf "Shopping Queen".

Aber "Bares für Rares" kuckt sie immer mit.




Off topic:


Kritisch äußerte sich Friedrich Merz über Greta Thunberg und ihren Auftritt bei den Vereinten Nationen in New York: „Also ganz ehrlich, meine Tochter hätte ich da nicht hingelassen“, sagte Merz. „Auf der einen Seite ist das Mädchen bewundernswert, aber auf der anderen Seite ist sie krank“, so Merz. Thunberg hat das Asperger-Syndrom, eine milde Form des Autismus.

(Quelle: www.handelsblatt.com)

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg wird mit dem Alternativen Friedensnobelpreis geehrt. Für die 16-Jährige ist der "Right Livelihood Award", wie der Preis offiziell heißt, die bisher höchste internationale Auszeichnung für ihr Engagement gegen den menschengemachten Klimawandel. Bereits im Februar wurde sie neben 222 anderen Einzelpersonen für den "echten" Friedensnobelpreis nominiert und hat gute Chancen, ihn auch zu bekommen. Das wäre jedoch aus mehreren Gründen das völlig falsche Signal.

(Quelle: www.n-tv.de)


Gut, gut, ich werd´ damit aufhören. Das ist ein Blog über Cleo, und das soller auch bleiben. Frauli zieht sowieso schon eine Augenbraue hoch ... Aber diese Tänze um goldene Kälber geh´n mir einfach auf den Sack, Ende der Durchsage.






Sooo, der nächste Urlaub ist gebucht: 
Wieder mal nach Rügen, in unsere geliebten Zicker Berge!



Diesen Strandgang von 2015 ham wir noch mit Merle gemacht, aber eigentlich ist sie immer bei uns, 
und sie kuckt uns sicherlich vom Hundehimmel aus zu, bestimmt!








Samstag, büschen kühl issis.



Die Sardellen sind von Bodes frisch frittiert, das Brot selbstgebacken.
Wenn in Italien schlechtes Wetter ist und die Fischer im Hafen bleiben, dann gibt´s bei Bodes keine Sardellen.
Do kannsch schiddla wie de willsch.




Sonntag, ein Regentag, trotzdem zwei Stunden durch die Steller Heide, in Wachsjacke, ist nicht mehr dicht, neu wachsen. Die jahrzehntelange Erfahrung mit Hundespaziergängen im Regen zeigt klar und deutlich: Ausser dem gelben Ostfriesennerz (und den kann ich aus religiösen Gründen nicht anziehen, hahaha) hält selbst eine 150 Euro-Regenjacke nicht dauerhaft dicht. Aber man ist ja nicht aus Zucker ...

Den weiteren Teil des Tages abwechselnd auf dem Sofa verbracht, das Wohnzimmer ist trocken und windstill, einer der wenigen Vorteile der Zivilisation. Das "abwechselnd" bezieht sich auf uns, nicht auf Cleo, die liegt immer bei irgendeinem auf dem Bauch.










Donnerstag, 1. August 2019

August





 Am Vorabend des Allerheiligenfestes des Herrn im Jahre 1517 sind von Martin Luther 95 Thesen 
an die Türen der Wittenberger Kirchen angeschlagen worden.


Das wünsche ich mir auch von den folgenden Zeilen. In alle Eingangstüren der Hundeschulen und einschlägig genutzten Seminarräume sollten sie eingeschnitzt sein! 
Nach uns greift der böse Zeitgeist natürlich auch immer mal wieder, na klar. Die blödsinnige Idee vom perfekten Hund 
liegt in der Luft - immer schön kräftig ausatmen ...

"Sogenannte Problemhunde entstehen häufig einfach durch falsche Erwartungen des Menschen an seinen Hund! Hunde sind Lebewesen, sie sind nicht „perfekt“. Wir schaffen uns einen Hund aus Fleisch und Blut an, keinen Roboter, der nur entsprechend unserer Bedürfnisse programmiert werden muss und dann zuverlässig funktioniert. Und immer besteht ein Hund nicht nur aus „Problemverhalten“. Daher ist es wichtig, sich immer wieder bewusst zu machen, welche wundervollen Eigenschaften der eigene Hund hat. Gerade wenn Sie zurzeit mit einem Problem kämpfen, sollten Sie sich einfach einmal die Zeit nehmen und positive Eigenschaften Ihres Hundes sowie tolle Erlebnisse mit Ihrem Hund aufschreiben. Sie werden erstaunt sein, was für eine Liste dabei zusammen kommt. Denn nicht umsonst haben Sie sich damals für Ihren Hund entschieden. Machen Sie sich bewusst, dass das Idealbild Ihres Hundes niemals mit der Realität übereinstimmen kann. Und mal Hand aufs Herz: Wäre das Leben mit dem perfekten Hund nicht einfach viel zu langweilig? Akzeptieren Sie Ihren Hund daher so wie er ist, mit all seinen Stärken und Schwächen. Helfen Sie ihm dabei, sich zu entwickeln, aber lernen Sie auch seine Grenzen kennen. Versuchen Sie nicht, ihn zu biegen oder zu brechen, denn das, was seine Persönlichkeit ausmacht, werden Sie nicht verändern können."











Samstag, Töpfermarkt in Oldenburg, war wieder nett und es gab viel zu kucken ...




... zum Beispiel Hunde!







Und das gesuchte Milchkännchen ham wir och jefunden, schön!











Im folgenden Video hab ich mal ein paar Begegnungen zwischen Cleo und Joggern bzw. Radfahrern aufgenommen. 
Ohne Leine und Halsband, ohne Kommandos, frei wie der Wind sollte sie sein. 
Natürlich läuft das sonst meistens nicht so ab, da gilt "Safety first" für alle Beteiligten, logo. Aber sie kann´s eben auch anders 
und das gibt uns ein gutes Gefühl.









Ein Bett im Kornfeld, das ist immer frei,
denn es ist Sommer und was ist schon dabei,
die Grillen singen und es duftet nach Heu,
wenn wir träumen ...










Na gut, nochmal was zum Entwurmen (weil wir in der Sache gerade tätig sind, hahaha).

Was ist die Präpatenzzeit? Die Präpatenz beschreibt den Zeitraum von der Infektion durch einen Parasiten, bis zum Nachweis seiner Vermehrungsprodukte (Eier, Larven, Trophozoiten, Mikrofilarien) im Stuhl, Urin, Sputum oder im Blut. Je nach Erreger variiert die Präpatenzzeit.


Was bedeutet das? Das bedeutet, will man auf die tolale „Nummer Sicher“ gehen, daß man seinen Hund alle 1-2 Monate entwurmen müsste (klicken, wer mir nicht glaubt). Die von den Tierärzten empfohlene Entwurmung im Drei-Monats-Rhythmus ist noch moderat zu nennen.

Sind Wurmkuren gesund? Nö, natürlich belasten sie den Organismus des Hundes, es gibt teilweise starke Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten, und bei einer derart häufigen Verabreichung sicher auch Resistenzen unter den Würmen. Viermal pro Jahr bedeuten in einem 15jährigen Hundeleben glatte 60 (Wurm-)Giftgaben.. Bei der ganz sicheren Variante (durchschnittlich alle sechs Wochen entwurmen) kommt man auf über 120! Die allermeisten, über 80%, völlig unnötig, weil keine Verwurmung vorlag.

Was tun? Vorher auf Wurmbefall testen. Kotuntersuchung. Wer auch hier „sicher gehn“ will, der macht das alle drei Monate. Uns ist das sicher genug!

Wo läßt man untersuchen? Über den Tierarzt, oder besser selbst über´s Labor. Was kostet das? Auf Würmer aller Arten ca. 12 Euro, zusätzlich auf Giardien ca. 25 Euro. Wenn kein verdächtiger Grund auf Giardien vorliegt, machen wir nur auf Würmer.
Unser Labor ist dieses: ParaDocs, München (klicken).





Das war´s. Die passenden Beutel, klick.







Sonntag, mit Toni und ihren Menschen am Südarm auf Krebsfang gewesen. Nix, es gibt Pizza ...





Wir haben natürlich schon immer für alle Hunde eine Haftpflichtversicherung. Und das ist auch gut so!

Mitte April des laufenden Jahres schlenderten wir einen Weg zwischen Stadtwald und Kleine Wümme lang, ein unbefestigtes Niemandsland sozusagen. Cleo lief frei vielleicht zwei, drei Meter von uns weg. Plötzlich erschien eine Joggerin wie aus dem Nichts. Sie war von hinten an uns herangelaufen, hatte sich in keinster Weise bemerkbar gemacht, lief wie an einer Schnur gezogen mit unvermindertem Tempo dicht an uns vorbei. Als wir sie aus den Augenwinkeln bemerkten und Cleo zu uns heranriefen, ließ sie dem Hund nicht eine Sekunde Reaktionszeit, lief weiter, fiel über den Hund, stürzte und brach sich ein Bein. Wir kümmerten uns um die am Boden Liegende, riefen einen Rettungswagen, der kam dann auch rasch und nahm sie mit. Adressen wurden ausgetauscht und am Abend erfuhren wir vom Lebensgefährten der Joggerin die "Diagnose", sie blieb für einige Tage im Krankenhaus. Das alles tat uns aufrichtig leid, obwohl wir uns für den Unfall nur bedingt verantwortlich fühlten. Der Versicherung wurde Mitteilung gemacht, der Sachverhalt geschildert, die Sache lief.

Nach drei Monaten lag ein Schreiben des zuständigen Polizeikommissariats im Briefkasten: Ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung war eingeleitet worden. Wir hatten das schon angedacht, waren nicht völlig überrascht - aber auch nicht erfreut. Dieses Eisen schien uns doch etwas heiß zu sein, also nach der passenden Anwältin gesucht, eine gefunden, die beantragte erstmal Akteneinsicht, gut soweit. Stille. 

Nach zwei Wochen lag wieder ein Schreiben im Briefkasten, diesmal von der Staatsanwaltschaft. Die machte uns den Vorschlag, das Verfahren gegen eine Zahlung von 250 Euro einzustellen.

Nun atmeten wir kräftig durch, überwiesen die 250 Euro an die Landeskasse, bedankten uns bei der Anwältin, die ein faires Honorar in Rechnung stellte. Der Rest ist Sache der Versicherung (davon gehn wir aus, felsenfest).










Heute die Mail vom Labor gekriegt:






Samstag, bewölkt, frei, die Einkäufe sind erledigt, mit Cleo am Unisee, durch die Wildnis, am Stadtwald gegangen. So soll es sein, das ist das Leben! Ich hab ohnehin schon lange alles erreicht: Mein Hund kommt, wenn ich ihn rufe. Mehr wollte ich nie, das war der einzige Ehrgeiz … 😉

Auf dem Rückweg zum Auto wie so oft auf eine „Hundeschule to go“ getroffen. Auf dem großen Parkplatz standen bestimmt 15 Leute mit ihren Hunden, im Kreis, in zwei Kreisen. Und in jedem dieser Kreise produzierte sich eine dieser zertifizierten Problemhundemacherinnen. Die Menschen machten allesamt einen trostlosen Eindruck, man erkennt das ja am Ausdruck. Und so waren auch die Hunde drauf. Dagegen geht’s in der urologischen Notaufnahme heiter und entspannt zu. Vom Glauben fiel ich ab, als ich einen Labbiwelpen mit Halti erkannte. Wer führt seinen 10 Wochen alten Welpen am Halti? Wohl ein Tipp der Zertifizierten. Mir schwirrte der Ausspruch Max Liebermanns beim Tee mit Käthe Kollwitz während der Nazizeit durch den Kopf: Ick kann janich soviel fressen wie ick kotzen möchte … Wir mussten weiter, konnten es nicht mehr ertragen. Warum machen die Leute das? Warum tun sie sich und ihren Hunden das an? Warum bloß?

Später an Horst Janssen gedacht, einer der herausragendsten und produktivsten Zeichner und Grafiker des 20. Jahrhunderts. Ab 1946 studierte Janssen in der Landeskunstschule in Hamburg. Sein Lehrer war Alfred Mahlau und Janssen war von Anfang an sein Meisterschüler. Über Mahlau hat er in seinen Büchern viel geschrieben, zum Beispiel folgendes, ich zitiere aus der Erinnerung:

In der Parallelklasse war ein hochnäsiger, sehr auf seine Wirkung bedachter Junge. Victor von Bülow, später Loriot. Das nur am Rande. Bedeutender war die Tatsache, daß Mahlau in den ersten Wochen ausschließlich das Sehen lehrte. Wie sieht alles eigentlich genau aus? Wie fallen die Schatten, wo sitzen die Spitzlichter? Wie kann ich einen angewinkelten Arm nur mit Hilfe der Kontur dreidimensional darstellen usw.
Die Jungs in der Parallelklasse bekamen sofort einen Bleistift in die Hand gedrückt und legten los. Ob der junge Loriot schon damals Wum oder Herr Müller-Lüdenscheidt gezeichnete hat, ist nicht überliefert. Auf alle Fälle amüsierte sich Janssen später köstlich darüber: Während wir von Mahlau das Sehen lernten, versuchte der Professor in der Parallelklasse den Blinden das Zeichnen zu vermitteln.





So ungefähr kann man das Treiben in wohl 90 Prozent der hier aus dem unfruchtbaren Boden geschossenen Hundeschulen beschreiben. Da wird ahnungslosen Menschen, die nicht die geringste Vorstellung haben, was ein Hund ist, und die über keine Affinität zu diesem wundervollen, intelligenten und ihnen an sozialem Einfühlungsvermögen weit überlegenen Tier verfügen, da wird diesen gutwilligen Menschen beigbracht, wie ihr Welpe ordentlich bei Fuß zu gehen hat. Es ist wie mit den Blinden aus der Parallelklasse …




Sonntag, Kunsthallen-Tag.

Aktuelle Ausstellung: Karin Kneffel. Von der hatten wir noch nie was gehört. Und auch der momentane Kunsthallendirektor hatte mit seinen Aktivitäten bisher nur enttäuscht. Trotzdem, bei 10 Euro Eintritt kann man nix falsch machen. Bezahlt, die Jacken im Spind verstaut, Vorschrift, und dem Pfeil zur Ausstellung entspannt gefolgt. Und dann waren wir plötzlich hellwach!! Was war das denn? Da konnte jemand malen, richtig malen! Und die Sujets waren hochinteressant und sehr verschieden. Es gab Arbeiten in Din A5-Größe und wandfüllend, in Öl auf Leinwand und im Kupferstichkabinett hingen Aquarelle, wundervolle kleine Aquarelle! Nun wissen wir, wer Karin Kneffel ist, und die 35 Euro für den Ausstellungskatalog sind gut angelegt.

Vor Begeisterung wie besoffen wankten wir ins Parkhaus und fanden den Nissan nicht wieder, aber das war uns egal ...
















Was uns  erst nach einigen Betrachtungsminuten aufgefallen ist:
Das Spiegelbild des Dalamtiners schaut den Betrachter mit erhobenem Kopf an!






Seit anderthalb Wochen befassen wir uns mit Alexander von Humboldt. Nein, nicht der Erfinder des gleichnamigen Pinguins. Der Forscher auf allen erdenklichen Ebenen der Naturwissenschaften und der Wirtschaftsgeologie, der Völkerkunde und vieles mehr. Ein genialer Mensch. Geboren 1769 in Berlin, gestorben 1859 auch in Berlin. Humboldt hat einige mehrjährige Expeditionen und Forschungsreisen in der Welt gemacht, dabei alles aufgesogen, was ihm vor die Augen kam. Er war erbitterter Kämpfer gegen die Sklaverei, gegen den fürchterlichen Missionierungsirrsinn, Unterdrückung, Ausbeutung usw. 
Er erkannte schon im 18. Jahrhundert beispielsweise die schlimmen Folgen von Monokulturen, damals wurde mit Zuckerrohrplantagen viel Geld verdient. Humboldt hat vor über 200 Jahren gesehen und gewußt, wie der Zustand der Erde heute ist.

Und nach ihm unzählige Menschen, die wissenschaftlich belegt und gewarnt haben, daß es schon lange 5 nach 12 ist. Wir brauchen keine Greta Thunberg, keinen kindlichen Messias, keinen (Öko-) Kinderstar wie Heintje oder Liz Taylor, die mit einem Lassie-Film groß raus kam und ihr Erwachsenenleben damit ausfüllte, mit Richard Burton um die Wette zu saufen und sich zwischendurch feste was in die Schnauze zu keilen. Vermutlich wird Greta in wenigen Jahren in Vergessenheit geraten und Kinderbücher schreiben wie Jutta Ditfurth.

Die Welt wird von ein paar Lebensmittelkonzernen wie Nestlé, ein paar Großbanken und ein paar dieser gigantischen Hedgefonds regiert, die mit Nahrungsmitteln, Palmöl und Währungen spekulieren. Die machen keine Fridays for Future, nö, die sind mit Greta sogar ziemlich glücklich. Denn Greta lenkt ab. So´n büschen Kindertheater, Kater Mikesch rettet die Aale. Und wer ist schuld? Grönemeyer, der Depp. Kinder an die Macht, so ein Blödsinn!


Gut, ich schweife ab. Es ging mir um Humboldt. Wie gesagt, ein Wahnsinnstyp, seiner Zeit weit voraus. Goethe war ein lieber Träumer, Schiller ein kleines Arschloch. Aber Alexander von Humboldt war wirklich gut, AVE!











Sonntag, mit Toni und Leuten drei Stunden durch die Fischerhuder Niederungen gewackelt. In der Sonne satte 30 Grade. Wir versuchten den Gang soweit möglich im Schatten von Bäumen zu gehn. Dem kam das Stück in Fischerhude über die Stege der Wasserläufe am nächsten, auf Rilkes Spuren sozusagen.





Abkühlung für die Kleinsäuger. Bei uns war´s die Angst vor´m Sonnenstich ...



Der Lohn der Angst, vier Kugeln inner Waffel.



Cleo regeneriert erstmal.








Montag

Es sind draussen 32 Grad, Celsius, versteht sich. Cleo und ich waren früh am See, einmal rum, zehnmal schwimmen, das war´s. Jetzt liegt sie auf´m Sofa, die Rollos sind ganz unten, der Ventilator läuft, Runde um Runde. Man kann nicht viel unternehmen, man will´s auch nicht, die Sonne liegt vorn, 1 : 0, vielleicht ist bald Halbzeit, mal hör´n, was der Trainer sagt.

Ich dödel rum am PC, Musik wäre nicht schlecht, suche im CD-Regal und stoße auf Wagner, Siegfried Idyll.
Wieso ham wir das? Wer von uns hat jemals Wagner an seine Ohren gelassen? Na gut, rein damit und auf Play, geht los. 
Oha, leiser bitte, Cleo blinzelt, ich gehe in Wikipedia auf den Ring der Nibelungen. Vielleicht ergreift mich der Ehrgeiz. Nö, aber ich lese mal diagonal den endlosen Stremel runter, wie ein Psychiater in der Notaufnahme, nur nicht den Wahnsinn an sich rankommen lassen, Distanz ist das Zauberwort. Dann gibt’s auch Lustiges:

In langer Zeiten Lauf
zehrte die Wunde den Wald;
falb fielen die Blätter,
dürr darbte der Baum.“

Die Handlung der vier Teile des Rings ist schnell erzählt. Zu Beginn spielen die Rheintöchter (Woglinde, Wellgrunde und Floßhilde) mit dem Gold, dem Rheingold eben. Dann folgen 16 Stunden (die Aufführungsdauer variiert) eines unfaßbaren Irrsinns, und am Schluß erhalten die drei Rheintöchter das nun vom Fluch gereinigte Gold zum Spielen zurück, Vorhang.







Bilanz




In den nun drei Jahren und acht Monaten der Existenz dieses Blogs ist er 49 Tausend 781 mal angeklickt worden. Das ist relativ beeindruckend, finden wir. Nicht im Vergleich mit den millionenfach geliketen Öffentlichkeitsarbeiten sich schminkender Jünglinge natürlich, aber daß sich doch nicht ganz so wenige Menschen für das Leben eines kleinen, dicken, schwarzen Hundes interessieren (inklusive der Schreibereien eines bemühten Bloggers), das verblüfft schon. Eigentlich ist der Blog ja als privates Tagebuch gedacht. Aber der bekannte Satz von Max Frisch: "Man kann alles erzählen, nur nicht sein wirkliches Leben", läßt uns das öffentliche Mitlesen wegstecken, macht ja auch Spaß ein Publikum zu haben, hahaha.

Einen kleinen Pferdefuß hat die Sache allerdings: Langeweile. Selbstverständlich besteht die Möglichkeit, seine Leser - und was noch schlimmer wäre: sich selbst - zu langweilen. Naja, schau´n wir mal ...






Samstagfrüh in der Kommandozentrale, kurz noch wachinformieren, dann Einkaufszettel kritzeln, das Lachsöl für Cleo darf ich nicht vergessen, und die Angebote bei REAL, Barillanudeln und Mövenpickkaffee, und Druckerpapier (beim Zeus, wenn ich das vergesse, nicht auszudenken). Gehört wohl zum Leben dazu, die Marginalien des Alltags, Nachbarn grüßen, all die Hochbegabten im Job zerlächeln, tanken unter einsachtunddreißig. Dann kommt die Kür, der Ernst, das Wesentliche: Mit Frauli Mozzarella-Tomaten essen und mit Cleo gehn, irgendwo, einfach gehn, zusammen, authentisch sein.